Das Krefelder Landgericht hat es mit sechs mutmaßlichen Drogenhändlern zu tun. Drahtzieher soll ein 21-Jähriger aus Nettetal sein. Er ist geständig.

Nettetal/Krefeld. Die beschlagnahmten acht Kilogramm Amphetamine und 1000 Ecstasy-Pillen sind wohl nur die Spitze des Eisberges. Vieles war zur Zeit der Festnahme der sechs mutmaßlichen Drogenhändler zwischen 14 und 23 Jahren bereits verkauft oder wartete bei einem niederländischen Zulieferer auf Abholung.

Nach monatelangen Ermittlungen hatte die Kreis Viersener Kriminalpolizei im Sommer vergangenen Jahres das organisierte Netz von Drogendealern, Kurieren, Depothaltern und Auslieferern hochgehen lassen. Die jungen Leute aus Nettetal, Viersen und Kempen müssen sich jetzt vor dem Krefelder Landgericht verantworten.

„Wir wohnen doch alle in Grenznähe. Anfangs fahren viele mit dem Fahrrad, meist für den Eigenbedarf. Später bringt man was für Freunde mit. So wurde es bei mir immer mehr.“
Angeklagter H. aus Nettetal

Zumindest dem mutmaßlichen Drahtzieher H. (21) aus Nettetal erschien seine Entwicklung zum Drogenhändler beinahe zwangsläufig: „Wir wohnen doch alle in Grenznähe. Anfangs fahren viele mit dem Fahrrad, meist für den Eigenbedarf. Später bringt man was für Freunde mit. So wurde es bei mir immer mehr.“

Mit dem Ziel der Gewinnoptimierung, so die Anklage, soll sich der voll geständige ehemalige Installateur-Auszubildende dann im Herbst 2010 mit einem ähnlich ambitionierten Grenzgänger, dem Viersener Gärtner T. (22) zusammengeschlossen haben. Dabei soll H. weiter die Geschäftsbeziehungen gepflegt und T. sich schwerpunktmäßig um Transportmöglichkeiten, Kuriere und Auslieferer gekümmert haben.

Die Angeklagten unterhielten sich in einer eigenen Geheimsprache

Grundsätzlich habe man Geschäfte möglichst konspirativ betrieben und die Bestellungen über Internet oder Mobiltelefon mit Hilfe von Ausdrücken wie „Weißer Lack/Lack/Winkelschleifer“ für Amphetamine oder „Heckenschere/Schnittblumen“ für Marihuana getarnt.

T. sitzt – ebenso wie H. und drei der angeklagten Drogenkuriere – in Untersuchungshaft. Zwar wollten diese sich zunächst nicht äußern, bestätigten aber auf Nachfrage der Richterin die Angaben von H. über den vereinbarten Kurierlohn. Der habe pro Abholung der bestellten Ware bei einem niederländischen, bisher unbekannten Dealer rund 200 Euro betragen.

Rolle der vier mutmaßlichen Kuriere soll vor Gericht geklärt werden

Später sollen die Ecstasy-Pillen, Amphetamine, Marihuana und Kokain an Händler im Ruhrgebiet und aus der näheren Umgebung gegangen sein. Welche Rolle aber die vier mutmaßlichen Kuriere, und damit auch die inzwischen erst 15-jährige S. aus Kempen neben H. und T. gespielt haben, sollen vier weitere Verhandlungstage klären. Dann werden auch Zeugen gehört. Laut Anklage sollen sich die vier jungen Leute bei der Mehrzahl der angeklagten 50 Taten als Kuriere betätigt haben.

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