Der Naturschutzbund hat die „Stunde der Wintervögel“ ausgerufen. Am Wochenende sollen Bürger eine Stunde lang Vögel zählen und so dabei helfen, die Tiere besser zu schützen.

Nettetal. Die Blau- und Kohlmeisen fühlen sich bei uns immer noch besonders heimisch. Obgleich: „Von der Allerwelts-Meise würde ich heute nicht mehr sprechen“, sagt Ansgar Reichmann. Der Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen beobachtet seit vielen Jahren die heimische Natur. Durchaus mag er bestätigen, dass die Meisen, die zu den sogenannten Standvögeln gehören und hierzulande überwintern, immer noch in großer Zahl zu beobachten sind.

Die Population vieler Vogelarten geht zurück

Dennoch: Die Population ginge zurück. Und das gelte für viele der hiesigen Vogelarten. Der Naturschutzbund (Nabu) ruft am kommenden Wochenende zur jährlichen „Stunde der Wintervögel“ auf. Von Freitag bis Sonntag, 9. bis 11. Januar, sind die Bürger im Kreis Viersen aufgerufen, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. Die Ergebnisse der bundesweiten Aktion werden zusammengetragen und sollen Aufschluss darüber geben, welche Wintervögel wo vorgekommen, und welche Veränderungen auszumachen sind.

293 Menschen beteiligten sich im vergangenen Jahr im Kreis Viersen an der Aktion, 76 000 Bürger waren es in ganz Deutschland. 8252 Vögel zählten die Vogelbeobachter Anfang Januar 2014 im Kreis, im Jahr zuvor waren es noch 9685. Das mag nicht zuletzt an den Witterungsbedingungen und der rückläufigen Zahl der Teilnehmer gelegen haben. Gleichwohl sagt Biologe Ansgar Reichmann, dass der Vogel-Rückgang ein beobachtbarer Trend sei. „Es sind deutlich weniger geworden“, sagt Reichmann, was unter anderem auch an der Verwendung von Spritzmitteln liege. Würden im Garten die Rosen bespritzt, um der Blattläuse Herr zu werden, nehme man manchem Vogel zugleich die Nahrungsgrundlage. „Es kann passieren, dass dann mal eine ganze Brut wegfällt“, so Reichmann.

Darum hofft der Naturschutzbund bei seiner Zählung auf möglichst viele Daten. Denn dann, heißt es vom Nabu, ließe sich langfristig feststellen, wie sich Veränderungen, etwa der Klimawandel oder regional auftretende Krankheiten, auf die Vogelwelt auswirkten.

„Je genauer wir über solche Fragen Bescheid wissen, desto besser können wir uns für den Schutz der Vögel einsetzen“, sagt Bernd Jellinghaus, Sprecher des Landesfachausschusses Ornithologie und Vogelschutz im Nabu NRW.

Besondere Aufmerksamkeit möchte der Naturschutzbund in diesem Jahr Amsel und Grünfink widmen – und der Frage, ob beide Arten wie in den letzten Jahren weiter abnehmen, so Jellinghaus.

Im Mittelpunkt der „Stunde der Wintervögel“ stünden vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten, die auch den Winter hier verbringen – wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Bei Nahrungsengpässen tauchten in manchen Wintern in großer Zahl auch Invasionsvögel wie Seidenschwanz, Erlenzeisig oder Bergfink auf. Besonders häufig zählten die Beobachter im Kreis Viersen im vergangenen Jahr die Kohlmeise. 1275 Exemplare sollen es gewesen sein. Zum Vergleich: 2013 wurden 1324 Tiere gesichtet.

Neben jenen heimischen Vögeln, die im Kreis Viersen überwintern, und jenen Zugvögeln, die wärmere Gefilde vorziehen, gibt es übrigens auch solche, die erst im Winter kommen: etwa Gänse. Die ziehen aus sibirischen Gefilden in den Kreis Viersen, weiß Ansgar Reichmann: Weil’s hier so schön warm ist.

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