Durch eine sinnvolle Struktur wird das komplizierte Stück verständlich.

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Elf Akteure in 70 verschiedenen Rollen bekamen die Zuschauer in der Werner-Jaeger-Halle zu sehen.

Elf Akteure in 70 verschiedenen Rollen bekamen die Zuschauer in der Werner-Jaeger-Halle zu sehen.

Friedhelm Reimann

Elf Akteure in 70 verschiedenen Rollen bekamen die Zuschauer in der Werner-Jaeger-Halle zu sehen.

Lobberich. Elf Akteure in 70 verschiedenen Rollen – das Stück „Der kaukasische Kreisel“ war für die Zuschauer in der Werner-Jaeger-Halle keine leichte Kost. Aber das Ensemble des Theaters Euro-Studio schaffte es, seinen Charakteren durch intensives Spiel sowie groteske Maskerade facettenreich Ausdruck zu verleihen. Dramatisch begleitet wurde es von Akkordeonspielerin Tatjana Bulava. Peter Bause führte als Erzähler und Sänger Arkadi vor ausverkauftem Haus durch die Rahmenhandlung des Gleichnisses und übernahm zusätzlich die Rolle des Dorfschreibers und -richters Azdak.

Zu Beginn eines jeden Aktes nahm er das Wesentliche vorweg und strukturierte damit den häufigen Perspektivwechsel. „Wenn mancher wüsste, was mancher weiß, da würde ihm kalt und würde ihm heiß,“ stellte er fest.

Große Spannung und heitere Momente wechseln sich ab

Die Zusammenfassungen und Kommentare durch den Erzähler nahmen zwar etwas die Spannung, stellten aber die zeitkritische Brisanz sowie entlarvende Momente in den Vordergrund. Diese Form der Darstellung kam beim Publikum gut an.

Als etwa die Magd Grusche mit dem zurückgelassenen Kind der kaltherzigen Natella vor den Schergen des neuen Machthabers Kazbeki über einen wackeligen Steg mit einem improvisierten Abgrund von 2000 Fuß Tiefe dramatisch flüchtete, war es mucksmäuschenstill in der Werner-Jaeger-Halle. Die Flucht der Bauersfrau, die vor Angst schlottert und sich gar nicht mehr beruhigt, belohnten die Zuschauer mit amüsiertem Lachen. Der volltrunkene Mönch, der die Eheschließung Grusches mit einem vermeintlich dem Tode geweihten Bauern, sorgt durch seinen ungelenken Gebärden und seinem Lallen für brüllendes Gelächter.

Im Stück fordert die böse Fürstin vor Gericht ihr Kind zurück. Dorfrichter Azdak ordnet eine Probe an: Beide Mütter ziehen an den Armen des in einem Kreidekreis befindlichen Kindes. Doch Grusche lässt los und ruft: „Ich hab’s aufgezogen. Soll ich’s zerreißen?“ Das überzeugt den Richter von der bedingungslosen Fürsorge der Ziehmutter. Schließlich trägt er „aus Versehen“ in die Scheidungsurkunde eines seit 40 Jahren verheirateten Paares die falschen Namen ein und verkündet zum Ende schmunzelnd: „Ich habe die Grusche von ihrem Bauern geschieden und ihr bleibt euch unsympathisch wie bisher.“

Das Ende überrascht und gefällt den Zuschauern

Das Publikum freute sich über die überraschende Pointe und reagierte mit lautem Gelächter. Immer wieder kamen die Schauspieler zum Schluss auf die Bühne, um sich zu verbeugen, während das Publikum einen nicht enden wollenden Applaus spendete. sup

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