Die Stadt verstärkt die Bemühungen, Flüchtlinge in die Gesellschaft einzubinden.

Die Stadt verstärkt die Bemühungen, Flüchtlinge in die Gesellschaft einzubinden.
Einige Flüchtlinge wurden im Ex-Hotel Majestic untergebracht.

Einige Flüchtlinge wurden im Ex-Hotel Majestic untergebracht.

Busch

Einige Flüchtlinge wurden im Ex-Hotel Majestic untergebracht.

Nettetal. Als am Montagmorgen Flüchtlinge vor dem Nettetaler Rathaus gegen die schleppende Aufnahme ihrer Daten durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge protestierten, trafen sie sofort auf Gesprächspartner aus der Verwaltung. Ina Prümen-Schmitz, die Leiterin des Fachbereichs Soziales, konnte zwar auch nur darauf hinweisen, dass der Stadt auf diesem Gebiet die Hände gebunden sind. Aber die Haltung der Nettetaler Stadtverwaltung gegenüber den Flüchtlingen macht deutlich, wie ernst sie die Aufgabe nimmt.

Eine halbe Stelle wird besetzt, um Ehrenamtler zu unterstützen

Bürgermeister Christian Wagner beschränkt die Arbeit seines Hauses nicht darin, zugewiesenen Flüchtlingen ein Dach über den Köpfen zu besorgen. Eine eigene Arbeitsgruppe beschäftigt sich intensiv damit, die unausweichlich neuen Zuweisungen zu bewältigen. Ende Februar fallen die insgesamt mehr als 550 Plätze im Sport- und Erlebnisdorf Hinsbeck und wohl auch in der ehemaligen Hauptschule Lobberich weg. An beiden Orten gibt es eine hohe Fluktuation, weil diese Flüchtlinge sich in der „Erstaufnahme“ befinden. Sie werden nach ihrer Registrierung Städten und Gemeinden zugewiesen.

Diese Zahl wird Nettetal im Laufe der nächsten Zeit aber zusätzlich bei den „Regelzuweisungen“ aufnehmen müssen. Das betrifft Menschen, die dauerhaft in der Stadt bleiben sollen. Bekanntlich gibt es Pläne, ihnen eine „Residenzpflicht“ aufzuerlegen: Sie wären mit dem Wohnsitz an Nettetal gebunden, können sich sonst aber frei bewegen. Diether Thelen, der Geschäftsführer der Wohnungsgesellschaft Kreis Viersen (GWG) hat errechnet, dass in Nettetal 15 Gebäude mit jeweils zwölf Wohnungen für zugewiesene Flüchtlinge gebaut werden müssten. Die Umsetzung ist illusorisch: Es fehlen verfügbare Flächen und Investoren. Das Problem, ihnen in Ortsnähe Arbeit zu beschaffen, kommt noch hinzu.

Unter der Regie Wagners verstärkt die Stadt aber ihre Anstrengungen, einerseits die Unterbringung der Menschen zu sichern und ihnen andererseits eine Perspektive zu geben. „Wir benötigen Gebäude, die hergerichtet werden müssen und eine vernünftige Ausstattung haben. Die Zuweisung muss nach familiären, sozialen, religiösen und herkunftsbezogenen Kriterien geschultert werden“, kündigte er beim Neujahrsempfang an. Untergebracht und betreut werden müssen außerdem nicht wenige minderjährige Flüchtlinge, die ohne erwachsene Begleitung gekommen sind.

Das „außergewöhnliche und lobenswerte, nachhaltige und gut selbstorganisierte Engagement“ von Bürgern im gesamten Stadtgebiet für Flüchtlinge ist aus Sicht Wagners noch lange unverzichtbar. Mit Hilfe der Stadt wird eine halbe Stelle geschaffen, die die Diakonie besetzen wird, um das ehrenamtliche Engagement zu stützen.

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