Bis Ende Mai gab es im Kreis Viersen bereits 744 Fälle. Die Polizei will nun mit einer Kampagne gegensteuern.

Auch nach diesem Unfall am 7. Juli ergriff der Fahrer die Flucht. Er wurde wenig später alkoholisiert aufgefunden.
Auch nach diesem Unfall am 7. Juli ergriff der Fahrer die Flucht. Er wurde wenig später alkoholisiert aufgefunden.

Auch nach diesem Unfall am 7. Juli ergriff der Fahrer die Flucht. Er wurde wenig später alkoholisiert aufgefunden.

Jungmann

Auch nach diesem Unfall am 7. Juli ergriff der Fahrer die Flucht. Er wurde wenig später alkoholisiert aufgefunden.

Kreis Viersen. Die Sache ist so etwas wie ein Klassiker: Eine junge Frau parkt an der Heilig-Geist-Straße in Kempen rückwärts ein und beschädigt ein anderes Auto. Sie fährt weg, kommt kurze Zeit später wieder, nimmt eine andere Parklücke, schaut sich dann den angerichteten Schaden an. Dann geht sie zu Fuß Richtung Innenstadt. Was den Fall von vielen anderen unterscheidet, ist, dass die Frau beobachtet wird. Eine aufmerksame Zeugin informiert die Polizei. Die geschädigte Autofahrerin bleibt nicht auf einem Schaden von hunderten Euro sitzen.

„Fahrerflucht ist beileibe kein Kavaliersdelikt“

Noch eine Spur dreister war eine 32-Jährige am Willicher Schwimmbad „De Bütt“. Sie beschädigt beim Ausparken einen anderen Wagen, steigt aus, guckt sich den Schaden an. Und obwohl sie von einem Zeugen angesprochen wird, setzt sie sich ins Auto und fährt fort – ohne ihre Personalien zu hinterlassen. Pech für sie: Die Polizei wird informiert, es läuft ein Verfahren wegen Fahrerflucht.

„Das ist beileibe kein Kavliersdelikt“, sagt Peter Opdensteinen, Leiter der Direktion Verkehr bei der Kreispolizei. Rund vier solcher Vorfalle registriert die Polizei täglich, bei jedem fünften Fall hat jemand einfach „die Biege gemacht“. Im vergangenen Jahr erreichte diese Art der Straftat 1785 Fälle – neuer Negativrekord. Und es wird nicht besser. Im Gegenteil: Bis Ende Mai registrierte die Kreispolizei schon wieder 744 Fälle und damit eine Zunahme von über sechs Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Weswegen die Polizei seit Wochen versucht, die Menschen zu sensibilisieren. Das geschilderte Zeugenverhalten sei vorbildlich, so Opdensteinen. „Scheuen Sie sich nicht, Ihre Beobachtungen der Polizei zu melden“, rät er. Am wichtigsten sei, sich das Nummernschild zu merken oder es mit dem Handy zu fotografieren.

Zu Änderungen im Verhalten der Menschen hat die Kampagne bis jetzt (noch) nicht geführt. Zwischen Ende Juni und dem 5. Juli wurden 40 Unfallfluchten angezeigt. Aber, sieben dieser Fälle konnten bereits aufgeklärt werden.

Bei Zweifeln sollte die Polizei gerufen werden

Vom 29. Juni bis 5. Juli registrierte die Polizei 40 Unfallfluchten, sieben davon sind aufgeklärt. 19 Fluchten ereigneten sich in Viersen (vier geklärte), sechs in Nettetal (1), vier in Kempen (1), sechs in Willich (1), vier in Tönisvorst, eine in Schwalmtal.

Die Aufklärungsquote liegt zwischen 39 und 45 Prozent.

Auf jeden Fall sollte man dann die Polizei rufen, wenn Kinder im Spiel sind. „Verlassen Sie sich nicht darauf, dass diese sagen, es sei ihnen nichts passiert“, sagt Pressesprecherin Antje Heymanns.

Wie verhält man sich denn idealerweise, wenn man etwa den Spiegel eines parkenden Autos streift und weit und breit niemand zu sehen ist, dem der Wagen gehört? „Dann ist es eine gute Idee, die Polizei anzurufen“, sagt Antje Heymanns, Pressesprecherin der Kreispolizei. Dann werde ein eventueller Schaden festgestellt, der Autohalter könne informiert werden.

So kann auf jeden Fall auch ein unglücklicher Umstand vermieden werden: Nämlich, dass ein Autofahrer einen Wagen leicht berührt, keinen Schaden feststellt und deshalb wegfährt. Unterdessen hat ihn aber jemand beobachtet und dann die Polizei angerufen. Die dann wegen Unfallflucht ermitteln muss. Die Scherereien bei einem laufenden Strafverfahren sind enorm.

„Wenn man den Unfallgegner vor Ort hat, ist eine Einigung in jedem Fall gut“, sagt Sprecherin Antje Heymanns. Dann müsse man auch nicht in jedem Fall die Polizei rufen. Klar ist auch: Wenn die Beamten anrücken, ist ein Verwarngeld fällig. Auch bei leichten Fällen sind das üblicherweise schon mal 30 Euro.

Leserkommentare (1)


() Registrierte Nutzer