Der Naturpark soll attraktiver werden. Für das gesamte Projekt soll die EU 2,5 Millionen Euro bereitstellen.

Kreis Viersen. Leo Reyrink hat eine Vision. Er will Kulturgeschichte digital erleben lassen. Der Geschäftsführer des Internationalen Naturparks Maas-Schwalm-Nette will moderne Medien verknüpfen mit kultur- und naturhistorischen Besonderheiten im Naturpark. „Das ist ein innovatives Marketing des deutsch-niederländischen Naturparks, der mithilfe moderner Medien erlebbar gemacht wird und die Erreichbarkeit von Zielgruppen für den Tourismus ohne Zweifel deutlich erweitern wird“, sagt Reyrink. Etwas schlicht ausgedrückt, steht am Ende die Naturpark-App.

Projekt wird über die Europäische Union finanziert

Was schlicht klingt, ist meist kompliziert. Reyrink plant ein Projekt, das mit Geld aus Töpfen der Europäischen Union gefördert wird und als sogenanntes Interreg-V-A-Projekt über die Euregio Rhein-Maas-Nord für den Zeitraum von 2015 bis 2018 laufen soll. In der Verbandsversammlung des deutschen Naturparks Schwalm-Nette hat er das Konzept bereits vorgestellt und viel Beifall für die Idee erhalten.

Sie bedient gleich mehrere Interessensgruppen und verknüpft ihre Gebiete in einer bemerkenswerten Leichtigkeit. Am Anfang stand Reyrinks Interesse an kulturhistorischen Elementen wie beispielsweise den Motten. Hier und da sind noch Reste dieser frühmittelalterlichen Burganlagen erhalten. Sie waren von Wassergräben umgebene Erdaufschüttungen, die bebaut waren und als Wehranlage dienten.

Reyrink will auf eine Zeitachse von der Vor- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart und Zukunft das Projekt einarbeiten – „nicht nur die Römer, denen wir sowieso überall mittlerweile begegnen“, sagt er augenzwinkernd. Auf niederländischer Seite prägte der 80-jährige Krieg die Geschichte, auf deutscher war es der Dreißigjährige Krieg. Auch Spuren beider Weltkriege des 20. Jahrhunderts kann das Projekt in beiden Grenzräumen nachgehen.

Darin liegt eine große Chance. Denn Reste solch historischer Elemente könnten mit Geld aus der EU erschlossen und, wenn bisher nicht geschehen, zugänglich gemacht werden. Reyrink nennt als Beispiele das Drakendörp St. Georg in Beesel, Kasteel Ouburg in Roermond, Weltkriegsstandorte in Roerdalen, die Stadtmauer in Venlo und die Celtic fields, in Wachtendonk den kulturhistorischen Erlebnispfad Nord, in Wegberg die Motte Aldeberg oder auch die Illuminationspläne in Nettetal (Burg Ingenhoven, Alter Kirchturm in Breyell) oder die Kasematten in Brüggen.

Hoffnung auf neuen Impuls für den Tourismus im Kreis

Es geht aber nicht nur um einen rein geschichtlichen Blick auf die Region von Echt und Montfort im Süden bis Wachtendonk im Norden. Einbinden lassen sich in ein solches System auch andere (Sach-) Themen wie Energie, Rohstoffe, Landgewinnung und -nutzung, Natur- und Kulturlandschaften in unterschiedlichen Entwicklungsstadien und Ausprägungen.

Für eine App muss die Infrastruktur erfasst werden: Kulturelemente, Wegestrukturen, Gastronomie. Sie alle werden vernetzt mit 200 Standorten mit multimedialen Präsentationen (Animationsfilme, Audioguides). Man kennt sie vielfach von Navigationsprogrammen als „Points of Interest“ (POI). Nicht ohne Grund verknüpft Leo Reyrink daher mit dem Projekt die Hoffnung, dem Tourismus im Kreis Viersen – und darüber hinaus – einen ganz wesentlichen Impuls zu liefern.

2,5 Millionen Euro soll das gesamte Projekt kosten. Für die Aufwertung der Kulturelemente soll an Ort und Stelle etwa eine Million Euro ausgegeben werden. 1,5 Millionen Euro sind erforderlich für die App. Sie erhält eine Laufzeit von fünf Jahren, für Marketing und allgemeine Öffentlichkeitsarbeit sowie für Personal in der Projektkoordination. 1,25 Millionen Euro erwartet der Internationale Naturpark von der EU, jeweils 312 500 Euro sollen die Provinz Limburg und das Land NRW beisteuern, hinzu kommen 625 000 Euro von den Projektpartnern – in erster Linie die beteiligten Kommunen.

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