Die Kreispolizei ist jetzt auf Facebook präsent. Gleich am ersten Tag schwappte eine Welle von Kommentaren über das Team hinweg. Auslöser war die Fahndung nach dem Tod eines Mädchens in Viersen.

Die Kreispolizei ist jetzt auf Facebook präsent. Gleich am ersten Tag schwappte eine Welle von Kommentaren über das Team hinweg. Auslöser war die Fahndung nach dem Tod eines Mädchens in Viersen.
Antje Heymanns (2.v.l.) und Wolfgang Goertz (l.) sind Pressesprecher der Behörde, Michael Radloff (r.) und Heike Ahlen vervollständigen das Facebook-Team.

Antje Heymanns (2.v.l.) und Wolfgang Goertz (l.) sind Pressesprecher der Behörde, Michael Radloff (r.) und Heike Ahlen vervollständigen das Facebook-Team.

Ab sofort ist die Kreispolizei Viersen auf Facebook vertreten. Screenshot: Dohmen

Polizei Kreis Viersen, Bild 1 von 2

Antje Heymanns (2.v.l.) und Wolfgang Goertz (l.) sind Pressesprecher der Behörde, Michael Radloff (r.) und Heike Ahlen vervollständigen das Facebook-Team.

Kreis Viersen. Am Montag, 11. Juni, 11.06 Uhr, ist die Kreispolizei in Viersen mit einem eigenen Facebook-Auftritt an den Start gegangen. „Dass unser erster Tag so läuft, damit hatten wir allerdings nicht gerechnet“, bekennt Polizeihauptkommissar Wolfgang Goertz, Pressesprecher der Behörde. Am frühen Nachmittag postete die Polizei einen Fahndungsaufruf, um die Tötung eines 15-jährigen Mädchens in Viersen zu klären – und schon kurze Zeit später hatten zunächst zwei und später sogar alle vier Mitarbeiter des Teams damit zu tun, unzählige Posts auszuwerten – viele davon mit ausländerfeindlichem, rassistischem Inhalt.

„Konsequent werden wir Hasskommentare verbergen und strafrechtlich relevantes Verhalten zur Anzeige bringen.“

Post der Kreispolizei auf Facebook

„Wir sind traurig, dass unser erster Tag auf Facebook nicht nur durch eine tragisch endende Straftat, sondern auch durch nicht tolerierbare Posts von einigen Kommentatoren überschattet wird“, schreibt die Polizei selbst auf ihrer Seite. Und spricht Klartext: „Spekulationen, Gehetze, Beleidigungen oder sonstige unsachliche Kommentare helfen uns nicht, einen Tatverdächtigen dingfest zu machen. Konsequent werden wir Hasskommentare verbergen und strafrechtlich relevantes Verhalten zur Anzeige bringen.“

Allein in der Nacht waren noch über 300 Kommentierungen eingegangen, mit deren Auswertung das Team (es ist nicht rund um die Uhr im Einsatz) auch gestern Morgen beschäftigt war. Einiges davon, so Goertz, wurde gleich an die Kripo weitergeleitet, in anderen Fällen wurden die Verfasser von unangemessenen Posts von der Polizei direkt angeschrieben.

„Wir haben die Schnauze voll: Auge um Auge, Zahn um Zahn“, ist noch einer der harmloseren Kommentare. An anderer Stelle heißt es, „Mutti“ habe ja alle reingelassen. Die Deutschen seien „ein Volk von Weicheiern und Bücklingen“ geworden, die es zulassen, „dass ausländische Clans ganze Stadtteile terrorisieren“. Jemand fragt nach der „Messervorhersage“ fürs nächste Wochenende – und ein anderer wundert sich darüber, dass jemand auf einer Polizeiseite öffentlich überlegt, sich eine Pump-Gun zuzulegen.

In Seminaren hatte sich das Facebook-Team der Polizei – neben Wolfgang Goertz und seiner Kollegin Antje Heymanns gehören Michael Radloff und Heike Ahlen dazu – auf seine neue Aufgabe vorbereitet. Auf die Bewertung von Hasskommentaren konnte man sich allerdings nicht explizit vorbereiten. „Wir sind da noch im Lernprozess“, bekennt Goertz.

Dazu gehört auch, dass man im ersten Fahndungsaufruf folgende Täterbeschreibung abgegeben hatte: „1,70 Meter groß, schwarze Kleidung, dunkle Schuhe, nordafrikanisches Aussehen, schwarze, glänzende Haare.“ Die Formulierung „nordafrikanisches Aussehen“ würde man im Nachhinein nicht mehr machen, so Goertz. Bei der Wortwahl müsse man sensibler sein. Auf Facebook schrieb die Polizei am Montag dazu: „Es ist keineswegs gesichert, ob es sich bei dem Tatverdächtigen um einen Nichtdeutschen handelt. Die erste veröffentlichte Personenbeschreibung zitiert die Angaben der ersten Zeugen zum Flüchtigen. Nicht mehr und nicht weniger.“

Bei dem mutmaßlichen Täter, der sich gestern gestellt hat, handelt sich um einen 17-Jährigen, der aus Bulgarien stammt und in Viersen wohnt (» siehe Seite 20).

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