Für seinen Einsatz im afrikanischen Burduni wird Ludwig Kamm geehrt.

Auszeichnung
Pfarrer Ludwig Kamm mit einer in Afrika geschnitzten Figur des Heiligen Godehard.

Pfarrer Ludwig Kamm mit einer in Afrika geschnitzten Figur des Heiligen Godehard.

Erzbischof Simon Ntamwana ist Gast der Ordensverleihung.

Pfarrer Ludwig Kamm im Vorjahr in Burundi.

Friedhelm Reimann, Bild 1 von 3

Pfarrer Ludwig Kamm mit einer in Afrika geschnitzten Figur des Heiligen Godehard.

Vorst. In der Partnerstadt Stare Mesto ist es am Wochenende schon in der Kirche verkündet worden: Ludwig Kamm, Pfarrer von St. Godehard in Vorst und von St. Cornelius in St. Tönis, erhält das Bundesverdienstkreuz. Zur Verleihung am 2. Februar durch Landrat Peter Ottmann in Viersen hat sich sogar ein leibhaftiger Erzbischof angekündigt.

Entwicklungshilfe und Völkerverständigung – darum hat sich der 66-jährige Geistliche in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten große Verdienste erworben. Vor allem sein Engagement in Burundi gibt jetzt den Anlass für die hohe Auszeichnung.

„Ich kann schlecht damit umgehen.“
Ludwig Kamm über die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes

1987, damals noch als Diözesankaplan der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ), kam er erstmals in Kontakt zu dem ostafrikanischen Land. Der regionale Jugendseelsorger in Mönchengladbach, Klaus Boll, der sieben Jahre in Burundi gearbeitet hatte, erzählte bei einem Kaplan-Treffen von dortigen Verfolgungsmaßnahmen gegen die Kirche. Spontan entstand die Idee zu einer Unterschriftensammlung im Bistum, deren Organisation Ludwig Kamm übernahm. „Ich hatte ja genug hochschulpolitische Erfahrung aus Aachen“, erinnert sich der heutige Pfarrer und schmunzelt.

Im Juli 1989 reiste er erstmals selbst in die Hauptstadt Bujumbura – allerdings nicht allein: Über Klaus Boll hatte Kamm eine Einladung zu einem Arbeitseinsatz erhalten, wie er dort bei der KSJ häufiger geleistet wurde. Drei junge Frauen und drei junge Männer machten sich gemeinsam mit dem damals 41-Jährigen auf den Weg. Trotz organisatorischer Pannen – da ein Brief verloren gegangen war, wurde die Delegation aus Deutschland gar nicht erwartet – sagt Ludwig Kamm noch heute: „Es war wunderschön.“ Zwei Wochen stellten die sieben Deutschen gemeinsam mit jungen Afrikanern Ziegelsteine her. Und auch Bischof Simon Ntamwana, der in Deutschland studiert hatte, lernten sie kennen.

Erdarbeiten und Elektrifizierung

1991 dann der zweite Arbeitseinsatz in Burundi. Zu dieser Zeit war Kamm schon Pfarrer in Vorst, weshalb auch aus seiner neuen Gemeinde einige junge Leute dabei waren. Ziel war diesmal das neu gegründete Zachäus-Haus in Gitega. „Wir haben da die Erdarbeiten gemacht“, erinnert sich Kamm an harte Wochen. Bei einem weiteren Einsatz zwei Jahre später wurde auch noch die Elektrifizierung übernommen.

Trotz Bürgerkrieg zu Besuch im Zachäus-Haus

Der katholische Pfarrer stammt aus Schwerte. 1954 wurde er in einer Dorfschule in Geisecke eingeschult, 1958 wechselte er aufs Friedrich-Bährens-Jungengymnasium in Schwerte. Dort machte er 1966 Abitur. Es folgte ein Chemie-Studium in Aachen, das Ludwig Kamm mit dem Diplom abschloss. Er arbeitete danach an einem Institut für organische Chemie und stundenweise als Lehrer in der Oberstufe eines Gymnasiums.

Als Student schloss sich Kamm einer katholischen Verbindung an, wurde er Mitglied der Katholischen Studierenden Jugend (KSJ). Es folgte das Theologie-Studium in Bonn und 1982 die Priesterweihe. Nach diversen Stationen als Kaplan wurde er 1990 Pfarrer in Vorst. Seit 2011 ist er außerdem Pfarrer von St. Cornelius in St. Tönis. In der „Gemeinschaft der Gemeinden“ Kempen-Tönisvorst bekleidet er zudem das Amt des Pfarrvikars der Pfarre St. Hubertus in St. Hubert.

Das von Ordensschwestern geleitete Zachäus-Haus, in dem bis zu 150 körperbehinderten Kindern und Jugendlichen eine Berufsausbildung oder der Besuch einer Schule ermöglicht wird, besucht Kamm seit damals in jedem Jahr. „Ich verbringe meine Urlaube dort“, berichtet er. Selbst in den zwölf Jahren des Bürgerkriegs zwischen Hutu und Tutsi, dem fast 300 000 Menschen zum Opfer fielen, ließ er sich von den Reisen nicht abbringen.

Seit den frühen 90er Jahren führt Ludwig Kamm einen bundesweiten Unterstützer-Kreis für das Zachäus-Haus. Von Hannelore Klabes aus Kassel hatte der Vorster diese Aufgabe übernommen. Er vermittelt Patenschaften, sammelt Spenden – und sogar die Vorster Sternsinger setzen sich für das Zachäus-Haus ein. „Wenn ich in zwei Jahren in den Ruhestand gehe, werden wir einen Verein gründen, damit diese wichtige Aufgabe gut weitergeführt wird“, berichtet der Pfarrer.

Dass er für seinen Einsatz in Afrika einmal das Bundesverdienstkreuz erhalten sollte, damit hatte Ludwig Kamm nicht gerechnet. „Ich kann auch ganz schlecht damit umgehen“, bekennt er. Kurz vor Weihnachten sei er darüber vom Landrat informiert worden. Seitdem denkt er darüber nach, welche Personen unbedingt an der Feierstunde teilnehmen müssen. Sicher ist: Erzbischof Simon, der zu einem guten Freund geworden ist und schon oft zu Gast in Vorst war, wird dabei sein.

Leserkommentare (3)


() Registrierte Nutzer