Ganz persönliche Erinnerungen eines Zeitungsredakteurs an den Kampf ums Krankenhaus.

Ganz persönliche Erinnerungen eines Zeitungsredakteurs an den Kampf ums Krankenhaus.
Werner Dohmen berichtet seit den frühen 1990er Jahren über Ereignisse aus Tönisvorst.

Werner Dohmen berichtet seit den frühen 1990er Jahren über Ereignisse aus Tönisvorst.

Lübke

Werner Dohmen berichtet seit den frühen 1990er Jahren über Ereignisse aus Tönisvorst.

Tönisvorst. Am 11. September 1998 befand ich mich im Urlaub. Leider. An diesem Tag verbreitete sich in Tönisvorst nämlich wie ein Lauffeuer die Nachricht: Das Krankenhaus ist gerettet! Über den Autokorso durch die Innenstadt, der sich damals an der Rosentalhalle formierte, durfte deshalb der Kollege Peter Korall berichten. Wie’s der Zufall wollte: Auch die geschätzte RP-Kollegin Thea Elbertz, mittlerweile leider verstorben, war am Tag des Krankenhaus-Triumphes nicht im Dienst.

Ich selbst hatte den Kampf für einen Erhalt des Krankenhauses als damals zuständiger WZ-Redakteur für Tönisvorst von der ersten Minute an begleitet – oft gemeinsam mit Thea Elbertz. Noch heute klingen mir die schrillen Pfiffe im Ohr, mit denen die Vertreter des NRW-Ministeriums bei der Einwohnerversammlung in der Rosentalhalle empfangen wurden. Auch an das nass-kalte Wetter am Tag der Menschenkette zwischen St. Tönis und Vorst erinnere ich mich genau – und ebenso an die Tatsache, dass es auf dem platten Land zwischen Vorst und St. Tönis einige Lücken in der Kette gab. Die Polizei sprach von 2500 Teilnehmern – das Aktionskomitee hatte dagegen knapp 4000 ausgemacht.

Wohl selten hat man als Zeitungsredakteur die Gelegenheit, so lange und so intensiv über ein Ereignis zu berichten. Eineinhalb Jahre hielten uns die „Donnerwetter am Donnerstag“ in Atem. Jedenfalls meistens: Nach einigen kleineren Aktionen, die der Reaktion nicht spektakulär genug erschienen, um knackig darüber berichten zu können (Beispiel: Skatturnier), begnügten wir uns mit Telefoninterviews – meistens mit Günter Wolfs, zu dem sich im Laufe der Monate ein besonders guter Draht entwickelte.

Der Sprecher des Aktionskomitees war der Presse gegenüber immer freundlich und aufgeschlossen – denjenigen, die das Krankenhaus schließen wollten, zeigte er dagegen die Zähne. So auch dem damaligen Bundesgesundheitsminister Horst Seehofer, der im Februar 1998 ins Forum Corneliusfeld kam – und draußen von Wolfs per Megafon mit den Worten begrüßt wurde: „Es gehört Mut dazu, sich hier hinzustellen.“

Günter Wolfs verhandelte auch hinter den Kulissen knallhart mit den Bossen aus den Ministerien und den Krankenkassen. Als alles vorbei und das Krankenhaus gerettet war, fragte ich ihn: „Können Sie sich überhaupt vorstellen, nach all’ der Aufregung jetzt einfach wieder zum Privatmann zu werden?“ Günter Wolfs konnte es sich vorstellen – und hat Wort gehalten. Chapeau!

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