Sie hat das Abitur geschafft und die Zukunft vor Augen: Im August beginnt Rosa Stoll ihren einjährigen Freiwilligendienst.

Projekt
Rosa Stoll, 18, Abiturientin des Michael-Ende-Gymnasiums, kehrt der Schulzeit und St. Tönis den Rücken. Ein Jahr in Bangladesch steht bevor. Sie arbeitet dort für den Verein Netz, den auch ihre Schule finanziell unterstützt.

Rosa Stoll, 18, Abiturientin des Michael-Ende-Gymnasiums, kehrt der Schulzeit und St. Tönis den Rücken. Ein Jahr in Bangladesch steht bevor. Sie arbeitet dort für den Verein Netz, den auch ihre Schule finanziell unterstützt.

Lübke

Rosa Stoll, 18, Abiturientin des Michael-Ende-Gymnasiums, kehrt der Schulzeit und St. Tönis den Rücken. Ein Jahr in Bangladesch steht bevor. Sie arbeitet dort für den Verein Netz, den auch ihre Schule finanziell unterstützt.

St. Tönis. Rosa Stoll hat turbulente Wochen hinter sich. Eine Grippe plagte sie in der Abiturvorbereitung, dann stürzte sie mit dem Fahrrad und verletzte sich, so dass ihre Prüfungstermine verschoben werden mussten. Nun ist alles überstanden und geschafft. Entspannt sitzt die 18-Jährige auf einer Bank auf dem leeren Schulhof des Michael-Ende-Gymnasiums.

Fuchur, der Drache, hängt hinter ihr an der Fassade. Das Bild hat Symbolkraft. Rosa lässt die Schule hinter sich. Vor ihr liegen turbulente Monate. Am 25. August steigt sie in den Flieger. Nach Zwischenstopp in Dubai erreicht sie ihr Ziel: Dhaka, die Hauptstadt von Bangladesch. Ein Jahr lang wird Rosa in dem Land, das 15 Flugstunden entfernt ist, entwicklungspolitischen Freiwilligendienst machen.

Aus der beschaulichen Heimat in ein Land voller Anmut und Armut

„Dhaka ist riesig, hat zwölf oder sogar 20 Millionen Einwohner, man weiß es nicht genau. Die Stadt ist laut. Alle hupen. Ich sehe schon die vielen Autos, Rikschas, Menschen, Hühner, alles durcheinander.“ Rosa Stoll erwartet ein Déjà-vu. Sie wechselt erneut die Welten, tauscht das beschauliche, in geordneten Bahnen verlaufende Leben ihres Heimatortes St. Tönis mit der Lebendigkeit, dem Chaos, der Anmut und der Armut Bangladeschs.

Dort war Rosa Stoll schon 2009 eine von neun MEG-Schülern, die mit den Lehrern Eva Manke und Daniel Karsch 17 Tage mit allen Sinnen das vor Ort aufnahmen, das St. Töniser Schülergenerationen seit Jahren bei Dia-Vorträgen streifen: Entwicklungshilfe dort, wo das Geld in konkrete Projekte fließt. Rosa und die anderen besuchten die Dorfschule, für die ihr Gymnasium die Patenschaft übernommen hat. „Die ist mitten in der Pampa, eine Lehmhütte, in der 30 Kinder in altersgemischten Gruppen unterrichtet werden.“

Mit Englisch kommt man auf dem Land nicht weit.“

Rosa Stoll über ihren Bangla-Sprachkurs

Die tiefen Eindrücke haben sich zu einem festen Plan entwickelt: Rosa arbeitet für die Organisation Netz (siehe Kasten). „Erst leben wir Freiwilligen in einer WG in Dakar und lernen Bangla. Mit Englisch kommt man auf dem Land nicht weit.“ Dann folgen Einsätze im Distrikt Rangpur.

Netz ist ein gemeinnütziger Verein (Sitz in Wetzlar), der sich seit 1989 auf Entwicklungszusammenarbeit mit Bangladesch konzentriert. Ziel: weniger Armut, mehr Gerechtigkeit durch Selbsthilfe-Projekte in den Bereichen Ernährung, Bildung, Gesundheit und Menschenrechte. Durch das Projekt „Ein Leben lang genug Reis“ erzielen die Familien beispielsweise dauerhaft ein Einkommen, mit dem sie für Nahrung, Kleidung, Gesundheit und Bildung ihrer Kinder sorgen. Netz arbeitet mit in der Bevölkerung verankerten Organisationen zusammen. Infos zum Land und zum entwicklungspolitischen Freiwilligendienst unter:

www.bangladesch.org

Finanziert werden die Freiwilligendienste durch „Weltwärts“, den Freiwilligendienst des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (www.weltwaerts.de). Wie jeder Teilnehmer, soll auch Rosa Stoll einen Kreis von Förderern aufbauen, die sich finanziell an ihrem Aufenthalt beteiligt. Zurzeit fehlen rund 150 Euro monatlich. Wer spenden will, wendet sich an Rosa Stoll, Telefon 02151/791 857.

Rosa hat sich nicht von der Befürchtung anstecken lassen, durch ein Auslandsjahr 2013 mitten in den doppelten NRW-Abijahrgang zu geraten. „Ich habe mir gedacht, wenn ich es jetzt nicht mache, dann vielleicht nie.“ Glätteisen, Make-up, Fön bleiben zu Hause, Laptop, Kamera und Handy kommen mit, um Zeit und Arbeit vor Ort zu dokumentieren. Rosa wird im Bereich Grundbildung arbeiten. In Bangladesch gehen über vier Millionen Kinder nicht zur Schule. An den Schulen, die Netz unterstützt, lernen Mädchen und Jungen Lesen, Schreiben und Rechnen. Rosa soll Kontakte zu Projektpartnern vor Ort knüpfen.

Sie weiß, worauf sie sich einlässt: „So banale Sachen wie eine warme Dusche oder ein weiches Bett werde ich dort nicht haben.“ Aber sie hat 2009 andere Werte erlebt, den engen Zusammenhalt der Familien beispielsweise: „Die Menschen dort sind arm, aber sie sind stolz auf das, was sie haben. Da frage ich mich, warum ich das nicht bin.“ Das sagte Rosa nach ihrer ersten Reise 2009, die 17 und nicht 365 Tage dauerte.

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