Rupert-Neudeck- Gesamtschüler sind gestern im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf aufgetreten. Szenen mit und über Gefühl.

Rupert-Neudeck- Gesamtschüler sind gestern im Jungen Schauspielhaus in Düsseldorf aufgetreten. Szenen mit und über Gefühl.
Stellprobe in der Schule vor dem Auftritt in Düsseldorf: Tönisvorster Gesamtschüler der Kreativ-Klasse 8 spielten gestern ihre Szenen noch einmal durch.

Stellprobe in der Schule vor dem Auftritt in Düsseldorf: Tönisvorster Gesamtschüler der Kreativ-Klasse 8 spielten gestern ihre Szenen noch einmal durch.

Kurt Lübke

Stellprobe in der Schule vor dem Auftritt in Düsseldorf: Tönisvorster Gesamtschüler der Kreativ-Klasse 8 spielten gestern ihre Szenen noch einmal durch.

Tönisvorst. Junges Schauspielhaus Düsseldorf, Münsterstraße. Das ist eine Adresse. Eine, die aufhorchen lässt. Wer dort auftritt, der agiert vor LandesHauptstadt-Publikum.

14 Schüler der Tönisvorster Rupert-Neudeck-Gesamtschule können seit gestern mitreden. Wie das Theater ist. Und wirkt. Aus jeder Perspektive.

Zunächst saßen die vier Jungen und zehn Mädchen am Abend selbst als Zuschauer in der Premiere des Stückes „Die Mitte der Welt“ von Andreas Steinhöfel. Der Vorlage, einem sogenannten „Coming-of-Age-Roman“, in dem es ums Heranwachsen und Übergang von der Jugend zum Erwachsensein geht, haben sich die Teenager, alle 13, 14 Jahre alt, vier Wochen lang gewidmet. Sie haben sich hineingearbeitet und hineingefühlt in das Thema „gleichgeschlechtliche Liebe zwischen Toleranz und Akzeptanz“.

Lehrerin Angelika Eggert arbeitet mit ihrer Kreativ-Klasse 8

Die szenische Umsetzung wurde im Schulzentrum Corneliusfeld geprobt, je zwei Unterrichtsstunden in der Woche. Ein Heimspiel. Gestern dann das Auswärts-Engagement der Kreativ-Klasse 8, die in dieser eng getakteten Probenphase „zu einem Ensemble“ geworden sind.

Darüber freut sich Angelika Eggert, Lehrerin für Darstellen und Gestalten an der Gesamtschule. Sie hat die Schüler angeleitet, beraten und begleitet – bis hinein ins Foyer des Jungen Schauspielhauses Düsseldorf. Als sich das Publikum dort gestern nach dem Schlussapplaus zum „Meet and Greet“, zum zwanglosen Premieren-Plaudern traf, war das Theater nämlich noch nicht vorbei.

Es schlug sozusagen die Stunde der Tönisvorster. Sie bildeten - so der Plan - einen Kreis inmitten der Zuschauer. Zur Musik lösten sich immer wieder Schüler aus ihrem Kreis und spielten ihre kurzen Szenen. Ein Junge, wie er einen anderen Jungen in den Arm nimmt. Zwei Mädchen, die zärtlich zueinander sind. Zwei, die ein Paar mimen. Eggert: „,Die Schüler sind in der Lage, direkt in die Rollen hineinzugehen und nach dem Spiel aus dieser Rolle auch wieder herauszutreten.“

Was darf Liebe? Und was darf sie nicht?

Die Aufgabe der jungen Kreativ-Klasse war eine Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konventionen: „Was ist schon normal? Was darf Liebe? Was darf sie nicht? Was ist heute Familie? Und von wem lässt man sich heutzutage beeinflussen?“

Albernheiten – zwischendurch erlaubt – hätten ihre Schüler schnell abgelegt und ebenso schauspielerisch wie persönlich einen Reifeprozess gemacht. „Die Schüler wachsen daran und reflektieren ihr Spiel.“

Das szenische Improvisations-Spiel gestern, das ad-hoc-Agieren mitten im und am Ende auch mit dem Publikum, war eine einmalige Sache.

Einmalig bleibt der Theaterbesuch in Düsseldorf für die Tönisvorster aber nicht. Denn das „Theater-Fieber plus“, die neue Kooperation der Rupert-Neudeck-Gesamtschule Tönisvorst mit dem Schauspielhaus Düsseldorf, ist auf drei Jahre angelegt.

In diesem Zeitraum können die Schüler ermäßigt Vorstellungen besuchen. Sie zahlen lediglich vier Euro. Für Hin- und Rückfahrt inklusive Theaterkarte. Das ist für die Jugendlichen wie ein roter Teppich direkt hinein ins Theater.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer