Der Radio-Nacht-Talker redete übers Leben und übers Sterben.

Diskussion
Thematisch in der Christuskirche vereint: Erich Schützendorf (l, Volkshochschule), Pfarrer Renz Schaeffer und Radio- und TV-Talker Jürgen Domian (r.).

Thematisch in der Christuskirche vereint: Erich Schützendorf (l, Volkshochschule), Pfarrer Renz Schaeffer und Radio- und TV-Talker Jürgen Domian (r.).

Lübke

Thematisch in der Christuskirche vereint: Erich Schützendorf (l, Volkshochschule), Pfarrer Renz Schaeffer und Radio- und TV-Talker Jürgen Domian (r.).

St. Tönis. Nicht einmal die Kirchenmaus hätte noch Platz gehabt, in der evangelischen Christuskirche in St. Tönis am Samstagabend. „Wir sind voll“, sagte Küster Lars Dieckmann und einige Menschen mussten nach Hause gehen, die gern dabei gewesen wären, als der bekannte Radio-Moderator Jürgen Domian, Pfarrer Renz Schaeffer und Erich Schützendorf, bei der Volkshochschule des Kreises Viersen Experte für Fragen des Älterwerdens, über den Tod diskutiert haben.

Tod ist Thema für Jürgen Domian, seit er zwölf Jahre alt ist

Seit 1995 spricht Domian (55) jede Nacht auf dem WDR-Sender Einslive mit Anrufern über Gott und die Welt, über Tod und Teufel. 2012 hat er das Buch „Interview mit dem Tod“ herausgebracht. „Der Tod ist für mich ein sehr wichtiges Thema, seit ich zwölf Jahre alt bin“, bekennt er. Die Anrufe von Trauernden, Sterbenden und Menschen, die kurz vor einem Suizid stehen, berühren ihn stets am meisten. „Das ist auch gut so, sonst wäre man ja abgebrüht“, sagt er.

Genauso wie ihm seine Anrufer alles anvertrauen können, genauso bekennt er, dass das Christentum ihm den einzig möglichen Halt bieten konnte in dieser Frage. Er bekennt sich zu einem entsprechend radikalen Christentum und zu seinem späteren – ebenfalls radikalen – Bruch.

Über die zehn Gebote und die Würde des Menschen

„Warum ist Gott so egoistisch?“ fragt er in die Runde. „Die ersten vier der zehn Gebote handeln nur von ihm und erst das fünfte lautet: Du sollst nicht töten! Warum lässt er so viel Leid zu?“ Er bekennt sich zu einer spirituellen Suche, bei der er inzwischen sowohl bei den Christlichen Mystikern wie im Zen-Buddismus fündig geworden ist. „Im Buch habe ich Weisheiten aus 1000 Jahren interreligiöser Mystik zusammen geführt.“

Genauso offen fordert er als Anhänger der Hospiz-Bewegung und der Palliativ-Medizin gesetzliche Regeln, nach denen ein ärztlich begleiteter Suizid erlaubt ist. Als Schaeffer versucht, hier Parallelen zu den Euthanasie-Verbrechen der Nazis zu ziehen, reagiert Domian deutlich und aufgebracht. „Das ist Blödsinn!“ Für ihn ist der Tod ein Teil des Lebens, auf den sich die Grundgesetz-Garantie „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ ebenfalls erstreckt. Jürgen Domian, Interview mit dem Tod. Gütersloher Verlagshaus 2012. Im Hörbuch spricht Michael Mendl den Tod.

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