Fast 800 bunt kostümierte Narren zogen beim Tulpensonntagszug durch St. Tönis.

Fast 800 bunt kostümierte Narren zogen beim Tulpensonntagszug durch St. Tönis.
Prinz Christian I. und Prinzessin Nici I. verteilten großzügig Kamelle und Strüßje. Weitere Bilder auf www.wz.de/lokales/kreis-viersen.

Prinz Christian I. und Prinzessin Nici I. verteilten großzügig Kamelle und Strüßje. Weitere Bilder auf www.wz.de/lokales/kreis-viersen.

„Fies gelb“ nahm die Jamaika-Verhandlungen aufs Korn (o.). Apfelkönigin Melanie I. hatte Äpfel im Gepäck (l.). Auch viele Zwerge waren dabei (r.).

„Fies gelb“ nahm die Jamaika-Verhandlungen aufs Korn (o.). Apfelkönigin Melanie I. hatte Äpfel im Gepäck (l.). Auch viele Zwerge waren dabei (r.).

„Fies gelb“ nahm die Jamaika-Verhandlungen aufs Korn (o.). Apfelkönigin Melanie I. hatte Äpfel im Gepäck (l.). Auch viele Zwerge waren dabei (r.).

Kurt Lübke, Bild 1 von 4

Prinz Christian I. und Prinzessin Nici I. verteilten großzügig Kamelle und Strüßje. Weitere Bilder auf www.wz.de/lokales/kreis-viersen.

St. Tönis. Pünktlich um 14.11 Uhr strahlt die Sonne. Das heißt, eigentlich sind es sogar fünf Sonnen. Erich Schützendorf hat eine Fußgruppe zusammengetrommelt, die in leuchtenden Gelb- und warmen Organetönen um die Wette strahlt. „Wir haben uns den alten Bläck-Fööss-Song ‚Wenn de Sonn schön schingk‘ als Motto ausgesucht und die Kostüme entsprechend gebastelt“, erzählt Schützendorf. Dass sie damit vielleicht die echte Sonne hervorlocken könnten, bleibt in diesem Jahr leider eine unerfüllte Hoffnung.

Aber nicht nur die kleine, sonnige Fußgruppe hat sich Mühe beim Kostümbasteln gegeben. Auffällig viele tolle Kostüme und originell gestaltete Wagen gibt es in diesem Jahr beim Tulpensonntagszug in St. Tönis zu sehen. „Darios Leute“ etwa haben einen großen, goldenen Oscar gebastelt. „Ob laut oder leise, wir verleihen uns unsere eigenen Preise“ steht auf dem Wagen, der von Herrn und Damen in feinen Anzügen und in edlen Abendkleidern bevölkert wird. Eine Gruppe aus dem Forstwald ist als schwarz- und buntgefiederte Raben unter dem Motto „Wir fliegen auf St. Tönis“ unterwegs.

Und auch die Turnerschaft ist mit 60 Sportlern wieder dabei. „Wir gehen als Popeye, denn Sport macht stark“, sagt Andreas Helemann, zeigt auf seine dicken (Schaumstoff-) Unterarme und holt eine (Papp-) Dose Spinat aus der Tasche. Sportlich ist auch die Landjugend erschienen. Als olympische Wintersportler verkleidet, ziehen die Jugendlichen in einem toll dekorierten Pistenwagen mit. Sportlich und politisch zugleich ist die Gruppe „Fies Gelb“. Mit einem Rennbob in Jamaika-Farben geht sie an den Start, merkt aber an: „Ziel verfehlt“.

Der „Krefelder Freundeskreis“, ebenfalls als Rastafaris verkleidet, hat das Motto „Jamaika-Koalition – Wir ziehen das durch“. Die größte Gruppe ist in diesem Jahr zum ersten Mal dabei. Mit 155 Kindern, Eltern und Lehrern ist die Katholische Grundschule Schulstraße gekommen. „Die Idee ist schon alt, und weil das Prinzenpaar in diesem Jahr aus unserer Elternschaft kommt, haben wir sie endlich umgesetzt“, sagt Schulleiterin Sabrina Broll. „Schulwittchen und die vielen Zwerge“ ist das eigene Motto der Schule.

Während Kinder, Eltern und Lehrerinnen als süße Zwerge mit roten Zipfelmützen, weißen Bärten, karierten Hemden und grünen Schürzen unterwegs sind, zieht Markus Huypen, der einzige Mann im Kollegium, als Schulwittchen im Kleid mit. Als besonderes Highlight haben die Grundschüler einen Flashmob, einen scheinbar spontanen Tanz, einstudiert, den sie immer dann zeigen, wenn der Zug ins Stocken gerät und für den sie viel Beifall von den Zuschauern am Straßenrand bekommen.

„Wir sind schon zwei Stunden unterwegs, haben aber noch nicht einmal die Hälfte des Zugweges geschafft.“ Dieses Zwischenfazit zog gestern um 16.25 Uhr WZ-Mitarbeiter Guido Beckers vom Tulpensonntagszug in St. Tönis. Immer wieder gab es Verzögerungen durch die Einsätze von Rettungswagen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit und vier Stunden Zugdauer war der – mittlerweile angestrahlte – Prinzenwagen im Ziel. „Das gab es noch nie“, so Beckers.

Gut 15 000 Besucher wollten nach Schätzungen von Polizei und Ordnungsamt den Tulpensonntagszug in St. Tönis sehen. Die zahlreichen Unterbrechungen waren zumeist auf volltrunkene Narren zurückzuführen, die mit Rettungsfahrzeugen vom Zugweg abgeholt werden mussten. „Meist handelte es sich um Jugendliche“, sagte Fachbereichsleiter Wolfgang Schouten. „Das war diesmal ganz extrem.“ Die Betrunkenen wurden in der Grundschule Schulstraße betreut. 

Bürgermeister Thomas Goßen wurde am Rande des Zugwegs gesichtet: Oberhalb der SPD-Geschäftsstelle an der Willicher Straße stand er in schwarzem Frack und Zylinder am Fenster – gemeinsam mit Peter Siegel vom Stadtkulturbund. Beide gehörten zur offiziellen Jury, die Wagen und Fußgruppen beurteilte.

111 Teilnehmer hat das Michael-Ende-Gymnasium angemeldet. Sechstklässler und ihre Geschwister, Eltern und 30 Lehrer sind als Zauberlehrlinge Harry Potter und Hermine kostümiert. „Und auf unserem Wagen sitzt Harry auf einem Apfel, weil wir doch in der Apfelstadt sind“, erzählt Lehrer Stefan Küpper. Äpfel im Gepäck hat die Apfelkönigin Melanie I., die schon in der vorigen Woche den Vorster Zug beehrt hat. Königlich und märchenhaft sind die Sportler der Teutonia mit dem Motto „Ein Verein wie ein Märchen“ dabei.

Als bunte Schmetterlinge und fröhliche Raupen ziehen die „Lustigen Zugvögel“ mit, als Piraten sind die Freunde des Prinzenpaars Christian I. und Nici I. unterwegs. Die wiederum thronen auf ihrem schmucken Wagen und bringen, ebenso wie das Kinderprinzenpaar und die Karnevalsgesellschaften, mit viel Spaß großzügig Kamelle und Strüßje unter das närrische Volk an den Straßen von St. Tönis.

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