Jahrelang glaubte Familie Röttger, besonders klimafreundlichen Strom zu beziehen. Doch das war gar nicht der Fall. Im aktuellen Preismodell der Stadtwerke sind solche Irrtümer aber ausgeschlossen.

Jahrelang glaubte Familie Röttger, besonders klimafreundlichen Strom zu beziehen. Doch das war gar nicht der Fall. Im aktuellen Preismodell der Stadtwerke sind solche Irrtümer aber ausgeschlossen.
Sabine und Eckhard Röttger mit dem Vertrag der Stadtwerke Willich.

Sabine und Eckhard Röttger mit dem Vertrag der Stadtwerke Willich.

Prümen

Sabine und Eckhard Röttger mit dem Vertrag der Stadtwerke Willich.

Anrath. Wenn Sabine und Eckhard Röttger auf das Schreiben der Stadtwerke Willich samt dem Vertrag für das Angebot des Ökostroms „Watergreen“ schauen, dann kann das Anrather Ehepaar nur den Kopf schütteln. „Die Stadtwerke heben immer hervor, wie umweltbewusst sie eingestellt sind. Wir können das nicht so ganz glauben, denn dieser Ökostrom ist das einzige Produkt der Stadtwerke, das Kunden nur für ein Jahr abschließen können. Danach muss dieser Vertrag komplett erneuert werden. Alle anderen Verträge haben längere Laufzeiten und verlängern sich zudem automatisch, wenn man sie nicht kündigt“, berichtet Eckhard Röttger.

Das ist aber nicht die einzige Erfahrung, die er mit dem Ökostrom gemacht hat. Der Anrather buchte das Angebot schon vor sieben Jahren, weil es ihm persönlich wichtig sei zu wissen, dass sein Strom komplett aus regenerativen Anlagen stamme. Am 1. September 2011 startete sein „Watergreen“-Vertrag, den er als Zusatzleistung zu seinem bestehenden Stromvertrag buchte. Mit einem halben Cent Aufpreis pro Kilowattstunde sind die Mehrkosten dabei erschwinglich und betragen auf das Jahr gerechnet durchschnittlich 20 Euro.

Der Anrather und seine Frau waren der Meinung, das Angebot liefe durch, da sie nie ein Schreiben der Stadtwerke erhielten, in dem ihnen etwas Gegenteiliges mitgeteilt wurde oder sie darauf aufmerksam gemacht wurden, dass der Vertrag ausläuft. Doch die Überzeugung, nach wie vor Ökostrom-Kunde zu sein, war ein Irrglaube, wie Eckhard Röttger im vergangenen Jahr feststellte, nachdem er seine Abrechnung nicht wie gewohnt kurz überflogen, sondern sich einmal intensiv mit ihr beschäftigt hatte. Er stellte voller Überraschung fest, dass er gar kein Nutzer mehr von „Watergreen“ war.

Seit dem Jahr 2014 ist der Preis für Ökostrom stabil

Ihn und seine Frau führte der Gang daher im Januar zum Kundencenter der Stadtwerke an der Peterstraße in Willich. Zwei freundliche Mitarbeiterinnen kannten das Angebot des Ökostroms zwar, konnten ihm aber kein Anmeldeformular dafür mitgeben. Sie bestätigten aber, dass ein solcher Vertrag als einziges Angebot der Stadtwerke tatsächlich befristet sei.

Kurz darauf folgte ein Schreiben der Stadtwerke mit der Information: „Die Zusatzvereinbarung Ökostrom – Watergreen – zu unserem Stromsondervertrag sieht eine jährliche Laufzeit vor. Mit Ablauf des jeweiligen Kalenderjahres zum 31.12. endet auch das Ergänzungsprodukt Ökostrom zu diesem Zeitpunkt. Die Fortführung des Ökostromproduktes erfolgt durch Abschluss der neuerlichen Zusatzvereinbarung im folgenden Kalenderjahr“. Die Röttgers finden das im Gegensatz zu der sonstigen Vertragsvorgehensweise der Stadtwerke sehr umständlich und fragen nach dem Warum.

Das Verfahren ist laut Christian-Mario Sagner, Bereichsleitung Vertrieb und Marketing, eigentlich nicht mehr nötig. „Die Stadtwerke befristeten seinerzeit den Ökostrom, weil das Risiko der Beschaffung vorlag. Wir konnten nicht längerfristig einen Preis garantieren und haben daher die Befristung aufgenommen“, informiert Sagner. Das ist seit einigen Jahren nicht mehr der Fall. Der Preis für den Ökostrom hält sich seit 2014 stabil, und laut Aussage von Sagner müssten die Stadtwerke überlegen, ob sie das Prozedere für den Ökostrom ändern und damit vereinfachen. „Wir schreiben die Kunden allerdings immer an, um sie auf das Ende der Laufzeit und die Möglichkeit der weiteren Buchung aufmerksam zu machen“, sagt Sagner. Bei Sabine und Eckhard Röttger war dies nicht der Fall. Sagner entdeckte bei seiner Recherche, dass aus unerklärlichen Gründen ein Mitarbeiter am 31. März 2012 den Vertrag aus dem System genommen hatte.

Eine Information dazu ging den Röttgers allerdings nie zu. Sie lebten im Glauben, Ökostrom zu verbrauchen.

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