Zwei Willicher Frauen wollten einem Wohnungslosen helfen, dieser griff die beiden Frauen aber an. Einem Verwandten mahlen die Mühlen der Justiz nun zu langsam.

Willicher ärgert sich über das Vorgehen der Behörden. Denn der mutmaßliche Täter laufe immer noch frei herum.
Die Polizeiwache an der Grabenstraße in Willich. Archiv

Die Polizeiwache an der Grabenstraße in Willich. Archiv

Reimann

Die Polizeiwache an der Grabenstraße in Willich. Archiv

Willich. Jost Zippel fordert Gerechtigkeit. Für seine Ex-Frau und seine 24-jährige Tochter. Die beiden Frauen waren Ende Oktober in Willich von einem Obdachlosen angegriffen und geschlagen worden. Doch der Täter, so Zippel, laufe immer noch frei herum.

Die Tag ereignete sich nach Auskunft des Vollzugsbediensteten am 30. Oktober gegen 11.30 Uhr unweit der Ritterstraße. Dort waren Mutter und Tochter mit ihrem Hund unterwegs, als ihnen am Rande eines Ackers ein „Bündel Kleidung“ auffiel: Es handelte sich um einen Menschen, der sich dort hingelegt hatte. „Meine Tochter wollte helfen und sprach den Mann an“, berichtet Zippel. Der sei plötzlich aufgesprungen, hinter ihr hergelaufen und habe sie mehrfach geschlagen – in den Rücken und ins Gesicht. Auch seiner Ex-Frau, die helfen wollte, habe der vollbärtige, verwahrloste Mann mehrere Schläge verpasst. Danach sei er seelenruhig davon spaziert.

Die Frauen riefen noch vom Tatort aus die Polizei an und berichteten, was gerade passiert war. Außerdem ließen sie die Prellungen, die sie erlitten hatten, von einem Arzt behandeln und dokumentieren. Am späten Abend dann der Schock: Gegen 22 Uhr sei seiner Ex-Frau dem gleichen Mann erneut begegnet. Er habe im Vorraum der Volksbank an der Hülsdonkstraße gelegen, wo seine Ex am Automaten Geld abheben wollte. Erneut verständigten sie die Polizei. Zwei Beamtinnen, die von dem Vorfall am Vormittag offenbar keine Kenntnis gehabt hätten, erschienen und nahmen den Obdachlosen mit, berichtet Zippel.

Am 2. November erstattete er nach eigenem Bekunden mit seiner Ex-Frau Anzeige wegen Körperverletzung auf der Wache in Willich. Dort habe man ihm jedoch erklärt, Staatsanwalt und Richter sähen keinen Grund, den Mann in Haft zu nehmen. „Ich habe ihn auch noch mehrfach in Willich gesehen und ein Foto von ihm gemacht“, berichtet Zippel.

Mittlerweile will er erfahren haben, dass es sich bei dem Obdachlosen um einen 37-jährigen handelt, der in der Vergangenheit schon strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Er war kurze Zeit im Flüchtlingsdorf an der Moltkestraße untergebracht, wo die Stadt einen Wohncontainer zur Unterbringung von Nicht-Sesshaften nutzt. „Er wohnt da aber schon nicht mehr“, informiert Martin Zinnel vom Ordnungsamt.

Die Kripo in Kempen hat Mutter und Tochter mittlerweile befragt. Doch der Obdachlose sei immer noch frei und könne jederzeit in eine Nachbarstadt „abtauchen“, ärgert sich Zippel: „Dabei ist er eine Gefahr für die Allgemeinheit.“ Seine Tochter müsse sich sogar in psychologische Behandlung geben. Er fordert, dass der Mann der Gerichtsbarkeit zugeführt und für sein Verhalten bestraft wird: Solche Konsequenzen „müssten Sie und ich auch tragen“.

Die Polizei des Kreises Viersen hat den Vorfall als einfache vorsätzliche Körperverletzung eingeordnet und der Krefelder Staatsanwaltschaft übergeben. Diese bestätigt lediglich, dass ein ordnungsgemäßes Verfahren eingeleitet wurde.

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