Die Apfelstadt ist seit Donnerstag fest in Jecken-Hand.

Altweiber
Ganz schön eng da oben: Dreigestirn, Kinderprinzessin und Bürgermeister Thomas Goßen haben sich nach der Schlüsselübergabe auf dem Rathaus-Balkon versammelt.

Ganz schön eng da oben: Dreigestirn, Kinderprinzessin und Bürgermeister Thomas Goßen haben sich nach der Schlüsselübergabe auf dem Rathaus-Balkon versammelt.

In St. Tönis wird vor der Bäckerei Hoenen an der Ringstraße Kinderprinzessin Jolina I. in Berlinern aufgewogen.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Ganz schön eng da oben: Dreigestirn, Kinderprinzessin und Bürgermeister Thomas Goßen haben sich nach der Schlüsselübergabe auf dem Rathaus-Balkon versammelt.

Tönisvorst. Im Vollstress und total happy. Sechs Veranstaltungen hatte der närrische Nachwuchs des Jugendkarnevals-Vereins Donnerstagmittag schon absolviert. Von „Nase voll“ konnte allerdings keine Rede sein. Im Gegenteil: Die jungen Narren liefen zu Hochform auf.

Ortstermin bei der Bäckerei Hoenen an der Ringstraße. Standartenträger Keith Stainthorpe und Vanessa Arndt vom JKV „scharren mit den Hufen“, erwarten gespannt Kinderprinzessin Jolina I. Grund ist, dass das Mädel in Berlinern aufgewogen werden soll. Die entsprechende Waage hängt wie eine Schaukel an einer Traktor-Gabel, das Gerät hat Michael Rippers vorgefahren.

Bevor ihre Majestät allerdings auf die Waage steigen kann, hat sie eine Pflicht zu erledigen. Bäckerei-Chef Heinz Hoenen trägt – obwohl die Uhr schon weit nach 13 Uhr zeigt – immer noch seine vollständige Krawatte. Jetzt ist er reif. Allerdings hat Jolina, ebenso wie eine Vertreterin der Tanzgarde, ihre liebe Mühe, das Teil durchzuschneiden. „Das sind ja Kinderscheren“, lästert eine Beobachterin.

Dennoch nimmt die Angelegenheit ihren Lauf: Schlips ab, Bützchen – Klappertüüt. Zeit, Jolina auf die Waage zu bringen. Wieviel bringt sie denn nun genau mit? Pfui, das fragt man nicht. In der Kiste befinden sich – so eine Hochrechnung – hunderte Berliner (siehe Kasten). „Wie schmeckt’s denn, Majestät?“ Sofort kommt der Daumen hoch. „Super!“

Begeistert zeigt JKV’lerin Sandra Steffen: „Wir haben heute zwölf Termine, jedes Jahr kommen neue Anfragen hinzu.“ Konsequenz: Der Nachwuchs ist auch für den Freitag nach Altweiber gebucht. Das berühmte „närrische Loch“ an diesem Tag gibt es längst nicht mehr.

Gute Laune gespielt – trotz Klatsche „Auf Schalke“

Wie schwer Prinzessin Jolina I. genau ist, muss nicht verraten werden. Aber ein Berliner wiegt 60 bis 70 Gramm. Rund 500 Stück hat Heinz Hoenen gestiftet, sagt er. Es können auch ein paar mehr gewesen sein.

Wie kommt dieses Gebäck zu seinem Namen? In der WZ-Redaktion gibt es eine plausible Erklärung: Um die Stücke essen zu können, muss man den Mund schon so weit aufreißen wie ein Berliner. Für diese These spricht auch, dass der Berliner in Berlin Pfannkuchen heißt.

„Der Verein ist Generationen-übergreifend“, sagt Steffen. Sie selbst ist seit 26 Jahren Mitglied. „Man bleibt hängen.“ Um dann später beispielsweise als Mutter die Kindern zu betreuen. Dass die Nachwuchsarbeit funktioniert, zeigt sich daran: Die jüngste Tänzerin ist gerade mal zwei Jahre alt. Dass einige bekannte Gesichter des JKV beim Wiegen nicht zu sehen sind, hat einen plausiblen Grund: Auf dem Rathausplatz wird gerade der Getränkestand aufgebaut, an dem sich die Narren während des abendlichen Rathaussturms laben können.

Bäckerein-Chef Heinz Hoenen liefert im Übrigen eine schauspielerische Glanzleistung ab: Er verbreitet Frohsinn, obwohl ihm eigentlich überhaupt nicht nach Feiern zumute ist. Spät am Abend zuvor ist der bekennende Schalke-Fan aus der Veltins-Arena zurückgekehrt – mit sechs Toren von Real Madrid im Gepäck. „Nicht schön. Aber Ronaldo auf dem heiligen Rasen mal gesehen zu haben, war schon großartig.“ Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Am Abend dann ein weiterer Höhepunkt. Dreigestirn und Kinderprinzessin entreißen dem Bürgermeister die Macht. Eigentlich sollte die Feuerwehr die Aktion unterstützten. Das fällt aber aus, weil der Verantwortliche für die Drehleiter in Urlaub ist. Und weil der Bürgermeister das Treppenhaus blockiert hat, müssen die Narren über den Aufzug kommen. Was ihnen auch gelingt – obwohl das Teil in der Handhabung als etwas knifflig gilt.

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