Stures Auswendiglernen von Vokabeln ist von vorgestern. Heute wird eine Sprache wie Französisch vielfältig vermittelt.

Interview
Emmanuelle Soilly ist Französisch- und Englisch-Lehrerin am Michael-Ende-Gymnasium in Tönisvorst.

Emmanuelle Soilly ist Französisch- und Englisch-Lehrerin am Michael-Ende-Gymnasium in Tönisvorst.

Das mobile deutsch-französische Theater mit Figuren, das Théâtre Anima aus Berlin, trat gestern im Forum Corneliusfeld auf. Muriel Camus (l.), die in der Rolle des „vom Himmel gefallenen“ Piloten den kleinen Prinzen kennenlernt, präsentierte den Klassiker als zweisprachiges Stück vor fast 200 Schülern.

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Emmanuelle Soilly ist Französisch- und Englisch-Lehrerin am Michael-Ende-Gymnasium in Tönisvorst.

St. Tönis. Ein lebendiger, kreativer Dialog soll der Fremdsprachen-Unterricht heutzutage sein. Mehr über Motivation und Unterrichtsmodule erzählt Emmanuelle Soilly vom Michael-Ende.

Frau Soilly, seit wann sind Sie Französisch-Lehrerin am Michael-Ende-Gymnasium in St. Tönis?

Emmanuelle Soilly: Ich bin seit Januar 2010 an dieser Schule, also seit einem Jahr, und unterrichte Französisch in der Sekundarstufe I. Hauptsächlich sind es Schüler aus der Klasse 8, die Französisch als zweite oder dritte Fremdsprache gewählt haben, und Neuntklässler. In der Oberstufe unterrichte ich Englisch.

Sie sind, wie man hört, gebürtige Französin. Seit wann leben Sie in Deutschland?

Soilly: Ach, das sind gut und gerne 20 Jahre. Früher haben wir in Bayern gelebt. Jo mei, ich kann sogar bayrisch. Zwischendurch war ich vier Jahre in England tätig. Bevor ich ans Michael-Ende-Gymnasium kam, habe ich an Realschulen in Kaarst und Neuss unterrichtet. Jetzt wohne ich mit meiner Familie in Tönisvorst. Hier fühlen wir uns zu Hause – auch wenn ich den regelmäßigen Kontakt zu Frankreich brauche.

Das Théâtre Anima aus Berlin trat zum ersten Mal im Michael-Ende-Gymnasium auf. Es spielte zweimal das Stück „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint Exupéry, leicht verständlich mit deutschen und französischen Textanteilen. Fast 200 Schüler, vor allem aus den Stufen 8 und 9, haben es am Dienstag gesehen.

Was unterscheidet den heutigen Fremdsprachenunterricht von dem vor 20 Jahren?

Soilly: Heute wird deutlich mehr Wert auf Kommunikation gelegt, auch wenn der Frontalunterricht phasenweise sinnvoll ist. Wir fördern stärker die Sprechfähigkeit der Schüler, ihre Kreativität im Umgang mit der Sprache, im Schreiben von Texten. Motivation ist ein Schlüssel zur Sprache.

Vor 30 Jahren war die Arbeit im Sprachlabor eine große Errungenschaft. Mit welchen Medien arbeiten Sie heute?

Soilly: Da haben wir als Lehrer viele Möglichkeiten, ob Fernsehen, CDs oder DVDs.

Am Lernen von Vokabeln kommt ein Schüler aber auch heute nicht vorbei.

Soilly: Heute werden die Worte aber mehr im Kontext erarbeitet. Ein Wort allein lebt nicht. Es muss angewendet werden, man muss es sehen und beim Sprechen im Mund spüren.

Heute erleben fast 200 Michael-Ende-Schüler ein Theaterstück in französischer Sprache. Ist das als Motivation geeignet?

Soilly: Ja, das kann man so sagen. Es handelt sich um ein bilinguales Theaterstück, das auch Schüler leicht verstehen können, die erst seit einem oder seit zwei Jahren Französisch haben.

Haben Sie das Stück „Der kleine Prinz“ bewusst ausgewählt?

Soilly: Wir sind vom Théâtre Anima angeschrieben und auf das Stück aufmerksam gemacht worden. Es hat uns gut gefallen, „der kleine Prinz“ ist vielen bekannt. Normalerweise ist dieses philosophische Stück eher für die Stufe 10 oder 11 geeignet. Ich habe die Geschichte mit meiner neunten Klasse bis zum sechsten Kapitel durchgenommen. Die Schüler der Klasse 8 haben sich selbstständig darauf vorbereitet. Die Resonanz der Schüler auf das Theaterstück ist sehr positiv.

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