Das Kanzlerinnen-Wort hat für Furore gesorgt. Rein inhaltlich war es wohl nicht falsch, wie eine Nachfrage der WZ ergab.

Das Kanzlerinnen-Wort hat für Furore gesorgt. Rein inhaltlich war es wohl nicht falsch, wie eine Nachfrage der WZ ergab.
Fußball ist eine der Freizeitbeschäftigungen, die auch bei vielen Flüchtlingen ganz oben steht. Archivfotos (2): Kurt Lübke

Fußball ist eine der Freizeitbeschäftigungen, die auch bei vielen Flüchtlingen ganz oben steht. Archivfotos (2): Kurt Lübke

Neben einer Fahrradwerkstatt wurde in St. Tönis auch mehrfach ein Rad-Training für die hier lebenden Flüchtlinge angeboten.

Bild 1 von 2

Fußball ist eine der Freizeitbeschäftigungen, die auch bei vielen Flüchtlingen ganz oben steht. Archivfotos (2): Kurt Lübke

Tönisvorst. Es scheint der Zeitpunkt gekommen, an dem sich die große Politik (und nicht nur die) zurücklehnt. Und das durchaus nicht, weil Weihnachten vor der Tür steht, sondern weil viele glauben, das Thema Flüchtlinge sei abgearbeitet. Irgendwie habe es sich erledigt. In den Kommunen vor Ort weiß man, dass das nicht so ist. Hier wird emsig daran gearbeitet, das Kanzlerinnen-Versprechen („Wir schaffen das“) umzusetzen. Wie weit sind wir auf diesem Weg? Die WZ hat Menschen in Tönisvorst gefragt, die sich täglich mit dem Thema auseinandersetzen.

Peter Hohlweger koordiniert als Hauptamtler die Flüchtlingshilfe, er hat sein Büro im ehemaligen Daihatsu-Gebäude. Hier sind bekanntlich rund 160 Flüchtlinge untergebracht. Seine Aussage überrascht: „Wir haben es schon geschafft“, sagt er. Damit meint er, dass alle ein Dach über dem Kopf haben, zu essen bekommen und über Geld verfügen, wenn auch natürlich in bescheidenem Maß. Und ganz schnell fällt der Satz: „Es sind die Ehrenamtler, die ganz viel Arbeit erledigen.“

Immer wieder sei es Freiwilligen gelungen, kompliziert scheinende Situationen, in denen schnelle Hilfe gefordert war, zu lösen. Mittlerweile gehe die Arbeit der Ehrenamtler mehr Richtung Integrationshilfe. Das seien zum Beispiel Gänge zum Jobcenter, zur Ausländerbehörde oder auch Hilfen bei der Wohnungsvermittlung. „Da opfern Menschen zum Teil ihre komplette Freizeit“, schildert der Sozialarbeiter. Er weist zudem darauf hin, dass es auch für Ehrenamtler eine Supervision gibt. Diese solle verhindern, dass die Menschen sich aufreiben.

Man kann sich in zwölf Gruppen engagieren

Das Ehrenamt bei der Flüchtlingshilfe Tönisvorst ist in zwölf Gruppen unterteilt. Da gibt es etwa den Deutschunterricht, die Fahrradwerkstatt, Jobsuche, Wohnungssuche und vieles mehr. Wer sich meldet, kommt fast automatisch mit Ina Grießer in Kontakt. Sie ist so etwas wie die Personalchefin der Ehrenamtler. Sie prüft, wo man einen Interessenten einsetzen könnte. Wie steht sie zu dem berühmten Merkel-Satz? „Wir haben schon sehr viel geschafft. Aber es ist noch viel tun“, resümiert sie. Die Flüchtlinge müssten Deutsch lernen, da führe kein Weg dran vorbei. Sie lernten es, aber es sei nun mal eine schwere Sprache. „Sonst ist es mit einer Wohnung oder einem Job kaum zu schaffen“, sagt die Frau. Allerdings laufe es umso besser, je länger es gehe.

Das hohe Lied auf die Ehrenamtler singt auch Bürgermeister Thomas Goßen. „Ohne die wär’s überhaupt nicht gegangen“, erklärt er. Dass sich so vieles verbessert habe, habe mit dem riesigen Engagement zu tun, das die Tönisvorster an den Tag gelegt hätten. Man solle nur mal an die „grandiose Arbeit der Kleiderkammer denken.“ Nicht umsonst sei beispielsweise Hedwig Lange mit der Seulenmedaille ausgezeichnet worden. Dass dieses Engagement zurückgehe, könne er beim besten Willen nicht sagen. Mittlerweile funktioniere die Zusammenarbeit mit der Bezirksregierung sehr gut. Absprachen würden eingehalten. Zum Spruch von Angela Merkel fragt Goßen zurück: „Ob’s schon die halbe Strecke ist?“

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer