Tönisvorst tauscht die Kollektion der Einsatz-Schutzkleidung aus und setzt auf die helle Farbe. Kempen hat es vorgemacht. Willich bleibt beim klassischen Dunkelblau.

Sicherheit
Gerätewart und Hauptbrandmeister Gerd Zander trägt einen der neuen, goldfarbenen Einsatzanzüge der Tönisvorster Feuerwehr.

Gerätewart und Hauptbrandmeister Gerd Zander trägt einen der neuen, goldfarbenen Einsatzanzüge der Tönisvorster Feuerwehr.

Kurt Lübke

Gerätewart und Hauptbrandmeister Gerd Zander trägt einen der neuen, goldfarbenen Einsatzanzüge der Tönisvorster Feuerwehr.

Tönisvorst/Willich/Kempen. Wer hätte das gedacht? Mit Rolf Peschken, Markus Hergett, Thomas Metzer und Franz-Heiner Jansen kann man stundenlang über Kleidung sprechen. Farbe, Qualität, Passform, Waschzyklen, Haltbarkeit. . . Den Feuerwehrmännern aus Tönisvorst, Willich und Kempen geht es da aber nicht um Haute Couture, sondern um Ausgeh-, genauer gesagt um Ausrück-Mode.

Die Freiwillige Feuerwehr Tönisvorst wird neue Einsatzüberbekleidung anschaffen. Sie setzt einen neuen Farbakzent, verabschiedet sich vom klassischen Blau. Künftig löschen die Aktiven in goldfarbene Jacken und Hosen. Die Kempener Wehr hat ihre Einsatz-Klamotten bereits in Teilen auf Gold umgestellt. Willich hat beim Kollektionswechsel vor einem Jahr aber am bewährten Blau festgehalten.

15 Garnituren hat Tönisvorst schon angeschafft, mehr folgen peu à peu

15 der hellen hochwertigen Garnituren sind in Tönisvorst schon im Einsatz. Jedes Modell kostet 1200 Euro. Die Kräfte, die unter Atemschutz bei einem Brand in den sogenannten Innenangriff gehen, werden zuerst ausgestattet. Alles andere folgt peu à peu. „Die Jacken sind deutlich kürzer geschnitten. Dadurch sind die Kameraden beweglicher“, sagt Markus Hergett, stellvertretender Pressesprecher. Das Material, das außen viel Hitze aushalten müsse und innen weniger Hitzestau zulassen soll, ist mehrlagig. „Das Außenmaterial ist aus PBI-Stoff und wurde in den USA entwickelt.“

Dieser Stoff sei langlebig und habe ausgeprägte Schutzeigenschaften, halte viele Waschungen aus, wenn Garnituren durch Ruß, Schmutz, Öl und Blut verunreinigt werde. Hergett: „Zwischen vier und acht Jahren sollte die Kleidung, je nach Beanspruchung, schon halten.“

Die Tönisvorster haben sich vor der Entscheidung für einen Anbieter umfassend informiert - in Fachzeitschriften, durch Erfahrungsberichte anderer Feuerwehren. Die neue Farbe Gold habe, so Hergett, den Vorteil: „Sie ist besser sichtbar. Wir sind ja auch im Straßenverkehr im Einsatz.“ Außerdem könne man Verschmutzungen auf Jacken und Hosen besser sehen. Die neuen Anzüge waren schon bei einem Zimmerbrand in einem Haus an der Straße Nüss Drenk im Einsatz. Feedback der Feuerwehrkameraden? „Sie waren sehr zufrieden“, sagt Hergett.

Die Feuerwehren jeder Stadt kann ihre eigenen Entscheidung zur Kleidung treffen. In Tönisvorst ist man überzeugt von dem PBI-Stoff, der in den USA entwickelt worden ist. In der hellen Farbe sieht die Wehr auch einen Vorteil.

Die Neuanschaffung folgt nicht dem Diktat der Mode. Das Vorgängermodell war in die Jahre gekommen. Die alte Schutzkleidung war seit Ende der 90er Jahre im Einsatz. Hergett: „Da musste eine Entscheidung für ein neues Modell her.“ Feuerwehrchef Rolf Peschgen wird als Einsatzleiter übrigens mit am längsten auf seine Gold-Garnitur warten. Die anderen gehen vor. Insgesamt werden aktuell 104 Feuerwehrleute der Löschzuge Vorst und St. Tönis ausgestattet. Macht in der Summe eine Investition von rund 125 000 Euro.

Metzer setzt auf „Corporate Identity“ in klassischem Blau

170 Feuerwehrmänner in Willich, also die Atemschutzträger, tragen schon neue Schutzkleidung. Für Thomas Metzer, Chef der Willicher (Foto), hat das „Corporate Identity“ die entscheidende Rolle beim Votum für Blau gehabt. Werksfeuerwehren hätten mit dem Trend zu Hell angefangen, Berufsfeuerwehren nachgezogen. Nun folgten Freiwillige Feuerwehren. Willich nicht. „Unsere Kleidung ist nicht besser und nicht schlechter als die andere“, ist Metzer überzeugt. Um Kosten im Rahmen zu halten, wurde die neue Überbekleidung nur für die Kräfte angeschafft, die besonderen Schutz durch hitzebeständiges und reißfestes Material im Einsatz benötigten. Die alte Schutzkleidung ist aber nicht in der Mottenkiste gelandet.

Wichtig ist es Metzer, dass das Gefühl der Feuerwehrmänner in den hochentwickelten Monturen für die heißen Temperaturen nicht verloren geht. Zu ihrer eigenen Sicherheit. Er hat Wert auf Übungen in der neuen Schutzleidung gelegt.

Kempen ist zufrieden mit der Umstellung auf die Sandfarbe

In Kempen ist man zufrieden mit der Umstellung der Schutzkleidung vor eineinhalb Jahren. Seitdem rückten in der Thomasstadt die Einsatzkräfte, die unter Atemschutz in Qualm und Flammen müssen, in Gold aus. „Die Kleidung ist robust und nicht eingefärbt“, sagt Franz-Heiner Jansen (Foto) und beschreibt sie als sandfarben. Vorteil: „So erkenne ich die Einsatzkräfte sofort.“ Die alte Kleidung musste ausgetauscht werden, weil nicht mehr zu kontrollieren gewesen sei, ob sie noch ausreichend hitze- und strahlungsbeständig war. Sechs verschiedene neue Modelle wurden seinerzeit getestet. Man wählte das mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis und unter den Aspekten Tragekomfort und Sicherheit.

Gerade für die, die unter Atemschutz arbeiten, müsse schließlich gelten: „Das Sicherste, was es gibt, muss ein.“ Für 80 der 240 aktiven Einsatzkräfte in der Kempener Freiwilligen Feuerwehr gilt also längst: Gold for Fire. Klingt doch fast nach Haute Couture.

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