Sogar die Kirchenglocken wurden eingeschmolzen, um Granaten gießen zu können.

Historie
Kriegstraining für Kinder. Kurz nach Kriegsbeginn schießen überall im Landkreis Kempen Jugendwehren zur militärischen Ertüchtigung aus dem Boden, in Vorst wie hier im abgebildeten Kaldenkirchen.

Kriegstraining für Kinder. Kurz nach Kriegsbeginn schießen überall im Landkreis Kempen Jugendwehren zur militärischen Ertüchtigung aus dem Boden, in Vorst wie hier im abgebildeten Kaldenkirchen.

Die Glocken werden abtransportiert, das Heer braucht sie zum Guss von Granaten – in St. Hubert, wie hier auf dem Bild, und (1917) in Vorst.

Auf die Kunde von der deutschen Mobilmachung am 1. August 1914 stimmt die Menge ein vaterländisches Lied an, die „Wacht Am Rhein“, 1854 vertont von dem Krefelder Carl Wilhelm, nach dem heute noch eine Straße benannt ist: „Es braust ein Ruf wie Donnerhall/wie Schwertgeklirr und Wogenprall . . . Lieb Vaterland, magst ruhig sein, fest steht und treu die Wacht am Rhein!“ Gefunden auf einer Postkarte.

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Kriegstraining für Kinder. Kurz nach Kriegsbeginn schießen überall im Landkreis Kempen Jugendwehren zur militärischen Ertüchtigung aus dem Boden, in Vorst wie hier im abgebildeten Kaldenkirchen.

Vorst. Vorst im Ersten Weltkrieg: Die kleine Landgemeinde ist Spiegel der großen Ereignisse. Zunächst ist auch hier die vaterländische Begeisterung groß. Unglaublich heute: Die Jugendlichen brennen darauf, an die Front zu gehen. Am 12. Oktober 1914 findet eine Versammlung im Hotel Schraven statt (später Hotel zur Post). Dort tragen zahlreiche Teens den Wunsch vor, eine Jugendkompanie zu gründen, um vormilitärische Ausbildung zu betreiben.

Der 1. Weltkrieg an der Heimatfront

Zehn erwachsene „Führer“ (meist gediente Soldaten) und 92 Jugendliche ab 16 wollen sich an der Aktion beteiligen. Sonntagvormittag soll auf dem Sportplatz geturnt werden, bei schlechter Witterung im Saale der Witwe Küppers. Aber als im Juni 1915 der Kompanieführer Fabricius eingezogen wird, löst seine jugendliche Kompanie sich auf.

Als Vorbereitung auf das Grauen an der Front hätte der vaterländische Turnunterricht kaum getaugt. Nachdem der deutsche Vorstoß auf Paris gescheitert ist, kommt der deutsche Bewegungskrieg in Frankreich zum Stillstand. An der Westfront beginnt nun ein jahrelanger, zermürbender Stellungskampf, der einer gegenseitigen Belagerung gleicht.

Einem Sturm geht tagelanges Trommelfeuer voraus

Die Millionenheere graben sich ein, lauschen aus ihren vier Meter tiefen Unterständen auf die Explosion der Granaten. Bevor die Infanterie auf die feindliche Stellungen losgeht, legt die Artillerie den Gegner tagelang unter Trommelfeuer, mit Schrapnells und Minen. Das Zeitalter der Matertrialschlachten hat begonnen. Die Technik triumphiert über den Menschen.

Zur Ermunterung der im Felde stehenden Gemeindesöhne startet der Vorster Kaplan Klucken eine Frontzeitung – die „Vorster Kriegsgrüße“. Sie bestehen aus einem Doppelblatt im Format 16 mal 24 Zentimeter und erscheinen ab dem 15. August 1915 alle zwei bis drei Wochen.

Nachrichten aus der Heimat für den Schützengraben

Den Vorster Soldaten im Felde bieten sie Informationen über das „Neueste in Kirche und Schule, von den Vereinen, vom Leben in der Gemeinde.“ Heimatpflege im Schützengraben.

Die Materialschlachten im Westen verpulvern Unsummen. Frisches Geld erhofft sich der Staat von Kriegsanleihen. Bei der Verschuldung gibt‘s keine Hemmungen, der geschlagene Gegner wird ja alles zurückzahlen. In Erwartung eines baldigen glorreichen Sieges geben viele Familien ihre kompletten Ersparnisse her, um dem Vaterland zu helfen. Die Vorster Kirchengemeinde geht mit „gutem Beispiel“ voran, zeichnet für sechs Kriegsanleihen insgesamt 31 000 Mark. Aber dann ist der Krieg verloren, und das Geld auch.

Und die Kirchen sind nun stumm. Für den Guss von Granaten wandern die Glocken in die Schmelze. St. Godehard verliert die Marienglocke (951 Pfund), die Michaelisglocke (116 Pfund) und die kleine Gotthardusglocke (100 Pfund). Was mit Jubel begann, endet in lähmendem Schweigen.

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