Die Renovierung des Instruments in der Pfarrkirche St. Godehard in Vorst ist abgeschlossen.

Die Renovierung des Instruments in der Pfarrkirche St. Godehard in Vorst ist abgeschlossen.
So sehen die Orgelpfeifen von unten aus.

So sehen die Orgelpfeifen von unten aus.

Diese Tafel erinnert an die wichtigsten Daten: Wann die Orgel eingeweiht und wann sie renoviert wurde.

Urszula Neugebauer an der frisch renovierten Orgel in der Vorster Pfarrkirche St. Godehard.

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So sehen die Orgelpfeifen von unten aus.

Vorst. Wenn Urszula Neugebauer über die Klais-Orgel in der Vorster Pfarrkirche St. Godehard spricht, verknüpfen sich ihre Sätze zu einer fortwährenden Liebeserklärung. „Dieses Instrument begeistert mich immer wieder“, sagt die Organistin. „Es ist kraftvoll in jeder Tonlage. Als ich die Orgel nach ihrer Sanierung im Januar zum ersten Mal nach über einem Jahr wieder anspielen durfte, war das ein Gänsehaut-Moment. Das war wie eine Auferstehung.“

Kennengelernt haben sich Musikerin und Instrument 1983 in Vorst, vor 33 Jahren. Urszula Neugebauer, damals 24 Jahre alt, hatte gerade ihr Musikstudium in Krakau beendet und war gemeinsam mit ihrem Mann aus Polen nach Vorst gekommen, um einen Sprachkurs in Deutsch zu machen. „Mein Mann hatte seine Klarinette dabei und konnte sie jederzeit spielen. Ich aber hatte hier weder Orgel noch Klavier zur Verfügung.“ So fragte sie in der Pfarre nach, ob sie sich unter der Woche in St. Godehard an den Spieltisch der Orgel setzen dürfe. Sie durfte, spielte, überzeugte zufällige Zuhörer, wurde weiterempfohlen, bald zur Chorleiterin berufen und trat im September 1984 die frei gewordene Stelle als Organistin und Küsterin in der Pfarre St. Godehard an.

Schon beim Gottesdienstbesuch war der Klang aufgefallen

Der Klang der Klais-Orgel, erzählt Neugebauer, habe ihr damals als Gottesdienstbesucherin vom ersten Ton an gefallen. Eine Liebe wurde es auf den zweiten Blick, besser gesagt, beim ersten Spiel an dem elektropneumatischen Instrument. Am Anfang habe sie der Zustand traurig gestimmt, erinnert sich Neugebauer. „Damals waren die Tasten äußerlich zugerichtet, zerkratzt, teilweise angebrochen.“ Mit den Jahren rissen immer häufiger porös gewordene Lederbespannungen der Blasebälge ein. Klare Töne jaulten plötzlich auf. „In der letzten Zeit wollte mich hier niemand mehr gern an der Orgel vertreten.“

Die Rettung des Instruments wurde zur Lebensaufgabe

Manche Töne waren der Klais-Orgel, die 26 Stimmen umfasst, zeitweise gar nicht mehr zu entlocken. Oft musste Neugebauer Windladen kleben, Löcher stopfen, um zu verhindern, dass auf dem Weg durch die Bleirohre zu den Balgen zu viel Luft entweicht. Wenn Töne ganz ausfielen, schrieb die Organistin Lieder für die Gottesdienste in andere Tonarten um. Die Rettung des Instruments hat sich Neugebauer zu einer Lebensaufgabe gemacht. „Ich habe mich immer für die Orgel eingesetzt. Ich bin kämpferisch geblieben, auch wenn mir manchmal die Puste ausgegangen ist.“

Geduld musste die Organistin üben, denn die Sanierung der Kirche und ihrer Fenster hatte über Jahre Vorrang. Der Orgelstimmer war ein häufiger Gast in Vorst. „Ich habe einfach weitergejammert“, sagt Neugebauer und lacht: 2009 kam die Zustimmung von Kirchenvorstand und Pfarrer Ludwig Kamm. Der Orgelbauverein wurde mit Hilfe von Willi Ferfers gegründet, um Spenden zu sammeln (siehe Kasten). Die Firma Verschueren Orgenbouw Heythuysen aus Roermond wurde 2014 mit der Restaurierung der Orgel beauftragt. Zeitweise war das Instrument abgebaut. Nun ist es bereit für seine Wiedereinweihung. „Am Montag war die Abnahme. Alles in Ordnung.“

Beeindruckt von der Wandlungsfähigkeit

Urszula Neugebauer ist bis heute geradezu entzückt von der Wandlungsfähigkeit dieses historisch so wertvollen Opus’ aus der Werkstatt Klais, die St. Godehard seit Anfang des 20. Jahrhunderts mit einem Klang erfüllt, als sei dieser Kirchenbau eine Kathedrale. Den Worten lässt Neugebauer Töne folgen, schlägt zwei, drei Tasten an, schaut derweil auf die Uhr und zählt im Geiste mit: „Sechs Sekunden Nachhall. Der Klang entfaltet sich toll hier. Diese Orgel ist wie geschaffen für diese Kirche“, zollt sie noch 115 Jahre nach dem Einbau den Instrumentenbauern von einst Respekt.

Bis zur Festmesse mit Orgelweihe am Sonntag hat Urszula Neugebauer für ihr Instrument fast jede Stunde reserviert. Die Proben für das Konzert am Sonntagnachmittag sind im Gange. Gestern begrüßte sie Maria Gurzynska (Sopran) und Tenor Gurzynski auf der Empore. Beide Sänger haben die Orgel mit all ihren Mängeln kennengelernt, sie aber seit ihrer Restaurierung noch nicht wieder gehört. Als Maria Gurzynska wenige Minuten später, von Urszula Neugebauer begleitet, ihr Lied anstimmte, verschmolzen Orgel und Sopran miteinander. Das war ein Gänsehautmoment in St. Godehard. Wie eine Liebeserklärung der Klais-Orgel für ihre Kirche.

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