St. Tönis ist für Emad, Iham und Rossella Ali zu einem Stück Heimat geworden. Dafür hat die Familie Scherff gesorgt.

St. Tönis ist für Emad, Iham und Rossella Ali zu einem Stück Heimat geworden. Dafür hat die Familie Scherff gesorgt.
Sie freuen sich auf die gemeinsamen Feiern zu Weihnachten und Silvester: Emad und Iham Ali mit ihrer kleinen Tochter Rossella haben bei Birgit und Rainer Scherff in St. Tönis eine neue Heimat gefunden.

Sie freuen sich auf die gemeinsamen Feiern zu Weihnachten und Silvester: Emad und Iham Ali mit ihrer kleinen Tochter Rossella haben bei Birgit und Rainer Scherff in St. Tönis eine neue Heimat gefunden.

Friedhelm Reimann

Sie freuen sich auf die gemeinsamen Feiern zu Weihnachten und Silvester: Emad und Iham Ali mit ihrer kleinen Tochter Rossella haben bei Birgit und Rainer Scherff in St. Tönis eine neue Heimat gefunden.

St. Tönis. Alle vier Kerzen brennen am Adventskranz, der auf dem Esszimmertisch liegt. Ein Teller mit Plätzchen steht daneben, aus den Teetassen dampft es und der Geruch nach frischen Kräutern macht sich breit. Am aufgestellten Tannenbaum glitzern die Kugeln im Schein der Lichterketten. Bei Birgit und Rainer Scherff herrscht vorweihnachtliche Stimmung. Diese genießen sie dabei nicht allein. Sie teilen sie mit Emad Ali, seiner Frau Iham und der zweijährigen Tochter Rossella.

Mit einem wenige Monate alten Baby kamen sie nach St. Tönis

Das Teilen bezieht sich aber nicht nur auf die Weihnachtszeit. Seit nunmehr knapp zwei Jahren leben die Scherffs mit der kleinen Familie aus Syrien zusammen. Emad, Iham und Tochter wohnen in der Souterrainwohnung der St. Töniser Familie. „Wir wollten einfach mehr tun, als einfach nur etwas für die Flüchtlingshilfe zu spenden“, erzählt Rainer Scherff von dem Entschluss, der im Jahr 2014 fiel.

Der Kontakt zu den Alis entstand dabei über eine Nichte der Scherffs. „In ihrer Firma arbeitet ein Syrier, der sich privat für Menschen aus seinem Heimatland engagiert. Über ihn entstand der Kontakt, wobei wir uns eine Familie wünschten, die bei uns einziehen sollte“, erzählt Birgit Scherff.

Anfang Februar vergangenen Jahres war es dann soweit. Mit einer kleinen Tasche ausgerüstet und dem wenige Monate alten Baby standen Emad und Iham vor dem Tönisvorster Ehepaar, das selber vier erwachsene Kinder hat. „Wir hatten die Wohnung im Souterrain vorab neu gestrichen. Ich hatte ein Babybett und entsprechende Anziehsachen gekauft. Dazu hatten wir die Wohnung mit Töpfen und Geschirr ausgerüstet“, erinnert sich Birgit Scherff.

Bei der ersten Begegnung flossen direkt Tränchen. Bei den Tönisvorstern angesichts der Tatsache, dass ein Mann mit seiner schwangeren Frau aufgrund des Krieges aus seinem Heimatland flüchtete und bei den Flüchtlingen, weil diese sich gar nicht vorstellen konnten, dass ihnen wildfremde Menschen ein Dach über dem Kopf anbieten wollten. „Ich hätte nie gedacht, dass es in der Welt solche Leute gibt, die uns in ihr Haus aufnehmen“, sagt Emad.

Er und seine Frau mussten sich weiter wundern, denn Birgit und Rainer Scherff boten ihnen nicht nur Obdach, sondern auf der ganzen Linie Familienanschluss an. Das spiegelt sich überall wider. Im Wohnzimmer der Tönisvorster steht ein großes eingerahmtes Bild von Rossella und auf dem Smartphone von Birgit Scherff sind es die Bilder und Videos mit den Alis, die neben denen der eigenen Familie gespeichert sind.

„Birgit und Rainer sind unsere Familie geworden. Sie sind wie ein Vater und eine Mutter für uns bzw. Großeltern für Rossella. Wir wissen gar nicht, wie wir ihnen danken können“, sagt der 37-jährige Syrer, der im Libanon studierte und in seiner Heimat als Fashion-Designer arbeitete.

Er wisse nicht, was der Krieg in Syrien solle. Die Menschen in seiner Heimat, die er kenne, hätten alle friedlich zusammengelebt, egal, welche Religion sie vertreten hätten.

Was beide Familien in Deutschland weiterbelastet ist die Tatsache, dass der Status der syrischen Familie immer noch nicht geklärt ist. Ein Abschiebeverbot nach Syrien besteht zwar, aber ansonsten handelt es sich aktuell um eine Duldung, da der sogenannte Fingerprint in Sachen Flüchtlingseinreise in Bulgarien erfolgte. Mit dem neuen Jahr erhoffen sich alle eine Klärung, denn die Alis möchten den Kontakt zu ihrer neuen Familie nicht verlieren.

Jetzt aber freuen sich alle erst einmal auf Weihnachten und Silvester. Zwei Ereignisse, die zusammen gefeiert werden.

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