Der Brite Dennis Gormley hat Helmut Cames im St. Töniser Altenheim besucht. Kennengelernt hatten sie sich vor mehr als 60 Jahren.

Der Brite Dennis Gormley hat Helmut Cames im St. Töniser Altenheim besucht. Kennengelernt hatten sie sich vor mehr als 60 Jahren.
Dennis Gormley aus Nottingham besucht Helmut Cames im Seniorenheim der Alexianer in St. Tönis.

Dennis Gormley aus Nottingham besucht Helmut Cames im Seniorenheim der Alexianer in St. Tönis.

Schon 2001 berichtete die WZ über das Wiedersehen der alten Freunde nach 45 Jahren. Repro: Reimann

Daniel Cames, Bild 1 von 2

Dennis Gormley aus Nottingham besucht Helmut Cames im Seniorenheim der Alexianer in St. Tönis.

Tönisvorst. „Beichtvater gesucht und Freund gefunden.“ So lautete am 28. April 2001 die Überschrift im Lokalteil der WZ. Berichtet wurde damals über den Besuch von Dennis Gormley aus England bei Helmut Cames in St. Tönis. Die beiden Männer hatten sich Mitte der 1950er Jahre kennengelernt und frischten 2001 ihre vor Jahrzehnten geschlossene Freundschaft wieder auf. Sie hält. Bis heute.

Neun Monate in der Kaserne im Forstwald stationiert

Gerade erst waren Dennis Gormley (81) und seine Tochter Tochter Theresa Hall wieder am Niederrhein, um Helmut Cames zu besuchen. Leider unter etwas anderen Umständen als beim Wiedersehen vor 16 Jahren: Nach mehreren Schlaganfällen lebt der 79-jährige St. Töniser mittlerweile im Seniorenheim, hat Sprachprobleme und ist auf einen Rollstuhl angewiesen. Für Mr. Gormley kein Problem: Jeden Tag besuchte er seinen alten Freund im Heim. „Er hat Erfahrungen im Umgang mit körperlich eingeschränkten Menschen, da er fast zwölf Jahre lang seine erkrankte Ehefrau zu Hause in England gepflegt hat“, berichtet Cames-Sohn Daniel.

Der Brite stammt aus Nottingham und war Mitte der 50er Jahre als Soldat nach Deutschland gekommen. Etwa neun Monate war er in den Francisca Barracks im Forstwald stationiert.

1956 traf er den jungen Messdiener Helmut Cames zum ersten Mal: Dennis, der zum katholischen Glauben konvertiert war, um seine Peggy, eine Katholikin aus Irland, heiraten zu können, wollte beichten. Helmut führte ihn zu einem Englisch-sprachigen Priester. Von da an saß der Mann aus den Landen des Robin Hood jeden Sonntag nach der Messe bei Familie Cames an der Schulstraße am Mittagstisch und aß deutsche Hausmannskost: Erbensuppe mit Würstchen. „Es war eine Ablenkung vom Kasernenalltag“, berichtete der Brite 2001 im Gespräch mit der WZ.

Mit Hilfe der WZ fand man sich wieder

Dennis lernte nicht nur deutsches Essen kennen, sondern auch das Schützenfest in Unterweiden. „Völlig anders als daheim“, sei das Leben in Deutschland gewesen, erinnerte er sich Jahrzehnte später. Und er erinnerte sich ebenso daran, dass weder auf deutscher noch auf britischer Seite die Freundschaft zwischen den beiden jungen Männern gern gesehen wurde: Der schreckliche Krieg war noch nicht vergessen, die Wunden noch nicht alle verheilt.

Nachdem Dennis Gormley 1956 Deutschland wieder verlassen hatte, brach der Kontakt ab: Die Freunde verloren sich nach Umzügen aus den Augen. Bis der Brite, mittlerweile Rentner, 1999 auf die Idee kam, die Westdeutsche Zeitung in Krefeld anzurufen.

„Kennen Sie einen Helmut Cames? Der hat in den 50er Jahren für Ihre Zeitung gearbeitet“, meldete er sich in der Redaktion an der Rheinstraße. Sekretärin Karin Hintzen konnte helfen, denn Helmut Cames schrieb zu dieser Zeit immer noch für die WZ. Und schon kurze Zeit später gab es regelmäßige Telefonate zwischen Nottingham und Niederrhein. 2001 folgte dann das Wiedersehen. Nach 45 Jahren.

Jetzt also ein erneuter Besuch. Von dem Helmut Cames vorher gar nichts erfahren hatte: Völlig überraschend stand der Brite plötzlich an seinem Bett – und Helmut erkannte Dennis sofort wieder.

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