Ein Verein aus Krefeld schließt Alltagslöcher im Sozialsystem vor der Haustüre und in Afrika. Vorsitzender ist der Vorster Klaus Abbelen.

Ein Verein aus Krefeld schließt Alltagslöcher im Sozialsystem vor der Haustüre und in Afrika. Vorsitzender ist der Vorster Klaus Abbelen.
Der Vorster Klaus Abbelen ist Vorsitzender der „Wiege“.

Der Vorster Klaus Abbelen ist Vorsitzender der „Wiege“.

Andrea Berg in ihrem zweiten Element: als ehrenamtlich Engagierte für Kinder und Menschen, die in Not geraten sind.

WZ-Archiv, Bild 1 von 2

Der Vorster Klaus Abbelen ist Vorsitzender der „Wiege“.

Krefeld/Vorst. Der Anruf erreicht Karin Meincke, damals DRK-Oberin in Krefeld, im Frühjahr 2009 aus dem nigerianischen Enugu. Ein Frühchen, leichter als 1000 Gramm und kaum größer als eine Erwachsenenhand, ist geboren worden. Das Kind hat in dem afrikanischen Land kaum eine Überlebenschance. Meincke, die Familien-Bande dorthin besitzt, startet direkt einen Mail-Verkehr mit allen wertvollen Informationen, die das Pflegepersonal, Mutter und Kind vor Ort brauchen. Afrika ist bekanntlich die „Wiege der Menschheit“. Und es ist auch die Geburt des kleinen David, die den Verein „Die Wiege“ begründet.

„In Schweden haben wir einen Ford Transit gefunden und mit einer elektrischen Hebebühne für die Rollstühle versehen.“

Karin Meincke

Es ist ein großes Netzwerk engagierter Menschen und Meincke ist Vorstandsmitglied. „Wir helfen unbürokratisch und schnell dort, wo kein anderer Kostenträger greift. Kurz: Wir helfen Menschen in Not. Ein großer Teil des eingenommenen Geldes geht darüber hinaus ans Stups-Kinderzentrum.“

Da ist beispielsweise das Baby einer finanziell schwachen Familie, das schlecht Luft bekommt und deshalb mit Hilfe eines Stützkissens gelagert werden muss. „Die Krankenkasse wollte die 40 Euro nicht bezahlen. Also haben wir es gekauft.“ 5000 Euro gibt „Die Wiege“ für eine Knochenmarksspende des kleinen Felix hinzu. In einem anderen Fall schreibt eine Frau, dass sie kein Geld für einen gebrauchten Wintermantel hat und legt ihre gesamten finanziellen Verhältnisse offen. „Wir gaben 200 Euro und sie wirtschaftete so gut damit, dass sie auch noch einen neuen Frühjahrsmantel kaufen konnte. Alles mit Kassenzettel belegt.“ Später erhält ein Vater Hilfe, der vier Kinder hat, von denen zwei behindert sind. „In Schweden haben wir einen Ford Transit gefunden und mit einer elektrischen Hebebühne für die Rollstühle versehen“, berichtet Meincke.

Dann stirbt das Flüchtlingskind Elizabeth, neun Monate alt. Ihm hätte nur eine Beerdigung nach Sozialhilferecht zugestanden. Doch die Nachbargemeinde wollte nicht einmal die zahlen. Morgens um 7.15 Uhr hat Karin Meincke kurzfristig den gesamten Vorstand der „Wiege“ geweckt und um Genehmigung der Beerdigungskosten in Höhe von 1500 Euro gebeten. Danach wird die Erdbestattung in Auftrag gegeben. Der Trauergottesdienst wird maßgeblich von Wiege-Mitgliedern und Pfarrerin Antje Wenzel-Kassmer gestaltet. Schreiner Kurt Wans spendet ein schönes Holzkreuz und die Wiege bezahlt das Material für eine Grabeinfassung, die von den Hausmeistern der DRK-Schwesternschaft kostenlos eingesetzt wird. Eine ehrenamtliche Betreuerin für die Grabpflege wird ebenfalls gefunden. So geht Netzwerk.

„Die Wiege ist ein Netzwerk von Menschen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren, die dort helfen, wo Menschen durch das Raster gefallen sind.“

Andrea Berg, Schirmherrin

Viele Mitglieder von „Die Wiege“ haben auch schon vor der Gründung des Vereins als Netzwerk agiert und können auf größere Projekte verweisen: „Beispielsweise halfen wir bei der Trennung der Siamesischen Zwillinge Mercy und Goodness.“ Die Kinder waren an Brust und Bauch zusammengewachsen. Die Chancen für die Trennung standen gut, weil alle Organe, bis auf die Leber, getrennt vorhanden waren. Hier half vor allem Schlagerkönigin Andrea Berg mit einem namhaften Betrag. „Nach erfolgreicher Operation erfuhren die beiden Mädchen die erste räumliche Trennung“, sagt Meincke. „Sie begannen zu krabbeln und bei uns flossen die Tränen die Wangen herab.“

Andrea Berg ist die Schirmherrin des Vereins.

Die prominente Krefelderin zeigt einmal mehr ihr großes soziales Engagement für ihre Heimatstadt und begründet ihre Handlungsweise: „,Die Wiege‘ ist ein Netzwerk von Menschen, die sich auf das Wesentliche konzentrieren, die dort helfen, wo Menschen durch das Raster gefallen sind und unbürokratische Hilfe gesucht wird.“ Wenn mitten in der Nacht das Telefon gehe, heiße es: „Wir kommen und helfen – und das aus tiefem Herzen“, sagt Berg. „Manchmal stecken mir Leute 50 Euro in die Tasche und sagen: ,Geben Sie es den Kindern.‘ Es ist ein großes Vertrauen, das in uns gelegt wird und eine große Verantwortung.“

Zurück zu David. Der kleine Kämpfer hat es nicht geschafft. Im Juli erleidet er einen Herzstillstand, wird wiederbelebt, erholt sich aber nicht mehr. „Er ist der eigentliche Gründer der ,Wiege‘“, sagt Meincke. Alljährlich veranstaltet der Vorster Unternehmer Klaus Abbelen, Vorsitzende der „Wiege“, einen großen Weihnachtsmarkt in Barweiler in der Eifel. Er leitet dort den Rennstall „Frikadelli“.

Abbelen: „In dieser Funktion bin ich für ,Die Wiege‘ tätig. Der Weihnachtsmarkt hat jetzt zum 7. Mal stattgefunden. Schirmherrin Andrea Berg hat den Erlös aus dem vergangenen Jahr – etwa 25 000 Euro – zugunsten des Stups überreicht. Insgesamt haben wir so bereits rund 125 000 Euro an das Krefelder Kinderzentrum geben können.“

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