Der 27-jährige St. Töniser Dustin Ripkens lebt in Los Angeles und hat sich dort schon ein Stück weit durchgesetzt.

Der 27-jährige St. Töniser Dustin Ripkens lebt in Los Angeles und hat sich dort schon ein Stück weit durchgesetzt.
Dustin Ripkens hat sich seinen Traum erfüllt und ist Profi-Tänzer geworden.

Dustin Ripkens hat sich seinen Traum erfüllt und ist Profi-Tänzer geworden.

Ripkens

Dustin Ripkens hat sich seinen Traum erfüllt und ist Profi-Tänzer geworden.

St. Tönis/Los Angeles. Dustin Ripkens kommt mit einem breiten Lächeln zum Gespräch ins Café an der Hochstraße. Der Mann sticht aus der gediegenen Atmosphäre hervor. Er ist groß und austrainiert. Die braun gebrannte Haut, der modische Bart, der auffällige Pulli, auf dem unzählige Rosen abgebildet sind – all das sieht nicht nach Kleinstadt am Niederrhein aus. Dennoch kommt der 27-Jährige von hier, wuchs in St. Tönis auf, besuchte das Michael-Ende-Gymnasium. Der Traum, Profitänzer zu werden, führte Ripkens raus über England nach Los Angeles. Jetzt ist er für zwei Monate zurückgekommen, um die Familie zu treffen und Kontakte in der deutschen Szene zu knüpfen.

Seine Leidenschaft für den Tanz entdeckte er als Teenager. Seine Familie sei sehr musikalisch: „Meine Schwester hat mir erste Schritte beigebracht.“ In der Tanz-AG des Gymnasiums und privaten Tanzschulen ging er seiner Leidenschaft nach, lernte umfassend alle Stile von Ballett bis zum Hip-Hop. Auf eine Lieblingsrichtung möchte er sich nicht festnageln lassen. Es komme immer auf die Choreografie und Ausstrahlung an.

In der Schule gab’s auch schon mal blöde Kommentare

Als Junge Tänzer werden zu wollen, war nicht immer einfach. Natürlich habe es in der Schule blöde Sprüche gegeben. „Aber da muss man drüber stehen“, sagt Ripkens. Früh begann er selbst, Tanz zu unterrichten und stand bei Stadtfesten in St. Tönis auf der Bühne. Der Traum, Profitänzer zu werden, war geboren.

Im Jahr 2009, als Ripkens sein Abitur ablegte, war klar, dass er in England Tanz studieren möchte. Dort seien die Anforderungen höher und die Ausbildung besser als an deutschen Schulen. Ein paar Mal flog er nach England, um sich die Schulen anzugucken. Dann folgten die Aufnahmeprüfungen an mehreren Akademien. Ripkens bekam einige Zusagen und entschied sich für eine Ausbildung nahe London. Hier bekam er sogar ein Stipendium: „Sonst wäre das kaum zu finanzieren gewesen.“ Familie und Freunde hätten ihn auf seinem abenteuerlichen Weg stets unterstützt – unter anderem bei einer Spenden-Veranstaltung im St. Töniser Wasserturm, die im September 2012 für einige Aufregung sorgte.

In England trainierte Ripkens hart, sechs Mal in der Woche. Erste größere Engagements folgten – unter anderem für die Gruppe Take That.

„Bei einem Casting hat man schon mal 300 bis 400 Konkurrenten.“

Dustin Ripkens über Tanz- Realitäten in den USA

Während Ripkens angeregt erzählt, betritt eine Dame das Café; die Mutter einer Schulfreundin. Beide erkennen sich und begrüßen sich herzlich. „Wie jeht et?“, fragt Ripkens in bestem niederrheinischen Slang. Kurz unterhalten sie sich über früher und die USA.

Zum Schritt nach Los Angeles entschloss sich Ripkens nach seinem Jahr in England. Warum genau? Das kann er gar nicht so recht sagen. 2013 machte er seinen Traum wahr. „Um in die USA zu kommen, benötigte ich ein Artisten-Visum“, sagt Ripkens. Dieses zu bekommen, ist extrem kompliziert. Zur Bewältigung des Verfahrens holte sich Ripkens sogar die Hilfe eines Fachanwalts. Auf diesem Weg habe ihm besonders die St. Töniser Tanzlehrerin Andrea Crusius geholfen – zum Beispiel beim Sammeln von Spenden zur Finanzierung des Anwalts.

Die erste Zeit in den USA sei hart gewesen. Der erste Job sei ein Auftritt in einer, so lässt Ripkens durchblicken, eher mittelmäßigen Weihnachtsshow gewesen. Auch privat habe er gefühlt wieder bei Null begonnen. Aber er habe sich durchgekämpft, Kontakte geknüpft und hart für den Erfolg gearbeitet.

Bessere Stellen folgten, unter anderem beim Musical „Phantom der Oper“. Die Tanzszene in den USA sei wesentlich größer und besser als in Deutschland. Der Wettbewerb sei extrem. „Bei einem Casting hat man schon mal 300 bis 400 Konkurrenten“, sagt Ripkens. Daher gebe es in der Szene ein ausgeprägtes „Ich-Denken“. Um trotz Rückschlägen und Absagen zu bestehen, brauche man ein dickes Fell. Ohnehin komme es nicht nur auf das tänzerische Talent, sondern auch auf einen gefestigten Charakter und Willensstärke an. Eine ungewisse Zukunft gehöre zum Job des Künstlers.

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