Das Geschäft an der Hochstraße schreibt rote Zahlen. Die Stadt versucht, den Unternehmer zu unterstützen.

Das Geschäft an der Hochstraße schreibt rote Zahlen. Die Stadt versucht, den Unternehmer zu unterstützen.
Günter Wielpütz ist Inhaber der St. Töniser Buchhandlung.

Günter Wielpütz ist Inhaber der St. Töniser Buchhandlung.

Kurt Lübke

Günter Wielpütz ist Inhaber der St. Töniser Buchhandlung.

St. Tönis. Wird es auf der Hochstraße 27 ab April einen Leerstand geben? Tatsache ist, dass Buchhändler Günter Wielpütz jetzt SOS funkt: Ihm gelingt es nicht, die St. Töniser Buchhandlung aus den roten Zahlen zu holen. Ideen hat der 66-Jährige durchaus, aber ihm mangelt es an Liquidität. Die aktuelle Situation raubt dem Düsseldorfer den Schlaf. „Wenn sich keine Lösung abzeichnet, muss ich leider schließen“, sagt der Mann, der sein gesamtes Berufsleben den Büchern gewidmet hat.

„Besucherfrequenz auf der Hochstraße ist schwach“

Günter Wielpütz kann und will nichts mehr beschönigen, er spricht Klartext: „Es läuft nicht gut, selbst das Weihnachtsgeschäft war sehr durchwachsen.“ Was ihm zu schaffen macht: „Das Ladenlokal ist ohne Schaufenster und Hintereingang. Viele Menschen bestellen ihre Bücher im Internet. Und die Besucherfrequenz auf der Hochstraße ist schwach.“ Trotzdem habe er, als er das Geschäft übernahm, geglaubt, dass in einer 30 000-Einwohner-Stadt eine Buchhandlung existieren kann. Davon ist er eigentlich immer noch überzeugt.

„Das wird allerdings ein schwieriger und langwieriger Weg und ich glaube, ich bin dazu nicht mehr in der Lage“, sagt Wielpütz. Seine Gesundheit leide unter dieser unbefriedigenden Situation. Trotzdem wollte er die Flinte nicht so schnell ins Korn werfen. Aber durch die anhaltenden Verluste ist das Geld für Investitionen knapp.

So müsste der Internet-Auftritt neu gestaltet werden. Das kostet kein Vermögen, ist aber für den 66-Jährigen nicht mehr zu leisten. Er ist froh, wenn er die Rechnungen für die Bücher bezahlen kann – eine wichtige Voraussetzung, um Kunden auch weiterhin Literatur von heute auf morgen bestellen zu können.

„Ich hänge in den Seilen, möchte aber meine treuen Kunden nicht enttäuschen“, sagt der Buchhändler. Wie konnte es passieren, mit seinem Geschäft so in die Schieflage zu geraten, schließlich ist Wielpütz immer noch als Unternehmensberater für den Buchhandel unterwegs? „Ein Schuster trägt selber immer die schlechtesten Schuhe“, scherzt der 66-Jährige. Es mangele ihm auch nicht an Ideen, wohl aber an Kapital, um diese umzusetzen. Deshalb sucht er intensiv einen Nachfolger mit einem dickeren Finanzpolster. Eine Alternative: „In Hannover hat ein Freundeskreis eine Buchhandlung in Form eines genossenschaftlichen Modells übernommen.“

Noch hat Wielpütz die Hoffnung nicht aufgegeben

Was ein neuer Inhaber unter anderem machen könnte: „Er könnte das Sortiment sinnvoll erweitern, Geschenkartikel anbieten ebenso wie DVDs und CDs mit klassischer Musik oder Hörbücher.“ Günter Wielpütz hat die Hoffnung noch keineswegs aufgegeben, dass es weiterhin eine Buchhandlung in St. Tönis geben wird: „Wenn es eine Lösung gibt, bin ich bereit, das noch eine Zeitlang zu begleiten.“

„Wir sind im Bild und versuchen, Herrn Wielpütz nach Kräften zu unterstützen“, sagt Markus Hergett, städtischer Wirtschaftsförderer. Er bricht auch eine Lanze für den Buchhandel: „Das ist ein Kulturträger, ein ganz wichtiger Bestandteil im Leben einer Stadt.“ Wenn die Menschen in Zukunft in der Innenstadt ein attraktives Angebot haben wollen, müssen sie jetzt dort einkaufen und den Einzelhandel unterstützen. „Wahrscheinlich vermissen die Menschen den örtlichen Buchhandel erst dann, wenn er weg ist“, so Hergett.

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