,Für die Menschen’: So hat Pfarrer Ludwig Kamm sein Wirken in Vorst und St. Tönis verstanden.

,Für die Menschen’: So hat Pfarrer Ludwig Kamm sein Wirken in Vorst und St. Tönis verstanden.
Pfarrer Ludwig Kamm (Mitte) bei der Gabenbereitung, umringt unter anderem von Propst Thomas Eicker, Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Kempen-Tönisvorst (l. ), und Erzbischof Simon Ntamwana aus Burundi (r).

Pfarrer Ludwig Kamm (Mitte) bei der Gabenbereitung, umringt unter anderem von Propst Thomas Eicker, Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Kempen-Tönisvorst (l. ), und Erzbischof Simon Ntamwana aus Burundi (r).

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Pfarrer Ludwig Kamm (Mitte) bei der Gabenbereitung, umringt unter anderem von Propst Thomas Eicker, Vorsitzender des Kirchengemeindeverbandes Kempen-Tönisvorst (l. ), und Erzbischof Simon Ntamwana aus Burundi (r).

Vorst. Ein Fischer von Komplimenten war er nie. Er war und ist ein Mann des klaren Wortes, einer, der anderen schon mal gegen den Strich geht.

Pfarrer Ludwig Kamm weiß das. Und so richtete er sich in seiner eigenen Abschiedsmesse in St. Godehard in Vorst direkt an diejenigen, denen er offenbar noch einmal Abbitte leisten wollte. „Wenn ich Ihnen Unrecht getan habe, wenn ich dazwischen gehauen habe. Das kann ich – das weiß ich.“

Zu allererst aber war und ist Ludwig Kamm einer, der sich in der Seelsorge als unermüdlicher Anwalt der Menschen verstand und versteht, der Schwache und Kranke sieht und ihnen hilft. Spontan und nachhaltig. Ob hier vor Ort, in Rumänien oder in Burundi.

Für die Rechte von Kindern und Jugendlichen hat er sich auch außerhalb der Kanzel im politischen Geschäft stets stark gemacht.

Gestern hat dieser „engagierte, kreative“ und ausdauernde Pfarrer nach „segensreichem Wirken am Niederrhein“, wie Regionaldekan Johannes Quadflieg ihm attestierte, als Hauptakteur den Chorraum verlassen und sich zu denjenigen in die Kirchenbank gesetzt, mit denen er bisher gemeinsam das Gemeindeleben geleitet, begleitet und gewandelt hat.

Nach 27 Jahren in der katholischen Kirchengemeinde Vorst und fünfeinhalb Jahren gemeinsamen, zusammenführenden Wirkens in St. Cornelius in St. Tönis ist Kamm in den Ruhestand gegangen.

Seine Gemeinden und seine Wegbegleiter aus der eigenen und der evangelischen Kirche, aus Burundi und aus Indien bereiteten ihm eine innige, würdevolle und mit Inbrunst und wohlüberlegter Musikauswahl geprägte Abschiedsmesse.

Zunächst konnte sich Kamm einen Satz nicht verkneifen. Er sagte: „So voll ist unsere Kirche fast jeden Sonntag“, machte eine Pause und setzte fort: „nicht“. Angesichts der vielen Besucher ging er davon aus, dass die einen danke sagen wollten, andere vielleicht aber schauen wollten, „ob er nun wirklich geht“.

Diese Koketterie löste sich in Wohlgefallen auf, als er fortan viele namentlich ansprach, die ihm in den vergangenen Jahrzehnten wichtig waren und wurden, auf die er sich in der Gemeindearbeit so fundiert verlassen konnte – von den Sekretärinnen der ersten Stunde in St. Godehard an bis hin zu denjenigen, die er einst taufte und die ihm nun, an diesem tiefemotionalen Tag beiseite standen. Wie etwa Fotograf Jonas, dessen Eltern Kamm in den Anfängen seines Wirkens in Vorst getraut hatte. Jonas hielt die feierliche, zweistündige Messe in Bildern fest.

Es sind Episoden wie diese, die den Abschied von und mit Kamm besonders wertvoll machten. Das Band zwischen ihm am Altar und den Freunden, Verwandten, Begleitern, den Gemeindemitgliedern und Bürgern aus Vorst und St.Tönis war in der Kirche spürbar.

Kamm schlug eine alte Kladde auf. Dabei habe er, wie er betonte, auch diese, seine letzte Predigt nicht aufgeschrieben. Die Kladde stelle den Anfang seines Wirkens in der Gemeinde dar. Darin Notizen über Begegnungen, zu Menschen und Ideen, wie er, Kamm, seine Aufgabe auszufüllen gedachte. Dabei zitierte er einen eingeklebten Artikel über eine ,BROT-Gemeinschaft’ in Wien. BROT stehe für Beten, Reden, offen Sein und Teilen. Das Ideal eines Miteinanders. „Das hat mich fasziniert!“ Miteinander, nicht gegeneinander; einander vertrauend, so habe er christliche Gemeinschaft lebendig halten wollen und mit Kirchen- und Gemeindevorstand auch können. Zuletzt im Brückenschlag zwischen Vorst und St. Tönis.

Es gab viele bewegende Momente in der Kirche. Ein Ausschnitt burundischer Liturgie mit Tanz und Trommel beispielsweise. Den Schlusspunkt aber setzten die Schützen. Bezirksbundesmeister Uli Loyen und Diözesan-Bundesmeister Josef Moor überreichten ihrem langjährigen Präses Ludwig Kamm für seinen beispielhaften Einsatz für Glaube, Sitte, Heimat das St. Sebastianus Ehrenschild am Bande. Die Schützen haben ihm nicht dauerhaft krumm genommen, dass er, so Kamm, einmal gepoltert habe: „Für die paar Hansel mach’ ich die Tür nicht auf.“ Gestern ging keine Tür zu.

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