Händler aus dem Kreis Viersen reagieren verhalten auf eine Idee aus Kleve. Dort sollen an der Kasse keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr anfallen.

Händler reagieren verhalten auf eine Idee aus Kleve. Dort sollen an der Kasse keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr anfallen.
Schreibwarenhändler Rolf Beckers würde gerne auf das „Kupfergeld“ in der Kasse verzichten.

Schreibwarenhändler Rolf Beckers würde gerne auf das „Kupfergeld“ in der Kasse verzichten.

Friedhelm Reimann

Schreibwarenhändler Rolf Beckers würde gerne auf das „Kupfergeld“ in der Kasse verzichten.

Kempen/Kreis Viersen. Jetzt gehen die Uhren in Kleve anders: Nach niederländischem Vorbild wollen viele Einzelhändler in der 50 000-Einwohner-Stadt die Ein- und Zwei-Cent-Münzen aus ihren Geschäften verbannen. Wäre das auch für Kempen und Umgebung ein interessantes Modell? Die WZ hat sich bei den Händlern umgehört.

Ist das Ganze nur ein guter Werbegag?

„Ich würde es begrüßen, keine Kupfermünzen mehr in der Kasse zu haben“, sagt der Kempener Schreibwarenhändler Rolf Beckers. Mit Kleinst-Beträgen hat er oft zu tun, da zum Beispiel viele Zeitschriften 98- oder 59-Cent-Beträge kosten. Zweifel hat Beckers allerdings daran, dass die Kunden das Auf- und Abrunden immer mitmachen wollen, wenn sie das aus anderen Städten nicht kennen. „So etwas sollte deshalb bundesweit einheitlich eingeführt werden“, sagt er. Den Vorstoß der Klever nennt er einen guten Werbegag.

Die dortigen Händler hatten als Grund für ihren Vorstoß angegeben, Zeit und Geld sparen zu wollen. Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ müssen sie bei der Volksbank Kleve Gebühren für die Aus- und Einzahlung der Münzen zahlen. Bei der Volksbank Kempen-Grefrath werden solche Gebühren für Kunden nicht erhoben, sagt Silke Jahn, Sprecherin des Geldinstituts an der Burgstraße. Nicht-Kunden zahlen pro Rolle 50 Cent.

Eine weitere Begründung aus Kleve lautet, dass ein Drittel der Kunden aus den Niederlanden kommt. Dort haben die Geschäfte landesweit schon seit 2004 das Kleinstgeld bei der Bezahlung abgeschafft. „So viele Kunden aus Holland haben wir hier nicht“, sagt dazu Rainer Höppner, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Schiefbahn. Er ist gleichzeitig Vorsitzender des Einzelhandelsausschusses der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein sowie im Vorstand des Einzelhandelsverbandes Krefeld-Kreis Viersen. In beiden Gremien gebe es keine Bestrebungen, das Kleinstgeld zu beseitigen, so Höppner.

In seinem eigenen Damenmodengeschäft fallen beim Bezahlen keine Cent-Beträge an. Das ist bei seinem Kollegen Stefan Robben in St. Tönis genauso. „In unserer Branche fallen solche Mini-Beträge wenig an.“ Vorteile in dem Vorstoß der Händler aus Kleve kann er nicht erkennen. „Da gibt es wirklich wichtigere Themen, um die wir uns kümmern müssen.“

Modehändler Sebastian Commans aus Anrath würde dagegen „sofort mitmachen, wenn das Kleinstgeld abgeschafft wird“. Und auch er spricht von Gebühren, die er beim Einkauf von Münzen zahlen sind. „Aktuell sind es 30 Cent.“

Der Kempener Fahrradhändler Markus Claaßen berichtet: „In unserem Geschäft enden die Preise höchstens auf 95 Cent. Und 5-Cent-Münzen hat doch wohl jeder im Portmonee.“ Die Abschaffung des Kleinstgeldes sei in Kempen „kein Thema“. Das sagt er auch aus Sicht des Werberings, dessen stellvertretender Vorsitzender er ist.

Uschi Lepski von der Thomas-Buchhandlung berichtet, dass der Buchhandel erst vor kurzem Preise eingeführt hat, die auf 99 Cent enden. Probleme gebe es damit nicht. „Das ist Gewöhnungssache.“

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