Experten geben Tipps, wie man sich als Autofahrer im Schadensfall zu verhalten hat.

Experten geben Tipps, wie man sich als Autofahrer im Schadensfall zu verhalten hat.
Gerade im ländlichen Raum sind Wildunfälle keine Seltenheit. Im Kreis Viersen gab es 2016 laut Polizei 260 solcher Unfälle. Symbol-

Gerade im ländlichen Raum sind Wildunfälle keine Seltenheit. Im Kreis Viersen gab es 2016 laut Polizei 260 solcher Unfälle. Symbol-

dpa

Gerade im ländlichen Raum sind Wildunfälle keine Seltenheit. Im Kreis Viersen gab es 2016 laut Polizei 260 solcher Unfälle. Symbol-

Kreis Viersen. Es geschah an einem Freitagabend – ganz unvermittelt. Von links lief das Reh plötzlich auf die Fahrbahn der Klixdorfer Straße in Kempen. Dem Grefrather Josef Laroc (Name geändert), der Richtung Mülhausen unterwegs war, war augenblicklich klar, dass ein Ausweichmanöver nichts bringen würde. Er hielt das Lenkrad fest und hoffte, dass alles gut gehen würde. Was nicht eintrat. Dennoch hatte der Mann Glück im Unglück: Das Tier lief seitlich in den Wagen und floh anschließend. Sachschaden und ein Riesenschreck – alles in allem ein glimpflicher Ablauf. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist ein solcher Unfall keine Seltenheit.

„Es ging sehr schnell, viel zu schnell, um eine bewusste Entscheidung zu treffen“, sagt Laroc. Er hielt an, wählte an seinem Handy den Notruf und informierte die Polizei. Die nahm den Unfall auf und alarmierte den zuständigen Jagdpächter. Der werde nachsehen, ob er eine Spur von dem Reh finde. Aufgenommen wird ein solcher Crash wie jeder „normale“ Unfall, nur dass der Unfallbogen ein anderer ist. Dem Autofahrer wird bescheinigt, dass ein Tier im Spiel war.

In der Regel übernimmt die Teilkasko den Schaden

Bei einem Wildschaden trägt die Teilkasko-Versicherung den Schaden. Aber: Es kommt durchaus auf den Versicherer an. „Es hängt davon ab, ob man gegen Haarwildschäden im Speziellen oder vielleicht allgemein gegen Tierschäden versichert ist“, sagt Ina Hofer-Baumeister, die in Willich eine Agentur der LVM-Versicherung betreibt.

„Die Premium-Versicherungen bieten mittlerweile einen Schutz gegen Unfälle mit Tieren aller Art“, erklärt sie. Wenn ein Crash geschehe und durch die Polizei aufgenommen werde, werde in der Regel problemlos reguliert. Anders könne das sein, wenn lediglich Haarwild versichert sei. „Was geschieht, wenn ein Fasan ins Auto fliegt?“, fragt die Fachfrau.

„Aufpassen muss man dort, wo Waldstücke und Büsche sind“.

Michael Okuhn, Direktion Verkehr bei der Kreispolizei Viersen

Ein noch drastischeres Beispiel: Einem Bauern läuft eine Kuh weg, die wiederum plötzlich auf der Straße steht und einen Unfall verursacht. „Der Landwirt kann erklären, das Tier sei entlaufen. Er ist dann nicht mehr verantwortlich“, so Hofer-Baumeister. Dann könne es tatsächlich sein, dass der Autofahrer auf den Kosten sitzen bleibt. Viel häufiger als dieses Beispiel allerdings sind Unfälle mit Hunden oder Katzen und ein Halter nicht aufzutreiben ist. Deshalb rät die Willicherin: Kunden sollten ihre Versicherung fragen, was denn genau abgedeckt werde.

In jedem Fall sei wichtig, dass auch der entsprechende Jäger benachrichtigt werde. „Das ist ja auch eine Frage des Tierschutzes“, sagt Hofer-Baumeister, die selbst Jägerin ist. Wenn beispielsweise ein Reh getroffen sei, müsse es nicht auch noch unnötig leiden. Eine Meldung kann über die Polizei erfolgen, vielleicht kenne man ja auch den Jäger persönlich, so die Fachfrau.

Wie verhält man sich, wenn unvermittelt ein Tier auf der Fahrbahn auftaucht? Versucht man auszuweichen? Das ist wohl keine gute Idee. „Sie könnten in den Gegenverkehr hineingeraten und das ist dann womöglich viel gefährlicher als ein Zusammenstoß“, sagt Michael Okuhn von der Direktion Verkehr bei der Kreispolizei. Bei großen Tieren wie Hirschen, Rehen oder auch Wildschweinen rät er: „Wenn möglich eine Vollbremsung machen.“ So reduziere man auf jeden Fall die Aufprallenergie. Der erfahrene Polizist kann die Situation natürlich gut nachvollziehen. „Das alles geht sehr schnell. Oft kann man nur das Lenkrad festhalten und bremsen.“

Gerade in der dunklen Jahreszeit komme es immer wieder zu Unfällen mit Wild. Aber auch zu anderen Zeiten sei das nie ausgeschlossen. „Aufpassen muss man dort, wo Waldstücke und Büsche sind“, erklärt Okuhn. Wenn denn nun ein Reh auf der Fahrbahn steht und man hat noch bremsen können: Wie bewegt man es, die Straße zu verlassen? „In jedem Fall abblenden, sonst können die Tiere sich nicht orientieren. Hupen hilft meistens auch, sie laufen dann weg.“

Wenn’s gekracht hat, rät der Experte: Ruhe bewahren und die Unfallstelle absichern. Mit der Polizei reden und möglichst schnell versuchen, die Stelle genau zu lokalisieren. Das helfe später dem zuständigen Jäger bei einer eventuellen Suche.

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