Zum Gedenken an Opfer der Weltkriege gibt es neue Mahnmale und ernste Worte.

volkstrauertag
In Kempen wurden am Volkstrauertagauch Kränze am Ehrenmal niederggelegt.

In Kempen wurden am Volkstrauertagauch Kränze am Ehrenmal niederggelegt.

In Grefrath wurden die neuen Tafeln gesegnet.

Bastian Königs/Frank Hohnen, Bild 1 von 2

In Kempen wurden am Volkstrauertagauch Kränze am Ehrenmal niederggelegt.

Kempen/Grefrath. 18 schwarze Granittafeln umfasst das neue Mahnmal vor der Kempener Burg. Dieser „zentrale, gemeinsame Ort der Trauer“, wie es Bürgermeister Volker Rübo im Rahmen einer Gedenkstunde in der Paterskirche nannte, wurde am  Volkstrauertag von Josef Reuter und Pfarrer Michael Gallach nach einer Kranzniederlegung geweiht.

Auf den großformatigen Platten stehen die Namen, Geburts- und Todesdaten der 660 im Zweiten Weltkrieg gefallenen Bürger der Stadt Kempen. Seit 2007 arbeitete die Kempener Bürger-Initative an der Errichtung der Gedenkstätte.

In der Feierstunde war ein multimedialer Vortrag zu sehen, den acht Zehntklässler der Erich Kästner Realschule gemeinsam mit ihrem bereits pensioniertem ehemaligen Geschichtslehrer Hans Kaiser erarbeitetet hatten. Der Titel: „660 Menschen, 660 verschiedene Leben“. Dabei beschäftigten sie sich mit den tragischen Geschichten hinter den bloßen Namen. Zum Vortrag gehörten ferner Bilder der zerstörten Kempener Altstadt und das bedrückende Geräusch ohrenbetäubender Sirenen.

Kempener Einzelschicksale, 2037 Buchstaben in Eifel-Granit

„Da ist der Soldat Hans Müllers, wohnhaft Ölstraße 15, erst 19 Jahre alt. Eine Kugel hatte sich in Russland in seine Lunge gebohrt. Fünf Monate hat er nur unter Schmerzen atmen können, bis er im Lazarett verstarb“, erzählt einer der Schüler. Seine Klassenkameraden antworten mit starken Stimmen: „Wir erinnern an ihn.“

Gegen das Vergessen wandte sich Herbert Küsters, Vorsitzender des Heimatvereins Grefrath, in seiner Gedenkrede auf dem Friedhof an der Schaphauser Straße. Dorthin waren zahlreiche Vertreter aus Politik, Vereinen und Institutionen gekommen, um anlässlich des Volkstrauertages der Opfer beider Weltkriege zu gedenken.

Vorgeschlagen wurde der Volkstrauertag 1919 als Gedenktag für die gefallenen Soldaten des ersten Weltkriegs, 1926 fand die erste Gedenkstunde im Reichstag statt. Im Nationalsozialismus wurde der ursprüngliche Trauertag in „Heldengedenktag“ umgenannt. Seit 1952 wird der Volkstrauertag zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen. Er erinnert an die Kriegstoten und Opfer aller Nationen.
 

Am Kaldenkirchener Trauermarsch vom Kirchplatz zum alten Friedhof beteiligten sich 300 Teilnehmer. Die Gedenkrede hielt Bürgermeister Christian Wagner. Gesungen wurden die Nationalhymne und „Ich hatt’ einen Kameraden“.

Grund für den Ortswechsel – üblicherweise findet die Veranstaltung auf dem Ehrenfriedhof in Mülhausen statt – waren Segnung und offizielle Übergabe der steinernen Gedenktafeln mit den Namen von 171 Grefrathern, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Küsters hatte sich für die Tafeln stark gemacht, nachdem Metall-Diebe die alten Bronzetafeln vor etwa zwei Jahren entwendet hatten.

Steinmetz-Meister Heinz-Willi Brinkhoff sandstrahlte 2037 Buchstaben in Eifeler Basalt und brachte die 40 Kilogramm schweren Platten an. „Wir dürfen nicht vergessen. Wenn wir dieser Aufforderung folgen, dann war es richtig, dass wir die Namen unserer Gefallenen in Stein gemeißelt haben, um sie dadurch vor dem Vergessen zu bewahren“, mahnte Küsters in seiner Rede.

Er dankte den Sponsoren, die das 11 000 Euro-Projekt ermöglichten. 171 Namen stehen auf 17 Basaltplatten, neun weitere Namen stehen auf einer weiteren Tafel. Die 19. Platte erinnert an Hermann Lenßen. Der Grefrather Polizist wurde 1923 bei der Erstürmung des Krefelder Rathauses von Separatisten erschossen.

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