Der Nebel vermieste den Freunden der Sonnenfinsternis am Freitag am Niederrhein das Vergnügen.

Kempen/Willich. Das war wohl der berühmte Satz mit „X“: Das trübe Wetter vermieste den Sonnenfinsternis-Fans Freitag am Niederrhein das Vergnügen. „Irgendwie ist jetzt dunkler. Oder doch nicht?“ Sätze und Fragen wie diese hörte man zwischen 9.30 und 11 Uhr an verschiedenen Orten.

Die WZ hat den Gesprächen der Menschen gelauscht. In der Kempener Altstadt war Freitagvormittag keine einzige „Sofi“-Brille zu sehen. Das Leben rund um die Propsteikirche verlief trotz des angekündigten Spektakels am Himmel wie an jedem anderen Wochentag. „Ich finde es ein bisschen dunkler, aber so richtig merkt man es nicht“, sagte Gisela Backes aus Lobberich, als sie gegen 10.30 Uhr das Sylter Eiscafé im Klosterhof verließ.

Aber sie hätte sowieso keine Spezialbrille mehr bekommen – und die von der Sonnenfinsternis 1999 sei nicht mehr auffindbar gewesen. Auch ihre Begleiterin Gabriele Bäumges zeigte sich angesichts des bedeckten Himmels enttäuscht: „Wir haben eigentlich mehr erwartet.“ Eine Passantin murmelt ein „Is’ ja nicht viel“ und eilt schnell weiter. „Jedes Gewitter sorgt für mehr Dunkelheit.“

Stephan Bunse, Optiker Hiltrud Fothen kommentierte die diesige Wetterlage auf der Judenstraße mit einem einzigen Wort: „Suppe“. Kurz zuvor habe sie sich die Sonnenfinsternis daher lieber im Internet angesehen. Einige Schritte weiter, vor dem Brillenhaus Bunse, guckt Chef Stephan Bunse leicht bedröppelt. „Jedes Gewitter sorgt für mehr Dunkelheit“, sagt er seufzend.

Er habe sich eigentlich darauf gefreut, mit 25 Leuten die Sonnenfinsternis zu beobachten, sagte er. Und nun stand er fast allein vor seinem Geschäft. Allerdings: Die „Sofi“-Brillen waren ausverkauft (die WZ berichtete). Enttäuschte Schüler am Lise-Meitner-Gymnasium „Für Sonnenschein können wir natürlich nicht garantieren“, hatte Astrid Kampmann, Leiterin des Anrather Lise-Meitner-Gymnasiums, im Vorfeld von Sofi gesagt.

Optiker Stephan Bunse erinnerte sich an die Sonnenfinsternis im Jahr 1999. Damals habe es ihn nicht im Geschäft, und nicht in Kempen gehalten. Er sei mehrere hundert Kilometer in Richtung Saarbrücken gefahren, um die totale Sonnenfinsternis bestens zu sehen. „Ich stand damals an einem Acker, auf dem ein Bauer mit seinem Traktor hin und her fuhr. Als es plötzlich dunkel wurde, machte der Mann das Licht am Trecker an. Und als es wieder heller wurde, machte er es wieder aus – völlig ungerührt“, sagte Bunse – immer noch amüsiert.

Ansonsten war für Freitagvormittag alles perfekt vorbereitet: Die Fachschaft Physik hatte auf dem Schulhof, vor der Mensa, optische Geräte aufgebaut. Hejo Hundelt, der Leiter der Sternennächte-AG, hatte ein professionelles Riesen-Teleskop dazugestellt. Und sogar noch zehn Schutzbrillen organisiert, damit die Schüler gefahrlos den Weg über den Hof zurücklegen konnten.

Kampmann: „Enttäuscht waren Schüler schon, dass man wegen des Nebels doch so wenig sehen konnte. Aber sie haben sich die Technik erklären lassen.“ Andere verfolgten im Informatikraum Sofi im Livestream. An der KGS Hubertusschule in Schiefbahn kamen alle vier Smartboards, die modernen interaktiven Tafeln mit Zugang zum Netz, zum Einsatz: „So konnten die Kinder die Sonnenfinsternis live im Internet verfolgen. Sie durften ja wegen der Gefahr von Augenverletzungen in den Pausen nicht auf den Schulhof“, sagte Konrektorin Angela Bönn-Griebler.

Durchgehend drinnen hielten sich Freitagvormittag auch die Schüler des Kempener Thomaeums auf. Als WZ-Fotograf Kurt Lübke zur ersten großen Pause des Gymnasiums sein Bild vom Schulhof machte, war weit und breit kein Schüler zu sehen. Sofi übrigens auch nicht.

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