Den „Tönisberger Südhang“ gibt’s in keinem Geschäft. Der gute Tropfen stammt aus einer Pergola am Feldweg. Im Herbst werden 60 Liter Wein gekeltert.

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Dieter und Angelika Schürhoff in ihrem Weinstock mit einer Flasche „Tönisberger Südhang“.

Dieter und Angelika Schürhoff in ihrem Weinstock mit einer Flasche „Tönisberger Südhang“.

Margret Vieregge

Dieter und Angelika Schürhoff in ihrem Weinstock mit einer Flasche „Tönisberger Südhang“.

Tönisberg. "Griechischer Wein ist so wie das Blut der Erde", singt Udo Jürgens. Der Weinstock von Angelika und Dieter Schürhoff ist zwar aus Griechenland, der edle Tropfen aber im Gegensatz zum besungenen Elixier nicht blutrot, sondern leuchtend rosé. Und im Geschmack ein "leichter fruchtiger Sommerwein, ein Wein zu allen Gelegenheiten", wie der Hobbywinzer vom Feldweg ihn beschreibt.

"Noch nie wurden diese Trauben gespritzt."

Dieter Schürhoff, Tönisberger Hobby-Winzer

Der Name "Tönisberger Südhang" für den Rebensaft ist etwas irreführend. Zwar wächst der Wein auf der Südseite des Gartens, aber nicht am Hang, sondern unter einer überdachten Pergola.

In fast 30 Jahren wurde aus dem nur einige Zentimeter großen Schößling, den seine Schwester Dieter Schürhoff einst aus Griechenland mitbrachte, ein kräftiger Weinstock mit neun geleiteten Trieben à vier Metern. Die Triebe tragen jedes Jahr aufs neue reiche Frucht.

Dicke blaue, zuckersüße Trauben, die auch gut zum Naschen geeignet sind, kann die Familie Schürhoff mit Nachbarn und Freunden bei einem kleinen Weinfest im Herbst ernten. Dabei werden jedes Mal 50 bis 60 Liter Wein gekeltert.

"Noch nie wurden diese Trauben gespritzt", sagt Hobby-Winzer Schürhoff, der seit 32 Jahren mit seiner Frau in der Kempener Altstadt am Studentenacker11 das Geschäft "Jeanson" führt. Mehltau, die Krankheit, die Weinbeeren gern in kühlen regenreichen Gegenden befällt, ist hier ein Fremdwort.

Seit 1998 zieht Hobby-Winzer Dieter Schürhoff seinen Wein auch auf Flaschen. Diese werden gern an Freunde und Bekannte verschenkt.

Für den Eigenbedarf steht ein 50-Liter-Ballon bereit. Eine Weinpresse, die sein Vater von der Mosel mitbrachte, dient der Weinherstellung, an der alle Familienmitglieder, Nachbarn und Freunde mit Traubenlese, Entstielen und Verkosten mitbeteiligt sind.

Nur die Amseln machen dem Winzer das Leben schwer. Doch Hilfe bringt hier ein lichtdurchlässiges Rollo, das einfach rund um die Pergola heruntergelassen wird. "Und schon sind die lästigen Traubenliebhaber ausgesperrt", so Schürhoff.

Maische, Gährung, Reifung, Tannin: Das sind alles Fachausdrücke, die dem Weinbauern locker von der Zunge gehen. So weiß der 53-Jährige auch, dass im Frühjahr der Wein geschnitten wird. Alle holzigen Triebe entfernt der gebürtige Hülser mit Kennerblick und ruhiger Hand. Von den vorhandenen Frucht-Ansätzen lässt er nur die kräftigsten stehen.

Wenn jetzt noch ein schöner Sommer kommt, steht einer guten Ernte im Herbst und einem süffigen Tropfen für das Jahr 2009 nichts mehr im Wege. Schürhoff: "Darauf freuen wir uns Jahr für Jahr."

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