streit Afrikaner-Figur an Tönisberger Kirchen-Krippe löst Diskussionen über den Begriff „Nick-Neger“ aus.

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Der „Nick-Neger“ an der Tönisberger Antonius-Krippe.

Der „Nick-Neger“ an der Tönisberger Antonius-Krippe.

Der „Nick-Neger“ an der Tönisberger Antonius-Krippe.

Tönisberg. Als am Montag die Krippe in der Pfarrkirche St.Antonius fein säuberlich für die kommende Weihnachtszeit eingepackt wurde, ist damit auch ein brenzliges Thema eingetütet worden, das die Kirchengemeinde weiterhin beschäftigen dürfte. Am Fuße der Krippe steht eine Figur, die Auslöser hitziger Diskussionen ist: ein so genannter "Nick-Neger".

Dabei handelt es sich um einen Afrikaner, der freundlich nickt, wenn ihm jemand eine Münze spendet. In den 60er-Jahren sind diese "Nick-Neger" an Krippen populär gewesen. Wegen der politisch nicht korrekten Bezeichnung "Neger"sind die Gemeinden nach und nach dazu übergegangen, die dunkelhäutigen Nicker zu entsorgen.

In Tönisberg beruft die Gemeinde sich auf die christlich-missionarische Tradition dieser "Nick-Neger" und tastet den Dankeschön-Apostel im Afro-Look nicht an.

Was Willi Funger (Foto) auf den Plan ruft. "Ich bin überzeugter und kritischer Katholik. Diese Art der Missionierung kann ich nicht mehr gutheißen", sagt der 73-Jährige.

Kritiker Funger hat die Krippe selbst mit aufgebaut

Funger, der 30Jahre bei der Bauaufsicht der Stadt Kempen gearbeitet hat, hat die Antonius-Krippe selbst mit gebaut und ist ein regelmäßiger Kirchgänger.

Idee Einst sammelte die Figur Geld für die benachteiligten Menschen in Afrika. Die Idee war, dass Spender an der Krippe dem Christkind etwas für die Bedürftigen schenken sollten.

Tradition In den 60er-Jahren standen "Nick-Neger" an fast jeder Krippe in den katholischen Kirchen.

Ideen-Wettbewerb Im Generalvikariat Osnabrück gibt es eine Bewegung, die die Idee forttragen will- allerdings ohne den "Nick-Neger". Zu einem Ideen-Wettbewerb haben Andrea Puke und Dieter Tewes vom Bereich Missionarische Dienste im Seelsorgeamt aufgerufen. Kontakt Tel. 0541/318203.

In seinem Anliegen, die Figur aus St.Antonius zu verbannen, um Missverständnisse und Befremden vorzubeugen, hat er sogar die oberen Kirchen-Instanzen angeschrieben. Sowohl beim Bischof in Münster als auch bei der Deutschen Bischofs-Konferenz in Bonn sieht man durchaus den ideologischen Zündstoff, den die Nick-Figur mit sich bringt. Allerdings mischt man sich nicht ein. "Es gibt Probleme in unserer Kirche, die einen ungleich höheren Rang für sich beanspruchen", hält der Münsteraner Domkapitular das Thema klein.

"Solche Figuren passen nach Überzeugung vieler Gläubigen nicht mehr zum modernen Missionsverständnis der Kirche", schreibt das Sekretariat der Bischofs-Konferenz wörtlich. Und hält sich aber raus: "Dies liegt in der Zuständigkeit des örtlichen Pfarrers und der Gremien in der Pfarrei."

Von dort wird Funger signalisiert: Lass die Finger von unserem "Nick-Neger". Der Pfarrer erntete Applaus während einer Messe, als er einen kritischen Leserbrief Fungers hochhielt und die Figur verteidigte. Laut Funger "ein Tribunal wie im Mittelalter".

Schwer getroffen hat den 73-Jährigen auch ein anonymes Schreiben, in dem einleitend steht: "Altes Brauchtum lassen wir Tönisberger uns von einem Hülser nicht kaputt machen." Funger dazu: "Wir leben jetzt seit 50Jahren in Tönisberg und meine Vorfahren stammen von hier."

"Ich hoffe, die Gemeinde reagiert", sagt Funger. Ansonsten sei das Thema für ihn erledigt. Zumindest bis zur nächsten Adventszeit...

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