Ein Erhalt des Unternehmens sei das Ziel, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter - und er sieht gute Chancen. Die Rettung von allen 640 Arbeitsplätzen ist aber noch nicht gesichert.

Ein Erhalt des Unternehmens sei das Ziel. Die Rettung von allen 640 Arbeitsplätzen erscheint aber ungewiss.
Die Zukunft von Taxi Janssen ist ungewiss.

Die Zukunft von Taxi Janssen ist ungewiss.

dpa

Die Zukunft von Taxi Janssen ist ungewiss.

Kempen/Kreis Viersen. Im kriselnden Taxiunternehmen Janssen haben Anwälte aus der Düsseldorfer Kanzlei Kleinschmidt & Partner das Zepter übernommen. Wie exklusiv von der WZ berichtet, befindet sich das Nettetaler Unternehmen mit Niederlassungen in beziehungsweise Geschäftsverbindungen nach Kempen, Grefrath, St. Tönis und Goch (Kreis Kleve) im vorläufigen Insolvenzverfahren. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Axel Kleinschmidt vom Krefelder Amtsgericht bestellt. 

Simon Beckschäfer und ein weiterer Kollege aus der Kanzlei sowie ein Unternehmensberater informierten die Mitarbeiter am Freitag bei einer Versammlung in Lobberich. „Wir belügen Sie nicht! Wir verarschen Sie nicht! Wir sagen Ihnen die Wahrheit“, fand Beckschäfer deutliche Worte – wohl auch im Rückblick auf die vergangenen Monate, in denen die Mitarbeiter kein Geld mehr bekommen haben. Und wohl auch vom langjährigen Inhaber Guido Janssen und von Mario Sandmann, der seit kurzem Geschäftsführer ist, nicht immer reinen Wein eingeschenkt bekommen haben. „Belogen worden sind Sie lange genug!“
 
Kurzfristig geht es dem Insolvenzverwalter nach eigenen Angaben darum, dass die Mitarbeiter schnellstmöglich ihren ausstehenden Lohn bekommen – zumindest zum Teil. Denn der Anwalt geht davon aus, dass das Insolvenzverfahren am 1. Dezember eröffnet wird. Von da an könnten rückwirkend drei Monate (September bis November) ausbezahlt werden. Die Löhne aus Juli und August, die ebenfalls nicht gezahlt worden sind, seien nicht über das Insolvenzverfahren abgesichert – und damit wohl vorerst futsch.
 
Der Anwalt stellte den rund 100 anwesenden Mitarbeitern in Aussicht, „Mitte nächster Woche“ die Löhne aus September und Oktober auszubezahlen. Das gelte aber nur für die Arbeitnehmer, die eine sogenannte Abtretungserklärung unterzeichnen. Nur wer die Abtretungserklärung unterschreibt, bekomme „schnell sein Geld“. Die Erklärung sei die Voraussetzung für einen Kredit bei einer Bank.
 
Der Zeitpunkt sämtlicher Auszahlungen sei aber davon abhängig, wie schnell sich die Insolvenzverwaltung einen Überblick verschaffen kann. „Haben Sie Verständnis. Wir sind erst seit gestern im Einsatz“, so der Anwalt am Freitag. „Hier gibt es noch nicht ’mal eine Personalbuchhaltung.“ Der Zustand im organisatorischen Bereich sei „desolat“. 
Ebenfalls kurzfristig geht es der Insolvenzverwaltung um den Weiterbetrieb der Firma. „Pleite ja, zu nein“, sagte der Anwalt auf die Frage zum Stand der Dinge. Er forderte die Fahrerinnen und Fahrer auf, ihre Arbeit fortzusetzen. „Sie arbeiten jetzt für sich selbst.“ Mit Blick auf die Tanks der Fahrzeuge sagte der Anwalt, dass zumindest bis zum gestrigen Freitag eine Vereinbarung mit den Mineralölunternehmen bestehe. Ob die Tankkarten der Fahrer auch nächste Woche noch angenommen werden, wisse er nicht. „Tanken Sie die Autos heute voll.“ 
 
Langfristig sieht das Kleinschmidt-Team gute Chancen, das Unternehmen zu retten. Es gebe gute Perspektiven für einen Erhalt. Ob dies für alle 640 Arbeitsplätze gelte, sei aber unklar.
 
Unklar sind weiterhin auch die genauen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Unternehmenszweigen. Janssen sitzt in Lobberich, eine Zweigestelle gibt es in Grefrath, Pastoratshof. Nicht übernommen hat Janssen das Kempener Unternehmen Taxi 1000, das dem neuen Janssen-Geschäftsführer Mario Sandmann gehört. Das sagte Anwalt Beckschäfer am Freitagabend im Gespräch mit der WZ: „Meiner derzeitigen Kenntnis nach ist Taxi 1000 nicht Gegenstand des vorläufigen Insolvenzverfahrens.“ Ebenfalls zur Lobbericher Firma gehört das Gocher Unternehmen Tünnißen, das Janssen im Frühjahr diesen Jahres nach einem Insolvenzverfahren übernommen hat. Außerdem ist Janssen nach Angaben der Insolvenzverwaltung auch in Viersen geschäftlich aktiv. 
 
Guido Janssen war am Freitag bei der Mitarbeiterversammlung nicht anwesend. Mario Sandmann repräsentierte die Geschäftsleitung. „Mit Herrn Janssen konnten wir bislang noch nicht sprechen“, so Simon Beckschäfer. 

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