Stübben ist bekannt für seine Sättel. Der Hauptsitz der Kempener ist in der Schweiz.

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Bei Stübben an der Heinrich-Horten-Straße können Reit-Fans verschiedene Sättel ausprobieren.

Bei Stübben an der Heinrich-Horten-Straße können Reit-Fans verschiedene Sättel ausprobieren.

Friedhelm Reimann

Bei Stübben an der Heinrich-Horten-Straße können Reit-Fans verschiedene Sättel ausprobieren.

Kempen. Von der Herstellung des Sattelbaums bis hin zur Endmontage – bei Stübben an der Heinrich-Horten-Straße 5 lässt sich der komplette Fertigungsablauf eines Reitsattels beobachten. Das taten zuletzt auch die Besucher beim „Tag des Handwerks“. Da zeitgleich in Berlin eine Ausstellung von 26 Manufakturen stattfand, waren Ralph und Frank Stübben vom Niederrhein an die Spree gefahren.

Ihre Sattlerei stellt Dressur-, Spring-, Vielseitigkeit- und Barocksättel her. „Sowie Sättel für den Polosport und für Gangpferde“, erklärt Mitarbeiterin Johanna Deutzkens. Außerdem produziert Stübben Zaumzeug, Lederzubehör und andere Reitsportartikel. So fände der Kunde für jede Reitrichtung das Richtige. Einzige Ausnahme: Westernsättel.

Jeder Mitarbeiter ist für einen bestimmten Schritt zuständig

Bis zu seiner Fertigstellung durchläuft der Sattel viele Stationen. „Der Kunde kommt mit seinen Wunschvorstellungen zu uns“, sagt Deutzkens. „Seine Bestellung kommt mit den speziellen Vorgaben auf eine Liste.“ Diese geht an die Werkstatt. Jeder Mitarbeiter sei für einen ganz bestimmten Produktionsschritt zuständig.

„Das Leder wird in die verschiedenen Formen, zum Beispiel das ,Sattelblatt’, gestampft.“ In den weiteren Arbeitsphasen werden die Kissen zugeschnitten, die „Strupfen“ angenäht und die „Bäume“, Grundgerüst der Sitzfläche, gegurtet, wie die Fachleute sagen. Der Zusammensteller prüft die einzelnen Teile noch einmal und fügt sie – wie sein Name verrät –, zusammen.

„Früher wurde alles von einer Person gemacht – das hat etwa 42 Stunden gedauert. Heute sind wir schneller und produzieren mehrere Sättel zeitgleich“, so Deutzkens. Trotzdem sei das Sattlerhandwerk immer noch Handarbeit. „Vor allem das Gurten des Baums und das Zusammenstellen fordert einiges an Körperkraft.“ Dennoch kann sie sich eine rein maschinelle Herstellung nicht vorstellen. „Jeder unserer Sättel ist ein Unikat, keine Naht sitzt wie die andere.“

Den „Baum“ hat sich das Unternehmen patentieren lassen

Besonders stolz ist man bei Stübben auf den „Baum“, den hat das Unternehmen sich sogar patentieren lassen. „Er besteht aus einem sehr stabilen Kunststoff und Stahlfedern. Das, und die elastische Begurtung sorgen dafür, dass sich der Sattel der Bewegung von Pferd und Reiter anpasst“, erklärt die Mitarbeiterin. Unter dem Gewicht des Reiters ziehe sich der Baum leicht zusammen, bei der Entlastung streckten sich wiederum die einliegenden Stahlfedern. So säße der Reiter bequem, die Rückenmuskulatur und der Widerrist des Pferdes würden geschont.

Der neue „Equisattel“ geht sogar noch etwas weiter. „Er ist zweigeteilt und bewegt sich noch mehr mit dem Pferd mit“. Mit der „Freedom-Trense“ und dem „Equi-Soft-Sattelgurt“ kommen weitere Innovationen auf den Markt. „Wir suchen immer einen Weg, unsere Produkte zu verbessern. Es sind kleine Schritte in einem traditionellen und manchmal konservativen Sport“, erklärt Deutzkens.

Seit 2011 gibt es eine gläserne Manufaktur in Kempen. Durch eine Scheibe im hinteren Teil des Verkaufsraums können die Kunden in die Werkstatt blicken. „Außerdem bieten wir regelmäßig Unternehmensführungen und Seminare an“, sagt Johanna Deutzkens. „Und natürlich können sich Kunden ihren individuellen Maß-Sattel durch die Auswahl jedes einzelnen Details vor Ort anfertigen lassen.“

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