Seit 45 Jahren stickt Berti Kühl für den Weihnachtsbasar der Grefrather Pfarrgemeinde. Nun soll aber Schluss sein.

Seit 45 Jahren stickt Berti Kühl für den Weihnachtsbasar der Grefrather Pfarrgemeinde. Nun soll aber Schluss sein.
Für Berti Kühl ist es das beste, selbst gemachte Bild: Maria mit dem Jesuskind. Fotos (2): Kurt Lübke

Für Berti Kühl ist es das beste, selbst gemachte Bild: Maria mit dem Jesuskind. Fotos (2): Kurt Lübke

Für Berti Kühl ist es das beste, selbst gemachte Bild: Maria mit dem Jesuskind. Fotos (2): Kurt Lübke

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Für Berti Kühl ist es das beste, selbst gemachte Bild: Maria mit dem Jesuskind. Fotos (2): Kurt Lübke

Grefrath. Ihr bestes, selbst gemachtes Bild stellt Maria mit dem Jesuskind dar. Berti Kühl ist sehr stolz, wie gut es ihr gelungen ist. Und stolz darauf, dass es, nachdem sie es bei Palm im Kempen hat rahmen lassen, beim Abholen im Schaufenster des Ladens stand. Doch die 83-Jährige arbeitet nicht mit dem Pinsel, sondern Nadeln sind ihr Handwerkszeug. Seit 1972 stickt sie für den Weihnachtsbasar von St. Laurentius.

Niederrheiner

Da hatte die Vorarbeiterin bei der Grevelours in Grefrath schon zu Hause einiges nach Feierabend gestickt. „Damals gab es noch drei Franziskanerinnen hier“, erinnert sich die Seniorin. Darunter war Schwester Gundelind, die zu einem Info-Abend eingeladen hatte, um einen Handarbeitskreis für die Kirchengemeinde St. Laurentius ins Leben zu rufen. Kühl: „Seitdem gibt’s den Kreis. Durch meine Berufstätigkeit habe ich aber immer zu Hause gestickt.“

Und gestrickt. Pullover für die Familie, zusammen mit ihrer Mutter. Irgendwann war die Familie mit Gestricktem gut versorgt und das Sticken kam dazu. Die Ordensschwestern haben den Stoff und das Garn besorgt, die Damen haben für die Muster gesorgt. Die fertigen Artikel wurden schließlich beim Basar der Gemeinde verkauft. „Wir hatten ganz tolle Basare im Jugendheim“, erinnert sich Berti Kühl. Dieser ist – bis heute – immer am ersten Adventssonntag zusammen mit der Kolpingsfamilie, die für die Verlosung zuständig war und ist. Viel sei damals verkauft worden. Es wurde sogar auf Bestellung gearbeitet. Das habe sich geändert: „Die Leute haben genug Decken.“ Früher, im Jugendheim, „ist es heimeliger gewesen und der Raum nicht so kühl wie heute im Cyriakushaus“.

Neben saisonunabhängigen Darstellungen, wie Blüten und grafischen Mustern, überwiegen natürlich weihnachtlichen Motive. Tannenzweige, Kerzen, auf einigen Decken sind sie schon vorgezeichnet. Dann muss die Handarbeiterin „nur“ der Linie folgen. Die Kunst liegt dabei in den gleichmäßigen Stichen. Berti Kühl stickt jedoch auch freihändig. „Ich habe beispielsweise eine Vorlage für eine Decke mit Schneemann-Motiv. Da zähle ich dann wie viele Schneemänner auf den Deckensaum passen, die Stiche werden dann ausgezählt.“ Eine Arbeit, die ein gutes Auge, feinmotorische Fertigkeit, aber auch Geduld und Disziplin erfordert. Großes Geschick verlangt auch die Hardanger-Technik. Die ist zwar nicht Berti Kühls Disziplin, aber sie besitzt Arbeiten von Mitstreiterinnen. Bei diese Technik werden die Löcher, die beispielsweise einen Stern (Foto) zieren, zuerst ausgeschnitten und dann fein umsäumt. Alles per Hand und so präzise ausgeführt, dass der Betrachter vermuten kann, eine Maschine sei im Einsatz gewesen.

Vom ursprünglichen Handarbeitskreis sind viele verstorben, bedauert Kühl. Aus einer Gruppe mit 15 Damen seien es jetzt nur noch etwa fünf, die jünger sind als die Seniorin. Nach 45 Jahren hat die Grefratherin nun beschlossen, aufzuhören. „Jetzt, mit über 80 Jahren, werde ich nur noch stricken“, sagt sie. Und auch das hat sie seit vielen Jahren für den guten Zweck getan. Sie fertigt Decken für die Leprahilfe in Schiefbahn.

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