Eine frühzeitige Übernahme vom Kreis Viersen ist vom Tisch. Kempen will erst Eigentümer des Denkmals werden, wenn das Archiv ausgezogen ist.

Eine frühzeitige Übernahme vom Kreis Viersen ist vom Tisch. Kempen will erst Eigentümer des Denkmals werden, wenn das Archiv ausgezogen ist.
Die Burg gilt als das bedeutendste Wahrzeichen Kempens.

Die Burg gilt als das bedeutendste Wahrzeichen Kempens.

Friedhelm Reimann

Die Burg gilt als das bedeutendste Wahrzeichen Kempens.

Kempen. Um die Jahreswende und in den ersten Wochen 2018 gab es in der Kempener Politik nur ein Thema: die Zukunft der Kempener Burg. Unterm Strich von emotionalen Gedankenspielen und Diskussion ein Ergebnis: Mit 28:14-Stimmen entschied der Rat, dass die Stadt Kempen die kurkölnische Festung vom Kreis Viersen übernehmen soll. Letzterer will das Denkmal bekanntlich mit dem Kreisarchiv in Richtung Dülken in einen Neubau verlassen. Geht es nach den bisherigen Planungen, soll dies etwa 2021 umgesetzt werden.

Seit der Kempener Entscheidung pro Burg ist es aber ruhig geworden um das Thema. Allerdings nur in der Öffentlichkeit, wie die Pressesprecher von Stadt und Kreis betonen. Die Verhandlungen zur Übernahme liefen stetig und intensiv, heißt es aus Rat- und Kreishaus.

Als Kaufpreis wurden 275 000 Euro kolportiert

Und diese Verhandlungen haben zumindest schon zu einem entscheidenden Ergebnis geführt. „Die Stadt Kempen will die Burg erst dann übernehmen, wenn das Kreisarchiv ausgezogen ist“, sagt Kempens Sprecher Christoph Dellmans auf Anfrage der WZ. Dies sei frühestens 2021 der Fall. Diesen Entschluss kann man durchaus als Kehrtwende bezeichnen. Bislang waren die Gespräche darauf hinaus gelaufen, dass die Stadt schnellstmöglich Eigentümer der Burg wird. Und dass der Kreis Viersen für die restliche Archiv-Zeit in Kempen eine Miete bezahlt, die mit dem Kaufpreis verrechnet werden könne. Diese ursprüngliche Idee bestätigt Kreis-Sprecher Markus Wöhrl. Nun arbeite man aber auf Wunsch der Stadt Kempen an der anderen Lösung, dass die Burg erst nach dem Archiv-Auszug verkauft wird.

Warum die Stadt Kempen nun eine spätere Übernahme wünscht, bleibt allerdings unbeantwortet. Auf Anfrage der WZ machte Stadtsprecher Dellmans zu den Gründen keine Angaben. Ebenso offen ist noch der Kaufpreis. Laut Dellmans ist die Summe weiterhin Bestandteil der Verhandlungen. Im Vorfeld der Entscheidung im Februar wurde seitens verschiedener Fraktionen im Stadtrat eine Summe von 275 000 Euro kolportiert.

Ärger hat es jedenfalls während der Gespräche zwischen Stadt und Kreis nicht gebeben. Beide Verwaltungen betonen, dass es gute Verhandlungen sind, die auch alsbald zum Abschluss gebracht werden sollen. „Wir gehen davon aus, dass es schon bald einen Notartermin geben wird“, sagt Dellmans für die Stadt Kempen.

Grundlegende Prüfung seitens der Stadt steht an

Wann auch immer Kempen das Denkmal sein Eigen nennen wird. Als neuer Eigentümer wird die Stadt zunächst eine intensive baurechtliche und bautechnische Prüfung durchführen. Eine entsprechende Bestandsaufnahme hatte die Kempener Politik von der Verwaltungsspitze eingefordert, um überhaupt zu wissen, in welchem Zustand die Burg ist. Was muss und darf saniert werden? In welchem Umfang darf umgebaut werden? Und vor allem: Wie viele Millionen Euro wird ein entsprechendes Projekt kosten? Diese und viele andere Fragen müssen noch geklärt werden, bevor neue Konzepte angegangen werden.

Im vergangenen Jahr hatte die Stadt Kempen ein Gutachten mit Blick auf mögliche Umbaupläne eingeholt. Zielvorgabe des Gutachtens war die Unterbringung der Kreisvolkshochschule (VHS) als Ankermieter. Ferner kann man sich in Kempen einen gastronomischen Betrieb sowie die Unterbringung des Standesamtes mit einem schmucken Trauzimmer vorstellen. Für diese Idee gab das Dortmunder Gutachterbüro Assmann eine Kostenschätzung von 10,7 Millionen Euro ab. Wegen einiger Unwägbarkeiten mit Blick auf den bautechnischen Zustand der Burg betonte Assmann aber mehrfach den Begriff „Schätzung“. Genaueres könne man erst beziffern, wenn eine leergezogene Burg einer umfassenden Prüfung unterzogen wurde.

Die hohe Sanierungssumme und die möglicherweise weiteren unkalkulierbaren Folgekosten waren der Grund für Bürgermeister Volker Rübo und die gesamte Verwaltungsspitze, sich gegen eine Burgübernahme zu stellen. Rübo und auch Teile seiner CDU-Parteifreunde favorisierten eher ein partnerschaftliches Engagement mit Stadt und Kreis in Sachen Burg. Das lehnte Landrat Andreas Coenen (CDU) ab. Sinngemäß hieß es aus dem Kreishaus, dass man sich über die Stadt als Eigentümer freuen würde. Wenn diese aber nicht will, finde sich auch ein privater Investor für die Burg.

Der Kempener Stadtrat sprach dann in einer denkwürdigen Sitzung am 6. Februar eine deutliche Sprache. SPD, Grüne, Freie Wähler Kempen, Die Linke und der größere Teil der CDU-Fraktion stimmten für die Burg-Übernahme. Zehn CDU-Ratsleute, die FDP sowie Bürgermeister Rübo stimmten dagegen.

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