Nach einem halben Jahr Arbeit liegt nun der Antrag beim Ministerium vor.

Nach einem halben Jahr Arbeit liegt nun der Antrag beim Ministerium vor.
Am 10. November ist es soweit: Dann ziehen wieder Kinder mit bunten St. Martins-Laternen durch Kempen.

Am 10. November ist es soweit: Dann ziehen wieder Kinder mit bunten St. Martins-Laternen durch Kempen.

Bernd Thissen/dpa

Am 10. November ist es soweit: Dann ziehen wieder Kinder mit bunten St. Martins-Laternen durch Kempen.

Kempen. Während an Schulen und Kindergärten fleißig Martinslaternen gebastelt werden, ist beim Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW ein besonderer Antrag im Postfach gelandet. Nach knapp sechs Monaten Vorbereitung haben der Kempener Jeyaratnam Caniceus und der Brüggener René Bongartz nun die Unterlagen eingereicht, damit die „Rheinische Martinstradition“ Immaterielles Kulturerbe werden kann. 15 Seiten umfasst das Bewerbungsformular zur Aufnahme in das „Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes“.

„Das, was ich November 2013 durch einen Facebook-Kommentar bei meinem Kollegen René Bongartz angestoßen habe, nahm seinen vorläufigen Höhepunkt“, so Caniceus. Inspiriert von den Diskussionen um ein Sonne-Mond-und-Sterne-Fest und mit den schönen Bildern von dem prächtigen Schulkinderzug in Kempen m Kopf hatte er die Idee zu der Initiative und fand in René Bongartz einen Mitstreiter.

Nun, da der Antrag eingereicht wurde, ist das landesweite mediale Interesse an der Initiative aus dem Kreis Viersen groß. Jeyaratnam Caniceus ist erleichtert, dass der Antrag nun raus ist. „Das war schon viel Arbeit“, schildert er. Jetzt heißt es warten. Eine Auswahl für die NRW-Landeskulturerbeliste wird im Frühjahr erwartet. Etwa ein Jahr später wird dann bekannt, welches NRW-Kulturerbe auch auf die bundesweite Liste kommt.

Mit Anerkennung das Brauchtum stärken

„Zwischen Rhein, Maas und Eifelvorland wird jedes Jahr in allen Orten an Martin von Tours und seine vorbildhafte Mantelteilung erinnert. Vor 150 Jahren entstand aus alten Bräuchen eine neue Tradition, Sankt Martin zu feiern“, heißt es in der Bewerbung. Trotz dieser langen Geschichte gab es bisher keine Vernetzung oder übergeordnete Organisation der Vereine.

Das hat sich im Zuge der Bewerbung geändert. Denn die Organisatoren haben versucht, möglichst viele Martins-Vereine zu versammeln und dabei mehrere hundert Vereine ausgemacht. Mitte September kam es zu einem Treffen von 73 Vereine in Brüggen-Bracht (die WZ berichtete). Zahlreiche Details über die Tradition wurden mit Hilfe eines Fragebogens zusammengetragen. Auf der Internetseite gab es dazu einen kurzen Fragebogen, den 120 Menschen für ihren Ort ausfüllten. Durch die Fragebogen konnten die Existenz von Sankt-Martins-Vereinen, die Gestalt von Martinsumzügen sowie bekanntes Liedgut für 145 Orte belegt werden.

In dem Fragebogen ging es auch um die Frage, welche Risiken die Aktiven der Vereine für den Fortbestand der Martinstradition in ihrem Ort sehen. Auf Platz eins kamen die steigenden Sicherheitsauflagen, die von den Martins-Vereinen nicht mehr erfüllt werden können. Auch sehen die Vereine, dass die Bereitschaft zum langfristigen Ehrenamt rückläufig ist und die Kenntnis des Brauchtums nicht in allen Haushalten vorhanden.

Mit einer möglichen Anerkennung der Rheinischen Martinstradition als immaterielles Kulturerbe ist die Hoffnung auf Wertschätzung verbunden. „Damit wäre auf unterschiedliche Art jedem der oben genannten Negativ-Einflüsse etwas entgegengesetzt.“ Einen Erfolg sieht Caniceus auf jeden Fall schon. Von einem Sonne-Mond-und-Sterne-Fest hat er in diesem Jahr noch niemanden reden gehört. Stattdessen ist St. Martin dank der Initiative in aller Munde.

Caniceus’ Engagement geht weiter. Er will im nächsten Jahr eine Wanderausstellung zum Martinsbrauchtum in die Thomasstadt holen, dazu die Ergebnisse der Befragung darstellen und auch weitere Martins-Objekte ausstellen. ulli

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