Seit etwa 50 Jahren wird im Klärwerk in Grefrath Abwasser gereinigt und wieder in die Niers geleitet.

Seit etwa 50 Jahren wird im Klärwerk in Grefrath Abwasser gereinigt und wieder in die Niers geleitet.
Typisch für Klärwerke sind diese Nachbereitungsbecken. Links im Bild ist die Bio-Anlage zu sehen.

Typisch für Klärwerke sind diese Nachbereitungsbecken. Links im Bild ist die Bio-Anlage zu sehen.

Dietmar Schitthelm (l), Margit Heinz und Erion Düring vor der so genannten Schnecke.

Kurt Lübke, Bild 1 von 2

Typisch für Klärwerke sind diese Nachbereitungsbecken. Links im Bild ist die Bio-Anlage zu sehen.

Grefrath. Diesmal hat sich in einem Türchen des WZ-Adventskalenders das Grefrather Klärwerk an der Straße Schwarzbruch versteckt. Seit etwa fünf Jahrzehnten kümmert sich diese Anlage des Niersverbandes um unsere Abwässer. Behandelt und reinigt sie, damit das gereinigte Wasser dann wieder in den Kreislauf fließen kann.

 

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Da es gerade nicht regnet, ist nur eine der fünf Schnecken in Betrieb, die das dort ankommende Abwasser aus den Einzugsgebieten Kempen, Mülhausen, Oedt, Grefrath und Tönisvorst etwa fünf Meter hoch in die verschiedenen Schlamm- und Reinigungsbecken führt. „Pro Tag kommen hier in der Regel rund 20 000 Kubikmeter Wasser an, bei Regenwetter können es aber schon einmal bis zu 70 000 Kubikmeter sein“, berichtet Erion Düring. Er ist der direkte Vorgesetzte von 19 Kollegen, die sich neben dem Klärwerk Grefrath um vier weitere, kleinere Klärwerke, um mehrere Regenbecken und um rund 25 Pumpstationen kümmern.

Fünf Millionen für neues Hebewerk und neuen Pumpensumpf

Wenn man auf die alte Anlage hinter dem modernen Betriebshof fährt, fallen erst einmal einige in die Jahre gekommenen Gebäude und Becken auf. Die Inhaltsstoffe der Abwässer haben im Laufe der Zeit die Bauten und Maschinen arg strapaziert und angegriffen. Bei einem Regenwasser-Pumpensumpf ist der Beton schon angefressen. Eine Menge Rost hat sich außerdem an der Schnecken-Hebeanlage gebildet, teilweise sind ganze Fassaden von den ätzenden und aggressiven Stoffen beschädigt. „Diese Anlage muss ganz neu gebaut werden“, sagt Vorstand, Dietmar Schitthelm, der mal eben vorbeischaut. In Kürze sollen die Ausschreibungen erfolgen, soll mit einem Kostenaufwand von bis zu fünf Millionen Euro in den Jahren 2018 und 2019 das Hebewerk und der Pumpensumpf erneuert werden.

Die beim Niersverband für die Öffentlichkeitsarbeit zuständige Margit Heinz erklärt die verschiedenen Reinigungsstufen. Das Abwasser wird erst durch einen großen Rechen von groben Inhaltsstoffen entfernt. Neben Toilettenpapier sind das oft Stoffe wie Feuchttücher und Wattestäbchen, die dort im Prinzip nichts verloren haben, aber immer wieder in die Toilette geworfen werden. Würden diese Materialien nicht entfernt, können sie andere Anlagenteile verstopfen oder beschädigen.

In einer zweiten Anlage werden in einem so genannten Sandfang Sand und ähnliche Partikel aussortiert, ehe das Abwasser durch die eigentlichen Reinigungsstufen fließt. Spezielle Bakterienmischungen und -schlämme sorgen in den verschiedenen Becken dafür, dass das Abwasser vom Kohlen- und Stickstoff und von Phosphaten befreit wird. „Die Reinigung gelingt uns beim Kohlenstoff zu über 98 Prozent, beim Stickstoff sind es 91, beim Phosphor etwa 96 Prozent“, erklärt Schitthelm.

Schon seit 2014 wird der übrig bleibende Klärschlamm nicht mehr an die Landwirtschaft weitergegeben, sondern ausnahmslos verbrannt, wird versichert. Nach weiteren Behandlungen, wie in speziellen „Schönungsteichen“, wird das gereinigte Wasser dann wieder der Niers zugeführt.

Die Leistungsfähigkeit des Klärwerks, das für etwa 140 000 Einwohner auslegt ist, soll mittelfristig gesteigert werden. Denn der Niersverband will sich von kleinen unwirtschaftlichen Anlagen trennen. Bald soll in Grefrath auch das Abwasser von Wachtendonk, Straelen und Herongen gereinigt werden.

Ab 2019 werden die Gebühren kräftig ansteigen

All dies kostet Geld, zumal die Rücklagen für Investitionen nahezu aufgebraucht sind. In diesem Jahr erhielt der Niersverband von den angeschlossenen Kommunen und Städten Beitragseinnahmen von rund 55 Millionen Euro. Dies reicht aber bei weitem nicht mehr, da in den vergangenen Jahren viel zu wenig investiert worden ist. Alleine in diesem Jahr lagen die Ausgaben bei 72 Millionen. Entsprechend sollen die Gebühren ab 2019 in einer noch nie dagewesenen Größenordnung ansteigen. Schitthelm: „Wir reden ab 2019 über Gebührensteigerungen von etwa 39 Prozent.“ Und um den Bestand zu sichern, kämen wahrscheinlich ab dem Jahr 2020 für die nächsten Jahre jeweils sieben Prozent dazu. Die Verbandsversammlung soll am 14. Dezember den nächsten Wirtschaftsplan beschließen und dann auch für einen Zeitraum von fünf Jahren die benötigten Mittel ausweisen.

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