An der Straße „Nachtigall“ wird das Regenwasser aus ganz St. Hubert gesammelt.

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Das Volumen des Regenrückhaltebeckens „Nachtigall“ ist auf 16 000 Kubikmeter verdoppelt worden.

Das Volumen des Regenrückhaltebeckens „Nachtigall“ ist auf 16 000 Kubikmeter verdoppelt worden.

Kurt Lübke

Das Volumen des Regenrückhaltebeckens „Nachtigall“ ist auf 16 000 Kubikmeter verdoppelt worden.

St. Hubert. „Sehen Sie, wir können auch Deiche“, sagt Bürgermeister Volker Rübo augenzwinkernd, während er am Donnerstag bei einem Pressetermin entlang des erweiterten Regenrückhaltebeckens in St. Hubert spaziert. Und Tiefbauamtsleiter Torsten Schröder setzt noch einen drauf: „Um das Gras zu stutzen, setzen wir hier sogar Schafe von einem örtlichen Züchter ein.“ Im Bereich Nachtigall/Erkesweg/Schauteshütte könnte man sich also glatt wie in Friesland fühlen, ist aber weiterhin am Niederrhein.

Mitten in dieser Idylle verfügt die Stadt Kempen seit 1985 über einen ihrer wichtigsten Standorte in der Abwassertechnologie. „Wir haben hier einen großen Sammler, ein Pumpwerk und eben dieses große Regenrückhaltebecken“, erklärt Schröder. Das Becken ist in den vergangenen zehn Monaten „kernsaniert und erweitert“ worden. Statt 8000 Kubikmeter kann es nun 16 000 Kubikmeter Regenwasser auffangen. „Das entspricht 16 Millionen Liter“, ergänzt der Leiter des Tiefbauamtes.

In diesem Becken wird der Regen von ganz St. Hubert gesammelt. Mit Ausnahme des Industriegebietes Speefeld. Dafür gebe es ein Extra-Becken an der Bellstraße. Die Verdopplung der Kapazität an der Schauteshütte sei nötig geworden, weil St. Hubert in den vergangenen Jahren größer geworden ist. „Seit 1985 hat sich die Einwohnerzahl erhöht“, so Schröder. Weiteres Wachstum im 8000-Einwohner-Stadtteil ist beim 1,1-Millionen-Euro-Projekt eingerechnet worden. „Das geplante Baugebiet an der Wackertapp-Mühle ist berücksichtigt“, sagt Volker Rübo. Dort sollen Ende 2016 Grundstücke für Häuslebauer vermarktet werden (die WZ berichtete).

In den Kendel dürfen 100 Liter Wasser pro Sekunde fließen

Bei einem Rundgang über das Gelände wird deutlich, wie viel moderne Technik notwendig ist, um das Regenwasser fachgerecht zu sammeln und letztlich über den Bach Kendel zurück in die Natur zu führen. „Vom Sammler aus geht es in die Pumpstation“, sagt Bauleiter Ulrich Warning. „In dieser Anlage haben wir drei Schneckenpumpen.“ Je nach Wasseraufkommen gehen die drei „Schnecken“ in Betrieb und befördern den Regen so ins Rückhaltebecken.

Aus dem „großen Regenspeicher“ fließt das Wasser dann aber nicht „einfach so“ in den Kendel. „Das wird genauestens reguliert“, so Schröder. Der Kendel dürfe nur 100 Liter pro Sekunde aufnehmen. Für die Regulierung sorgt eine neue „elektronische Drossel“. Dieser sei zudem eine ebenfalls neue Anlage zur Wasserbehandlung beigefügt. „In diesem Bereich werden zum Beispiel Schadstoffe herausgefiltert. Im Kendel landet letztlich absolut sauberes Wasser“, sagt Schröder. „Die Klärungsanlage entspricht jetzt den neuesten gesetzlichen Bestimmungen.“

Voll wird das 16-Millionen-Liter-Becken übrigens selten, wie die Verwaltungsmitarbeiter erklären. „Wenn wir drei bis vierTage Dauerregen haben, wird es gut gefüllt sein“, sagt Torsten Schröder. Und dauere es auch wieder „ein paar Tage“, bis der Regen in den Kendel geleitet worden ist.

Bei den viel zitierten „Starkregen–Ereignissen“, die seit einigen Jahren vermehrt auftreten, ist das Becken übrigens keine Hilfe. „In solchen Fällen sind die Kanäle überfordert – der Regen kommt also gar nicht am Becken an“, sagt der Amtsleiter. Um diesen Problemen Herr zu werden, brauchen Kommunen andere Becken zur Speicherung. Auch diese gibt es in Kempen – oder sie werden noch gebaut.

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