Das Gymnasium Thomaeum hat erste Erfahrungen mit einer Deutsch-Klasse für Flüchtlinge gesammelt.

kk/Deutschunterricht
Ursula Haepp (l.) und Saskia Burgemeister (r.) unterrichten die Kinder. Hinten sitzt die kommissarische Schulleiterin Monika Köhler. Foto: Kurt Lübke

Ursula Haepp (l.) und Saskia Burgemeister (r.) unterrichten die Kinder. Hinten sitzt die kommissarische Schulleiterin Monika Köhler. Foto: Kurt Lübke

Lübke, Kurt (kul)

Ursula Haepp (l.) und Saskia Burgemeister (r.) unterrichten die Kinder. Hinten sitzt die kommissarische Schulleiterin Monika Köhler. Foto: Kurt Lübke

Kempen. Wie heißt Pippi Langstrumpf auf Albanisch? Gibt es eigentlich auch in Syrien Karneval? Fragen wie diese stellt Saskia Burgemeister ihren Schülern. Es ist eine ganz besondere Klasse. Sie besteht aus sechs jungen Flüchtlingen – vor allem aus Syrien – sowie drei Migrantenkindern aus Slowenien, Polen und der Türkei. Die sieben Jungen und zwei Mädchen aus den Jahrgangsstufen 5, 6 und 8 lernen in einem Pavillon auf dem Schulhof des Kempener Thomaeums gemeinsam Deutsch.

„Für eine reine Flüchtlingsklasse wären es zu wenige Schüler.“

Saskia Burgemeister, Lehrerin

Für zwölf Wochenstunden werden Mohamed, Alban, Sahab und die anderen aus dem normalen Unterricht herausgeholt, um ihre sprachlichen Grundkenntnisse zu verbessern. „Für eine reine Flüchtlingsklasse wären es zu wenige Schüler“, erklärt Burgemeister, die regulär Kunst und Deutsch für Muttersprachler unterrichtet. Während auf ihrem normalen Lehrplan unter anderem Weltliteratur wie derzeit etwa „Nathan der Weise“ steht, muss im Pavillon teilweise erst die lateinische Schrift vermittelt werden, die in arabischen Ländern nicht alltäglich ist.

„Wir haben einen syrischen Jungen, der in Mathe und Englisch Einsen und Zweien bekommt.“

Saskia Burgemeister, Lehrerin

„Es gibt sehr große Unterschiede zwischen den einzelnen Kindern, was mit ihren Fähigkeiten, aber auch ihrer schulischen Vorbildung zu tun hat“, sagt die Lehrerin. „Einige beherrschen Englisch und kennen daher unser Alphabet. Für andere wiederum ist es völlig neu.“ Zudem seien manche Kinder eine längere Zeit nicht zur Schule gegangen. „Dennoch haben wir einen syrischen Jungen, der in Mathe und Englisch Einsen und Zweien bekommt.“

Unterschiedliche Voraussetzungen seien die Herausforderungen

Diesen unterschiedlichen Lernvoraussetzungen gerecht zu werden, sei „die größte Herausforderung“ für das Lehrerteam. Neben der hauptamtlichen Kraft kümmern sich die zwei pensionierten Grundschullehrerinnen Erika Lersch und Ursula Haepp sowie der frühere Berufsschullehrer Werner Stammsen um Rechtschreibung, Wortschatz und Aussprache. Die Vermittlung erfolgte über die Freiwilligen-Agentur. Die Verständigung der Jungen und Mädchen untereinander und mit den Erwachsenen klappt schon ganz gut. So können sich die Kinder bereits grob in der Sprache vorstellen, die ihnen vor wenigen Monaten noch völlig fremd war. Der elfjährige Maj erzählt, dass er aus Slowenien kommt und Basketball und Fußball liebt. Sahab war in der vergangenen Woche mit ihrer Musikgruppe in Xanten. Die Elfjährige erklärt, dass sie noch drei Brüder hat, darunter Omar, der mit ihr die Deutsch-Klasse besucht. „Ich liebe Deutschland“, sagt das Kind.

Gute Laune bei einem Fehler der Lehrerin

Kübra kommt aus Istanbul, die 14-Jährige liebt das Radfahren. Als Saskia Burgemeister den Vornamen der jungen Türkin an die Tafel geschrieben hat, fängt die ganze Klasse an zu schreien: „Frau Burgemeister, Sie haben die Pünktchen über dem U vergessen.“

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