Die Galerie von Reinhold Heik an der Kuhstraße ist zum Treffpunkt geworden.

Die Galerie von Reinhold Heik an der Kuhstraße ist zum Treffpunkt geworden.
Der Künstler Reinhold Heik in seinem Atelier an der Kuhstraße in Kempen.

Der Künstler Reinhold Heik in seinem Atelier an der Kuhstraße in Kempen.

Kurt Lübke

Der Künstler Reinhold Heik in seinem Atelier an der Kuhstraße in Kempen.

Kempen. Wenn man vor seinen Skulpturen steht, kribbelt es einem in den Fingern. Man möchte über die glatten, geschwungenen Marmorflächen streichen. Dagegen hat Reinhold Heik auch nichts, denn in dieser Weise belastbar sind seine Skulpturen allemal. „Man darf die Steine befühlen und buchstäblich begreifen,“ sagt der Bildhauer und Maler. Zum anderen freut er sich, wenn Passanten auf der Kuhstraße sich spontan entschließen, die Schwelle seiner Galerie zu übertreten. „Dabei rede ich doch gerne und mir ist die Kommunikation immer wichtig.“ So ist im Laufe der 14 Jahre, in denen er in diesen Räumlichkeiten an der Kuhstraße 27 arbeitet und ausstellt, seine Galerie zu einem Treffpunkt geworden.

„Dieser Laden ist für mich aber auch ein Gesamtkunstwerk – manchmal ein Schutz- und Ruheraum, aber auch ein Ort, wo was passiert.“ Einen intensiven Kontakt zur Außenwelt hat er auch schon in seiner ersten, gerade einmal 8,2 Quadratmeter großen Galerie an der Kuhstraße 1 genossen: „Der Standort war gut, denn nebenan war ein Schlüsseldienst und viele Leute kamen mal kurz bei mir rein.“

„Seit 50 Jahren mache ich autodidaktisch Kunst“

Aus dieser Zeit stammt auch die kreative Bezeichnung seiner Galerien mit einem „Q“ – für Kuh. Auf das selbstgeschaffene Qualitätssiegel Q 1 seines „Qualitätsladens“ folgte dann logischerweise an der Kuhstraße 27 das Q 27. In dem winzigen Raum Q 1 präsentierte er sich damals passend kleinformatig als Grafiker.

„Seit 50 Jahren mache ich autodidaktisch Kunst.“ 1996 begann der gelernte Gas- und Wasserinstallateur, Bau- und Möbelschreiner, Erzieher sowie Absolvent einer Theaterausbildung im Krefelder Kresch-Theater auch noch mit der Bildhauerei. Diese Arbeiten finden in einer Werkstatt in Klixdorf statt. Q 27 wird dann zum Ausstellungsort seiner meist abstrakten Steinskulpturen. „Ich spiele gerne mit Licht und Schatten bei den Steinen,“ erklärt er, und das wird bei ihrer Präsentation auch sofort deutlich. Die Strahler der Galeriebeleuchtung modellieren das Relief der Marmorskulpturen noch ein zweites Mal, heben vorstehende Bereiche noch stärker und heller hervor, lassen Vertiefungen durch den Schatten noch tiefer erscheinen.

Das edle Material seiner Bildhauerei stammt ursprünglich aus Steinbrüchen Italiens und Griechenlands und erinnert mit seinen makellosen Oberflächen und einer perfekten Bearbeitung an Skulpturen, wie sie man von antiken Statuen kennt. Bei den Arbeiten von Heik hat das wertvolle Gestein noch eine Zeit der Zwischennutzung und eine erste Phase bildhauerischer Bearbeitung hinter sich. Der Marmor diente bereits für Grabsteine. Heik gibt den ausgemusterten Grabsteinen neues Leben, eine Zukunft als Kunstwerk, ohne amtlich verordnetes Verfallsdatum. Den äußeren Formen seiner Skulpturen sieht man ihre Herkunft vom Friedhof nicht an; mit viel Eleganz schwingen die Konturen, und die perfekt glatten Flächen lassen die Strukturen des Marmors deutlich werden. Ein gewissenhaftes Arbeiten mit den Materialien ist für Heik Grundlage seines Schaffens. „Die Trends sind egal, mir ist die Qualität wichtig, da kommt eben der Handwerker durch“, gesteht er schmunzelnd.

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