Mitarbeiter der Taxi-Firma, die in Nettetal, Kempen und Grefrath aktiv ist, haben seit Monaten kein Geld bekommen. Insgesamt soll es um 600.000 Euro gehen. Beim Krefelder Amtsgericht liegen zwei Anträge zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vor.

Mitarbeiter der Firma, die in Nettetal, Kempen und Grefrath aktiv ist, haben seit Monaten kein Geld bekommen. Beim Krefelder Amtsgericht liegen zwei Anträge zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens vor.
Die Zukunft des Unternehmens Taxi Janssen scheint ungewiss. Symbol-

Die Zukunft des Unternehmens Taxi Janssen scheint ungewiss. Symbol-

dpa

Die Zukunft des Unternehmens Taxi Janssen scheint ungewiss. Symbol-

Kempen/Kreis Viersen. 4711 – diese einprägsame Telefonnummer werden Taxikunden im Kreis Viersen wohl öfter wählen. Die Kontaktnummer wird dem Nettetaler Unternehmen Taxi Janssen zugeordnet. Die Firma ist nach eigenen Angaben neben Nettetal vor allem auch in Grefrath und Kempen im Einsatz. Zudem gibt es geschäftliche Verbindungen nach Tönisvorst und in den weiter entfernten Kreis Kleve. Kurzum: Janssen ist in der Taxibranche in der Region eine Nummer – nicht nur wegen der „4711“.

Ein vorläufiger Insolvenzverwalter ist inzwischen bestellt worden

Trotz der Größe steckt das Unternehmen offenbar in der Krise. Das Amtsgericht Krefeld bestätigte der WZ, dass zwei Anträge auf ein Insolvenzverfahren vorliegen. Einer vonseiten eines Gläubigers, der andere von der Geschäftsführung des Unternehmens. „Es wurde bereits ein vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt“, so ein Sprecher des Gerichts.

Juristisch gibt es bislang noch nicht viel mehr zu dem Fall zu sagen. Die Prüfung des Verfahrens befindet sich nach Angaben des Gerichts erst in der Anfangsphase. Der Gläubigerantrag auf Insolvenz sei am 24. Oktober gestellt worden. Der Antrag der Geschäftsführung sei kurz darauf gefolgt.

Viel mehr zu sagen gibt es indes vonseiten einiger Angestellter. „Mir ist schon seit Juli kein Lohn mehr bezahlt worden“, sagt einer der Fahrer (Name der Redaktion bekannt), die sich verzweifelt an die WZ gewandt haben. Zwischenzeitlich sei eine einmalige Zahlung in Höhe von 600 Euro erfolgt. Das reiche aber bei weitem nicht aus, um den Fehlbetrag zu decken, berichtet der Angestellte.

Es gehe um abzurechnende Fahrten in Höhe von 600.000 Euro

Insgesamt liege das „Volumen der noch abzurechnenden Fahrten“ bei 600.000 Euro. Diese Zahl hat der Betriebsrat vom Verantwortlichen Guido Janssen in Erfahrung gebracht und per Mitarbeiterinformation am 22. September an die Angestellten weitergegeben.

Wer aktuell die Geschicke des Unternehmens leitet, erscheint undurchsichtig. Über Jahre gehörte das Geschäft Guido Janssen, auf der Homepage ist seine Frau Manuela immer noch als Geschäftsführerin aufgeführt. Ein Handelsregisterauszug vom 24. August bestätigt allerdings, dass Manuela Janssen nicht mehr die Geschäfte führt. Dies tut seitdem Mario Sandmann aus Kempen. Dieser wiederum ist seit einigen Jahren Inhaber von Taxi 1000 – ein Unternehmen, das Niederlassungen in Kempen und Grefrath hat beziehungsweise hatte. Janssen-Mitarbeiter berichten, dass Taxi 1000 bereits im Janssen-Betrieb aufgegangen sei. Und damit wohl auch das St. Töniser Traditionsunternehmen Taxi Kracht, das wiederum Sandmann vor einigen Jahren übernommen hat.

Verantwortliche waren bislang nicht zu erreichen

Von den Verantwortlichen selbst gibt es bislang keine Stellungnahme zu den Vorgängen. In den Zentralen in Nettetal-Lobberich und Oedt war niemand aus der Geschäftsführung zu erreichen. Eine Rückrufbitte der WZ wurde bis Donnerstagabend nicht erfüllt. Mario Sandmann war über seine Mobilnummer ebenfalls nicht zu erreichen.

In einem Gespräch mit dem Betriebsrat im September hat Guido Janssen die Schwierigkeiten bestätigt. Das berichtet der Betriebsrat in seiner Mitarbeiterinformation. Demnach habe es einen „Rettungsanker“ gegeben: eine geplante Fusion mit einer Firma mit dem Namen „MBM“ aus Kroatien. Diese sei aber kurzfristig „aus rechtlichen Gründen“ nicht zu realisieren. Gespräche mit weiteren potenziellen Investoren sollen geführt werden.

Die Mitarbeiter, die mit der WZ in Kontakt stehen, glauben diesen Ankündigungen nicht. Sie fühlen sich seit Monaten „an der Nase herumgeführt“. Vielmehr vermuten sie Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungsmodalitäten. „Für Details ist es aber zu früh. Wir stehen im Kontakt mit Ermittlungsbehörden“, so ein Mitarbeiter. Anzeigen liegen bislang noch nicht vor. Das bestätigten für den Fall potenziell zuständige Ermittlungsbehörden in NRW auf Anfrage der WZ.

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