Die Stadt Kempen und der Kreis Viersen gedachten der Opfer.

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Bürgermeister Volker Rübo erinnerte vor der Gedenkstele am Buttermarkt an die Opfer des Holocaust.

Bürgermeister Volker Rübo erinnerte vor der Gedenkstele am Buttermarkt an die Opfer des Holocaust.

Kurt Lübke

Bürgermeister Volker Rübo erinnerte vor der Gedenkstele am Buttermarkt an die Opfer des Holocaust.

Kempen. Die Stadt Kempen, und der Kreis Viersen gedachten am Donnerstagabend der Opfer des Holocaust. Bevor die offizielle Gedenkfeier von Volkshochschule (VHS) und Katholischem Forum im Rokokosaal begann, versammelten sich rund 70 Bürger vor dem Mahnmal am Rathaus.

Bürgermeister Volker Rübo warnte eindringlich vor der immer wieder aufkommenden Gefahr rechter Fanatiker: „Wir dürfen nicht wegsehen.“ Daran erinnerte auch Klaus-Peter Hufer von der VHS später im Rokokosaal. Allein im vergangenen Jahrzehnt seien 147 Menschen Opfer rechtsextremer Gewalt geworden.

Eigentlich hätte Isaak Behar, Autor und Überlebender des Holocaust, im Rokokosaal selbst aus seiner Autobiographie „Versprich mir, dass Du am leben bleibst“ lesen wollen. Dies konnte er aber aus gesundheitlichen Gründen nicht tun. Die Schüler Jennifer Hoffmanns und Roman Schellenberg übernahmen es daher, Passagen aus dem Buch zu lesen.

Eine gute Einführung war eine filmische Dokumentation von Behars Leben. Ganz still wurde es, als Behar im Film am Gleis, wo seine Familie ins Konzentrationslager abtransportiert wurde, das traditionelle Trauergebet der Juden, das Kaddish, sprach.

Im Film war zu sehen, dass seine Eltern und beide Schwestern nach Riga deportiert wurden – dorthin, wo auch viele Kempener Juden gebracht wurden.

Die Klasse 10 der Realschule Kaldenkirchen gestaltete den Nettetaler Gedenktag: „Schaut nicht weg! Es waren Kinder!“ Mehr als 100 Menschen waren in der Alten Kirche in Lobberich.

Gezeigt wurde die Montage „Jüdische Kinder 1930 bis 1945“ mit Kindern beispielsweise aus Kaldenkirchen, die umgekommen sind. Dazu gab es Texte der Schüler. Jaqueline: „Kinder, die um Hilfe schreien, weil sie alles verloren haben. Familien, die auseinander gerissen wurden. Hilflose, schreiende Kinder. Tränen. Mütter, die ihre Kinder ein letztes Mal in den Arm nehmen und ihnen sagen, wie sehr sie sie lieben. Kann man das ignorieren? Wie konnten die Nazis so herzlos sein? Es ist nicht zu verstehen!“

Behar arbeitet seit vielen Jahren dafür, dass die Erinnerung an den Holocaust wach bleibt. Er weiß, dass die Zeitzeugen weniger werden und auch das Bewusstsein für die Zeit des Nationalsozialismus. Landrat Peter Ottmann mahnte, dass „sozialer Mut“ heute noch nötig ist.

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