Geschichte: Ralf Schmeink und Hermann-Josef Müller haben 480 Totenzettel und Anzeigen von Opfern des Zweiten Weltkriegs gesammelt.

wza_124x200_200558.jpeg
Ralf Schmeink (l.) und Hermann-Josef Müller haben vor drei Jahren mit den Recherchen für ihr Buch angefangen.

Ralf Schmeink (l.) und Hermann-Josef Müller haben vor drei Jahren mit den Recherchen für ihr Buch angefangen.

Kurt Lübke

Ralf Schmeink (l.) und Hermann-Josef Müller haben vor drei Jahren mit den Recherchen für ihr Buch angefangen.

Lobberich. Arthur Zanders wurde 1941 wegen seines jüdischen Glaubens deportiert und starb im Konzentrationslager in Riga. Willy Janßen jr. starb am 8. November 1943 im Alter von 19,5 Jahren den "Heldentod" an der Ostfront.
 
Sehr verschieden sind die vielen Opfer des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs, die Lobberich zu beklagen hatte.

Die Autoren wollen die Erinnerungen wachhalten

Um die Erinnerung aufrecht zu erhalten, haben Hermann-Josef Müller und Ralf Schmeink rund 480 Opfer in einem Buch zusammengefasst. "Über dem jungen Glück lag der Krieg wie ein dunkles Verhängnis", heißt die Sammlung, die zu einem großen Teil aus Totenzetteln besteht.

"Den Grundstock für die Sammlung fand ich im Nachlass meiner Mutter. Sie hat die Totenzettel aus der Kirche gesammelt", erzählt Hermann-Josef Müller.
 
Auch seine eigenen Erfahrungen aus der Kriegszeit haben den heute 75-Jährigen veranlasst, sich damit zu beschäftigen. "Ich habe den Bombenkrieg miterlebt. Tagelang haben wir im Keller gesessen." Sein Vater Hermann Müller fiel im Kessel von Stalingrad.
 
Von der Idee bis zur Fertigstellung der Sammlung war es ein mühsamer Weg. "Das war viel Kleinarbeit. Aber dadurch ergaben sich auch interessante Begegnungen", erinnert sich Müller an den Beginn der Recherche im Jahr 2004. Durch Mund-Propaganda verbreitete sich seine Idee.
 
Zu den Totenzetteln sammelten die Heimatforscher auch Anzeigen aus Vereinszeitschriften und von Gedenktafeln. Für einen Soldaten gestalteten sie aus einem Bild und den vorhandenen Informationen selbst eine Gedenkanzeige.

Als es um die digitale Bearbeitung ging, kam Ralf Schmeink hinzu. Der 40-jährige Lehrer weiß, wie wichtig es ist, die Erinnerung an die Kriegsgeschehnisse wach zu halten: "Ich sehe bei meinen Schülern heute, dass ihnen das Thema nichts mehr sagt. Das ist einfach zu weit weg."

Die Hobby-Historiker arbeiten schon an der zweiten Auflage

Die Sammlung bringt die Opfer wieder ein Stück näher. Denn sie wohnten gleich nebenan. Die Totenzettel erzählen Lebensgeschichten. Von dem Vater, der seine kleine Tochter nicht mehr kennen lernen konnte, von dem 15-jährigen Postbeamten, der im Dienst von einem "feindlichen Flieger schwer verwundet" wurde, von dem 21-jährigen Gefreiten der Waffen-SS: "Schon in frühester Jugend begeistert er sich für die Idee unseres Führers."

Die Geschichten gehen unter die Haut und erzählen oft zwischen den Zeilen von den Leiden des Kriegs. "Das Letzte, was wir wollten, war ein Heldenbuch zu schaffen oder den Soldatentod zu glorifizieren", erklärt Ralf Schmeink.

Die beiden Hobby-Historiker arbeiten schon an der zweiten Auflage ihres Werks. "Wir erwarten, dass jetzt viele Änderungsvorschläge kommen", so Schmeink. "Und noch weitere hinzukommen. Das können ja noch nicht alle sein", fügt Hermann-Josef Müller hinzu.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer