Dem Verkauf ihres Grundstücks stimmt die Stiftung nicht zu. Denn sie wartet seit einem Jahr auf Antworten der Stadtverwaltung.

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Dieses Gelände mit Kindergarten und ehemaligem Wohnhaus der Familie Bongartz im Bereich Hochstraße und von-Bocholtz-Straße hätte die Stadt Nettetal gerne für ihre Kaufland-Pläne.

Dieses Gelände mit Kindergarten und ehemaligem Wohnhaus der Familie Bongartz im Bereich Hochstraße und von-Bocholtz-Straße hätte die Stadt Nettetal gerne für ihre Kaufland-Pläne.

Frank Hohnen

Dieses Gelände mit Kindergarten und ehemaligem Wohnhaus der Familie Bongartz im Bereich Hochstraße und von-Bocholtz-Straße hätte die Stadt Nettetal gerne für ihre Kaufland-Pläne.

Lobberich. Die Zukunft von Bongartz-Kindergarten und Kleiderkammer der Pfarr-Caritas bewegt die Menschen. Und besonders die Mitglieder des Verwaltungsrates der Bongartzstiftung. So war bei der jüngsten Sitzung alles anders als sonst: Aus der sonst meist 15 Minuten kurzen Sitzung wurden gut zwei Stunden. Und statt der sonst üblichen fünf regulären Mitgliedern wie Bauer Josef Gartz (Vertreter Sektion Sassenfeld), Ursula Ploenes (Vertreter Lobbericher Pfarrer) und Christoph Cremers (Kirchenvorstand) waren auch deren Vertreter Martin Tobrock, Clemens Rütten und Hartmut Ploenes sowie die vier beratenden Mitglieder (für die Evangelische Kirche Rudolf Gogolin; Paula Erkens, SPD; Guido Gahlings, Grüne; Heinz Lehmann, FDP) erschienen.

Was soll aus der Kleiderkammer der Pfarrcaritas werden?

Im nichtöffentlichen Teil sollte der Verwaltungsrat der Stiftung den städtischen Planungsauftrag für den Neubau eines Vier-Gruppen-Kindergartens erteilen und dem Verkauf der stiftungseigenen Grundstücke Hochstraße 29 und von-Bocholtz-Straße5 zustimmen. Doch darüber hatte von der Stadt vorher keiner mit den Stiftungsmitgliedern gesprochen.

Auch die kurzfristige Einladung mit fertigen Beschlussvorlagen verärgerte den Verwaltungsrat. Die Bongartzstiftung dürfe nicht als Instrument der Stadtentwicklung missbraucht werden, so der Tenor der Mitglieder. Es sei zwar in Lobberich ein offenes Geheimnis, dass Stiftungs-Grundstücke für die Kaufland-Pläne gebraucht werden, aber mit den Betroffenen sei bisher nicht gesprochen worden.

"Dabei bringt der Kindergarten mit 50 Plätzen auch Leben in die Stadtmitte", betonte Ursula Ploenes, die Vorsitzende der Pfarrcaritas. Zudem werde die Kleiderkammer wöchentlich von bis zu 100 Bedürftigen besucht und von 20ehrenamtlichen Helfern betrieben.

Der Verwaltungsrat hatte schon vor einem Jahr Fragen gestellt: Welche Planungsperspektive gibt es für die Kleiderkammer? Welchen Zeitplan hat die Verwaltung? Welchen Ersatzstandort? Doch darauf gab es auch am Mittwoch keine Antworten. Bürgermeister Christian Wagner entschuldigte dies mit dem Hinweis auf mehrere Dezernenten-Wechsel.

1893: Johann Heinrich Bongartz (1810-1896) bestimmt seine ledige Schwester Maria Agnes Bongartz (1826-1906) zur Alleinerbin. 1896: Maria Agnes Bongartz vermacht ihr gesamtes Vermögen der Gemeinde Lobberich, mit der ausdrücklichen Bestimmung, dass eine wohltätige Stiftung eingerichtet wird. Im Haus Hochstraße 29, dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Bongartz, soll ein Waisen- und Erziehungshaus für katholische Mädchen eingerichtet werden. 1909: Das Waisenhaus nimmt seinen Betrieb auf. 1934: Die Stiftung wird von den Nazis einkassiert. Das Haus wird für die Hitlerjugend beschlagnahmt. Ab 1939 ist dort der weibliche Reichsarbeitsdienst untergebracht. 1945: Im November wird im Gebäude Hochstraße 29 eine Nähschule eingerichtet. Betreut wird sie von den Dreikönigschwestern, die in der katholischen Pfarrgemeinde St.Sebastian schon als Caritasschwestern dienten

1951/52: Der Stiftungszweck geändert, das Waisenhaus auf Vorschlag des Kreises zum Säuglingsheim. DRK-Schwestern übernehmen die Betreuung von 45 Kindern. 1957: Erhebliche Teile des Stiftsgartens und des Bongartzplatzes werden zum Bau der ersten Lobbericher Laden-Pavillons, des Stöppkens, der Sparkasse, des Kinos und der Post verkauft. 1961/62: Die hinteren Gebäude des alten Hofgebäudes werden abgerissen. Der Erlös aus dem Verkauf des Grundstücks, rund 430000 D-Mark, wird in Neubauten investiert. 1969: Die Bongartzstiftung wird in ein Säuglings- und Kinderheim umgewandelt, weil nicht mehr genügend Waisen zugewiesen werden. Diese werden stattdessen verstärkt in Pflegefamilien untergebracht. 1975: Am 1.April eröffnet der Kindergarten Bongartzstift. 1992: Am 4.November zieht die Kleiderkammer der Pfarr-Caritas ins Gebäude Bongartzstiftung an der von-Bocholtz-Straße5. 20 Ehrenamtliche leisten pro Jahr mehr als 6000 Stunden. Betreut werden wöchentlich 60 bis 100 Hilfsbedürftige. 2000: Ab 15.April sind der psycho-sozialen Dienst und die Schuldnerberatung der Arbeiterwohlfahrt an der Hochstraße 29 zu erreichen.

Da es sich bei den Grundstücken Hoch- und von-Bocholtz-Straße um die Herzstücke der Bongartzstiftung und um das Wohnhaus der Stifterin handelte, gab der Verwaltungsrat kein Grünes Licht für Verkaufsverhandlungen. Allerdings stimmte er der Planung für einen neuen Vier-Gruppen-Kindergarten zu. Dafür seien drei Standorte möglich, so die Verwaltung: Neubaugebiet Lobberich-Ost, Wevelinghover Straße (ehemaliger TV-Feldhandball-Platz) und Obere Mühlenstraße (Nähe Caudebec Ring).

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