30 Tänzer traten beim so genannten „Dance Battle“ im Jugendheim Arche zum Wettkampf gegeneinander an.

Lobberich. Eher beiläufig schlendert Mark auf die Bühne, lässiger Gang, cooles Outfit. Die Musik startet, und plötzlich spannt er seinen Körper an, stampft auf und stellt die Füße weit auseinander. Er schüttelt seine Schultern, zuckt und zittert und bringt seinen Oberkörper zum Erbeben, als würden Elektroschocks hindurch gejagt. Abrupt reißt er zu den wummernden Beats die ausgestreckten Arme vor und zurück. Seine Finger sind starr abgespreizt, ganz so, als wolle er einem Feind die Augen ausstechen.

"Emotional aufgeladen und tranceähnlich."

Mark über den Tanzstil Krumping

Szenen des Tanzwettbewerbs, der am Samstag über 150 Jugendliche ins Freizeitheim Arche lockte. Der Tanzstil, für den sich Mark begeistert, heißt Krumping und ist afroamerikanischer Herkunft. Er entstand Anfang des 21.Jahrhunderts in Los Angeles und enthält Freestyle-Tanzbewegungen sowie stampfende Bewegungs-Elemente, die auf dem Boden ausgeführt werden. Grundlage des Wettbewerbs ist die Musik, ohne die nicht einmal das Aufwärmen läuft. Sie kam von Fatmir Ziberi, einem Hip Hopper aus Breyell.

Ein Teil des Wettbewerbs ist der Tanzstil Krumping. Das ist die Darstellung eines "emotional aufgeladenen Zustands", der "tranceähnlich dargeboten" wird. "Oftmals wird dieser Stil fälschlicherweise als aggressiv beschrieben, was er aber nicht ist", sagt Mark. Der 19-jährige Tänzer hat einfach Spaß an der Bewegung und saß gleichzeitig in der Jury. Zu der gehörten auch Kevin und Quang.

Im Trio urteilten sie über die Leistungen, die bei den drei Tanzstilen und Kategorien des Wettbewerbs gezeigt wurden: Krumping, Breakdance und Hip Hop. Die Idee zu dem Wettbewerb entwickelten die Jugendlichen zusammen mit Arche-Sozialpädagoge Stephan Pläp. Seit einigen Monaten bietet er 15 tanzbegeisterten Jungen die Möglichkeit, ihr Hobby auszuleben.

Geprobt wird vier Mal pro Woche, am Wochenende in einer Oberhausener Springbodenhalle. "Wir haben einfach Spaß an der Bewegung", sagt Quang.

Tanz-Wettstreit als fester Bestandteil der Jugendkultur

Ein 1970 entstandener Sprechgesang, der seine Wurzeln in den Schwarzen-Ghettos der USA hat. Hip Hop bezeichnet nicht nur die Musik, sondern auch eine Jugendkultur rund um Rap, Graffiti und weite Kleidung.

Die Tanzform Breakdance ist ein ursprünglich auf der Straße getanzter Stil und ein Teil der Hip-Hop-Bewegung. Entstanden ist er unter afro- und puertoamerikanischen Jugendlichen in der südlichen Bronx im New York der 1970 Jahre.

Dieser Tanz ist sehr schnell und expressiv. Er besteht im wesentlichen aus "Stomps" (Stampfen), "Chestpops" (die Brust blitzartig hochschnellen lassen), und den "Armswings" (Arme schwingen). Er entstand in den afro-amerikanischen Gemeinden von Los Angeles in den 1990er-Jahren. Er wird in der Regel als Wettstreit (Battle) getanzt.

In der Kategorie Hip-Hop-Dance ertanzte sich Emrah Ibrahimi aus Krefeld den ersten Platz, gefolgt von Mehmet Ali. Bei den Breakdancern holte Mehmet Bartu Gold, Silber ging an Benjamin Ango. Vorne beim Krumping landete John Anazoubu Zweitbester war Angel Lamin.

Der 20-Jährige machte jahrelang "Martial Arts" genannte Form von Kampfkunst, bevor er über den Breakdance zum Hip-Hop-Tanzen kam. Mit seiner Gruppe "New Basic Moves", entwickelt er eigene Choreographien im Hip-Hop-Stil. Sie sind "ultracool und selbstbewusst", sagt er. Auf ihre Ankündigung im Internet reagierten Tanzbegeisterte aus Krefeld, Duisburg und Bochum. "Wir organisieren uns über das Internet, also virtuell", sagt Quang.

Der samstägliche Tanz-Wettbewerb, war für die Jugendlichen der Auftakt zu einer ganzen Veranstaltungsreihe. "Auch in Zukunft soll hier in Nettetal ganz oft bei Wettbewerben getanzt werden", sagt Quang. So sollen diese Tanzformen fester Bestandteil der Jugendkultur werden. An diesem Wochenende bewiesen die Macher bereits eindrucksvoll, dass die dazu das Zeug haben.

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