Muslimische Mitbürger machen Zugeständnisse für Bestattungen auf einem Gräberfeld in Kaldenkirchen.

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Anfang letzten Jahres glaubte Cüneyt Deveci vom bisherigen Ausländerbeirat: "Wir sind nahe dran an einer Lösung." Doch im Weg stand die Nettetaler Friedhofssatzung mit Sargpflicht.

Anfang letzten Jahres glaubte Cüneyt Deveci vom bisherigen Ausländerbeirat: "Wir sind nahe dran an einer Lösung." Doch im Weg stand die Nettetaler Friedhofssatzung mit Sargpflicht.

Anfang letzten Jahres glaubte Cüneyt Deveci vom bisherigen Ausländerbeirat: "Wir sind nahe dran an einer Lösung." Doch im Weg stand die Nettetaler Friedhofssatzung mit Sargpflicht.

Lobberich. In der neuen Heimat auch die letzte Ruhestätte finden: Dieser Wunsch vieler der rund 1500 Nettetaler muslimischen Glaubens geht endlich in Erfüllung. Denn der Sozialausschuss gab am Donnerstag grünes Licht für Bestattungen nach islamischem Ritus auf einem Feld mit 130 Reihengräbern des Kaldenkirchener Friedhofs.

Damit endet ein langes Ringen zwischen Politik, Verwaltung, Kirchen und Muslimen. Machbar wurde der Beschluss durch die Kompromissbereitschaft muslimischer Mitbürger, bei der Einhaltung ihrer Vorschriften Abstriche hinzunehmen.

"Eine vernünftige Regelung für muslimische Bestattungen ist möglich", machte der Erste Beigeordnete Armin Schönfelder den Muslimen in Nettetal im Februar 2008 Mut. Denn im Sommer 2007 hatten muslimische Mitbürger um Beerdigungsmöglichkeiten gebeten, um nicht länger in Nachbarstädte oder gar in die Türkei ausweichen zu müssen: Beerdigung ohne Sarg möglichst innerhalb von 24 Stunden, Leichenwäsche, zeitlich unbegrenzte Grabstätte.

Es folgten Beratungen im Netzwerk Integration und im Sozialausschuss sowie zwischen Stadt, Kirchen und islamischer Gemeinde, Befragung und Unterschriften-Sammlung unter muslimischen Mitbürgern. Anfang letzten Jahres glaubte Cüneyt Deveci (Foto) vom bisherigen Ausländerbeirat: "Wir sind nahe dran an einer Lösung." Doch im Weg stand die Nettetaler Friedhofssatzung mit Sargpflicht.

Während andere Kommunen längst die Aufforderung des Bundesinnenministeriums umgesetzt hatten und "die sarglose Bestattung" erlaubten, stand in Nettetal die Verhandlung auf der Kippe. Deveci schließlich brachte die Kompromissbereitschaft der Muslime ins Spiel: Zur Not könne man sich auch einen "Sarg aus dünnem Holz" statt eines Leinentuchs und in Ausnahmefällen eine Ausdehnung der 24-Stunden-Frist vorstellen. Auf dieser Basis beauftragte nun der Ausschuss einstimmig die Verwaltung, muslimische Bestattungen zu ermöglichen.

Stirbt ein Nettetaler muslimischen Glaubens, soll die Bestattung künftig so ablaufen: Leichenschau, Transport zur Leichenhalle Friedhof Lobberich: Leichenwäsche. Transport zur Moschee Burgstraße: Totengebet. Transport zum Friedhof Kaldenkirchen: Beerdigung im dünnen Holzsarg durch die islamische Gemeinde.

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