Einige Kempener machen sich Sorgen um das Wohlergehen der Tiere in der „lebenden Krippe“ gegenüber dem Rathaus. Werbering und Stadt haben wegen der Besucherattraktion aber keine Bedenken.

Einige Kempener machen sich Sorgen um das Wohlergehen der Tiere in der „lebenden Krippe“ gegenüber dem Rathaus. Werbering und Stadt haben wegen der Besucherattraktion aber keine Bedenken.
Das Kamel in der „lebenden Krippe“ ist eine Attraktion des Kempener Weihnachtsmarktes.

Das Kamel in der „lebenden Krippe“ ist eine Attraktion des Kempener Weihnachtsmarktes.

Kurt Lübke

Das Kamel in der „lebenden Krippe“ ist eine Attraktion des Kempener Weihnachtsmarktes.

Kempen. „Ich bin mir sicher, dass der Kempener Weihnachtsmarkt auch ohne ,lebende Krippe’ auskommt. Viele andere Städte verzichten schon heute darauf und müssen dadurch nicht mit niedrigeren Besucherzahlen rechnen.“ So endet ein Brief, den Jan Köster an Bürgermeister Volker Rübo und den Vorsitzenden des Kempener Werberings, Armin Horst, geschrieben hat.

Seine Bedenken beziehen sich auf die „lebende Krippe“, die an den Adventswochenenden auf dem Buttermarkt zu sehen ist. Zu den Tieren, die dort gezeigt werden, gehören unter anderem ein Kamel, das früher einem Zirkus gehörte, ein Esel und zwei Schafe. Köster zweifelt nicht daran, dass die Bestimmungen zur Haltung der Tiere von Stadt und Werbering eingehalten werden. Vielmehr bemängelt er die nicht vorhandenen Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere, den Lärm und die vielen Menschen an diesem „Knotenpunkt“ auf dem Buttermarkt. Köster stellt in Frage, dass dies artgerecht ist.

Der Kempener verweist außerdem auf das Tierschutzgesetz, das es unter anderem verbiete, Tiere zur Schau zu stellen, „sofern damit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind“. Es sollte hinterfragt werden, ob das „Zurschaustellen aus Tiersicht als ,erträglich’ beschrieben werden darf“, heißt es in dem Brief weiter.

„Es ist gewährleistet, dass die Tiere völlig artgerecht gehalten werden.“

Armin Horst, Vorsitzender des Kempener Werberings

Armin Horst teilt diese Bedenken nicht. „Es ist gewährleistet, dass die Tiere völlig artgerecht gehalten werden“, sagt der Werbering-Vorsitzende. Der „Gnadenhof“, auf dem die Tiere in der Nähe von Gummersbach gehalten werden, besitze alle notwendigen Zertifikate und werde regelmäßig daraufhin überprüft. Darauf hatte Horst auch schon im Vorfeld des Weihnachtsmarktes bei einer Pressekonferenz hingewiesen. Deshalb habe man sich bewusst für die „lebende Krippe“ entschieden.

Horst sieht deshalb auch keinen Grund, dem Weihnachtsmarkt eine weitere Attraktion zu nehmen. Im vergangenen Jahr hatte die Stadt entschieden, den Schneeberg auf dem Buttermarkt nach dem ersten Adventswochenende wegzuräumen. Einige Bürger hatten sich offensichtlich gefährdet gesehen, weil sie von Schneebällen getroffen worden waren. Kürzlich hatte die Stadt entschieden, dass es auf dem Buttermarkt in Zukunft keinen Schneeberg mehr geben wird.

„Es ist eine Attraktion für ganze Familien“, sagt Horst über den „Mini-Zoo“ auf dem Buttermarkt. Es würden dort Hunderte von Fotos geschossen und es gebe immer wieder lobende Worte von den Besuchern. „Wir wollen vor allem den Kindern nicht den Spaß verderben“ , so Horst.

Köster appelliert trotzdem an ihn und Rübo, die „lebende Krippe auf dem Weihnachtsmarkt abzuschaffen“. Er hat auch eine „Petition“ ins Internet gestellt (siehe Hinweis im Kasten), die bis gestern Nachmittag 20 „Unterstützer“ gefunden hatte. In zwei anonymen und einem namentlichen Kommentar dazu heißt es unter anderem „Purer Stress für die Tiere. Schrecklich“ und „Lebende Tiere gehören nicht auf einen Markt!!!“. Horst wundert sich nicht über solche Einwände. Einige Bürger seien schon seit Jahren dagegen.

Die „lebende Krippe“ werde bleiben, sagt die Stadt. Alle Genehmigungen lägen vor, Betreuer seien in direkter Nähe des Geheges und ein Tierpfleger mit einer Lizenz für Tiere, die gezeigt werden, halte sich im Bereich des Stalls auf. An den Abzäunungen des Geheges seien außerdem Telefonnummern angebracht, die im Notfall angerufen werden könnten. „Vonseiten des Ausrichters und des Veranstalters wurden alle Vorkehrungen getroffen, dass es den Tieren gut geht“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt.

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