Jürgen Hühnerbeins erster Roman spielt in Nettetal und Prag: Ein Killer wandelt auf Parzivals Spuren und begeht grausame Morde.

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Alles ist lieblich im Schaager Kreuzgarten – nur nicht in Jürgen Hühnerbeins Roman. Da ist er ein Ort des Schreckens.

Alles ist lieblich im Schaager Kreuzgarten – nur nicht in Jürgen Hühnerbeins Roman. Da ist er ein Ort des Schreckens.

Friedhelm Reimann

Alles ist lieblich im Schaager Kreuzgarten – nur nicht in Jürgen Hühnerbeins Roman. Da ist er ein Ort des Schreckens.

Nettetal. Wie lustig: "Ich musste einfach immer lachen." Was den Mann so erheitert, ist das Töten: "Ich lachte, wenn ich sie sterben sah." Ein Schnitt, das Blut in einer Flasche aufgefangen: "Meine Arbeit war getan." So also denkt ein irrer Killer. Schreibt zumindest Jürgen Hühnerbein: "Finsternis im Kopf" heißt sein Krimi, der in Nettetal und Prag spielt. Ein "Niederrhein-Krimi" aus dem Lobbericher Verlag der Buchhandlung Matussek- insgesamt recht lesenswert.

"Und ich lachte. Lachte über die offensichtliche Unsinnigkeit meiner Tat."

Der Mörder in "Finsternis im Kopf"

In der Geschichte kommt der Ursprung des Bösen aus Leuth. Dort wohnt der Polizist Georg Dreegen, der verstrickt ist in ein tödliches Ränkespiel mit geschändeten Leichen, auf dem Hinsbecker Aussichtsturm und im Kaldenkirchener Baumarkt. Mit Opferblut schmiert der Mörder eine geheimnisvolle böse Botschaft: "Herzeleid". Hieß so nicht die Mutter des sagenhaften Helden Parzival?

Tatsächlich dreht sich alles um Parzival, der sich in seiner Karriere als erfolgreicher Ritter immer wieder in Schuld verstrickte: Parzival und Drachen, Antichrist und Erlösung spuken als wirres Weltbild im Kopf des Killers herum. Er fühlt sich zum blutigen Heilsbringer berufen- und stellt sich auf der Karlsbrücke in Prag der letzten Schlacht.

"Finsternis im Kopf" ist Hühnerbeins Erstlingswerk. Der 40-jährige Lehrer, künstlerischer Leiter beim Nettetaler "Theater unterm Dach", ist bekennender Kafka-Fan. Das merkt man seinem Buch an: Das Geschehen wird phasenweise wie bei Franz Kafka aus verschiedenen Sichtweisen geschildert- auch aus der des Mörders.

Überhaupt wirkt es mitunter so, als habe Hühnerbein literarische Vorbilder verinnerlicht: Da klickt die Kamera, "schneller, arbeitet, arbeitet, klick, schneller, klick..." Alfred Döblin, so scheint’s, lässt grüßen. Durch viele Zitate, ob aus dem Parzival oder gar aus Sekundärliteratur, wirkt das Buch mitunter zwar etwas "germanistisch", ist aber dafür sprachlich anspruchsvoll.

Freilich haben sich auch kleine stilistische Schwächen eingeschlichen: Floskeln wie "so oder ähnlich" häufen sich fast so nervend oft wie die übertrieben vielen Ausrufezeichen, mitunter stören ungenaue Formulierungen wie "im wahrsten Sinne". Ansonsten ist das Buch erfreulich fehlerfrei. Kleinigkeiten, etwa zu viele Freizeichen im Text, fallen kaum auf. Fast eine Zumutung beim Lesen indes sind die vielen Seiten ohne einen einzigen Absatz.

Aber unter den vielen Heimat- und Regionalkrimis gehört Hühnerbeins Werk zu den guten: originelle Geschichte, spannend geschrieben. Fesselnd gar, wenn der Autor seinen Mörder sagen lässt: "Und ich lachte. Lachte über die offensichtliche Unsinnigkeit meiner bevorstehenden Tat." Doch diese Tat ist gar nicht lustig...
 
 

Finsternis im Kopf

AUTOR Dr. Jürgen Hühnerbein, geboren 1967 in Lobberich, lebt in Kevelaer. Er ist Lehrer für Deutsch, Literatur und Geschichte am Internat Gaesdonck in Goch. Er ist Mitbegründer, künstlerischer Leiter und Schauspieler am Nettetaler "Theater unterm Dach".

BUCH "Finsternis im Kopf" ist Hühnerbeins erstes Buch. Es ist der dritte Band der Matussek-Reihe "Der Niederrhein Krimi", hat knapp 170 Seiten, kostet 8,90 Euro und ist im Buchhandel erhältlich.

VERLAG Erschienenen ist der Krimi im Verlag der Buchhandlung Matussek & Sohn in Lobberich. Aus diesem Hause stammen auch die ersten zwei "Niederrhein Krimis" von Arnold Küsters: "Der Lambertimord" und "Maskenball".

www.buchhandlung-matussek.de

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